Von Claudia Wessel

Einstiegshilfen in Form eines Hublifts und in Form von Personal kann die Bahn nur bereitstellen, wenn die Fahrt vorher angemeldet wird. Denn selbst die modernsten Züge verfügen noch nicht über eingebaute Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer.

Heidi Dintel hat schon so manche sinnlose Stunde an Bahnhöfen verbracht. ,,Ich muss zum Beispiel öfters nach München zu Sitzungen. Normalerweise dauern die bis 15 Uhr, und ich bestelle dann den Zug um 17 Uhr.'' Manchmal aber, so die Sprecherin der Projektgruppe barrierefreie Bahn und kommunale Behindertenbeauftragte in Memmingen, endeten die Sitzungen überraschend schon um 12 Uhr. ,,Dann sehe ich unzählige Züge nach Memmingen davonfahren, weil ich nicht einsteigen kann.''

Rollstuhlfahrer

So einfach wäre das Aussteigen mit Lift. (© Foto: dpa)

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Heidi Dintel ist Rollstuhlfahrerin und kann daher keine spontane Bahnreise machen. Einstiegshilfen in Form eines Hublifts und in Form von Personal kann die Bahn nur bereitstellen, wenn die Fahrt vorher angemeldet wird. Denn selbst die modernsten Züge verfügen noch nicht über eingebaute Einstiegshilfen für Rollstuhlfahrer.

Das aber sei noch das geringste Problem, sagt Dintel. Eine Erhebung des Verbands kommunaler Behindertenbeauftragter in Bayern (VkiB) habe ergeben, dass 80 Prozent der rund 1000 bayerischen Bahnhöfe für Rollstuhlfahrer nicht einmal zugänglich sind. Treppen ohne Aufzüge sind Hindernisse oder aber das Nichtvorhandensein von Hublift und Personal.

Um auf all diese Mängel hinzuweisen, haben VkiB und LAGH, die Dachorganisation der Behindertenverbände in Bayern, die Aktion barrierefreie Bahn ins Leben gerufen. Am ,,Europäischen Protesttag der Menschen mit Behinderung'' reisten rund 350 Behinderte, davon rund 90 Rollstuhlfahrer, mit der Bahn nach München zum Aktionstag.

Da alle Rollstuhlfahrer sich angemeldet hatten und die Bahn zahlreiche zusätzliche Waggons sowie Personal bereitgestellt hat, klappte alles wunderbar. ,,Aber jetzt ist wieder Alltag'', sagt Dintel bedauernd. Die Bahn arbeitet jedoch weiter am barrierefreien Ausbau, versichert Pressesprecher Ingo Schüttke. Bis 2012 würden insgesamt 300 Millionen Euro investiert.

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