Und jetzt? KaDeTe statt KaDeWe

Ola Klöckner (vorne) hat gemeinsam mit Franziska Schetter das Unternehmen Liquid Matter gegründet. Nun will sie junge Unternehmer fördern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hilfe für Start-ups: Zwei Münchner Unternehmerinnen eröffnen in Berlin das Kaufhaus des Testens

Interview von Michael Bremmer

Ola Klöckner, 32, und Franziska Schetter, 33, haben 2016 das Unternehmen Liquid Matter gegründet. Ihr Produkt heißt Matcha You, ein Erfrischungsgetränk mit natürlichem Koffein. Beide Münchner Unternehmerinnen kommen aus dem Marketing und mussten erst Erfahrungen im Lebensmittelbereich sammeln. Um anderen Jungunternehmern den Einstieg in den Handel zu vereinfachen, gründen sie nun in Berlin das KaDeTe, ein Kaufhaus des Testens. Läuft der Start erfolgreich, soll es später Filialen geben, auch in München. Bis Ende Januar können sich Start-ups bewerben. Melden sich genügend, könnte im März eröffnet werden.

SZ: Im Kaufhaus des Westens gibt es auf 60 000 Quadratmetern ein umfangreiches Warenangebot aus aller Welt. Was wird im Kaufhaus des Testens angeboten werden, was es im KaDeWe nicht gibt?

Ola Klöckner: Unser Fokus liegt komplett auf Start-ups.

Das heißt?

Es werden vorwiegend Waren angeboten, die es noch gar nicht im Handel gibt oder zumindest nicht flächendeckend.

Waren also wie Ihr Getränk Matcha You.

Unser Produkt gibt es derzeit zum Beispiel nur im Biofachhandel in München und im Münchner Umland. Das bedeutet, auch Start-ups, die mit ihren Produkten schon die Startphase hinter sich haben, können im KaDeTe ihren Bekanntheitsgrad steigern. Es soll aber auch Waren geben, die es noch gar nicht im Handel gibt. Wir wollen auch Start-ups ansprechen, für die alles noch Neuland ist, die noch gar nicht wissen, wie man Kontakt mit dem Handel aufbaut, die noch gar kein Feedback für ihr Produkt bekommen haben. Wir sehen das Ganze als Test-Supermarkt.

Supermarkt heißt: Sie verkaufen nur Nahrungsmittel?

Die bisherigen Anfragen kommen vorwiegend aus dem Food-Bereich. Aber natürlich können das auch Start-ups aus dem Non-Food-Bereich sein wie etwa Kosmetik, aber auch technische Innovationen.

Etablierte Waren würden sich vermutlich besser verkaufen. Woher stammt die Motivation, Start-ups zu unterstützen?

Aus unserer eigenen Erfahrung. Wir haben am Anfang gemerkt, wie schwierig es ist, den richtigen Ansprechpartner zu finden und wie lange es dauert, ihn zu erreichen und gehört zu werden. Bis das Produkt in einem Laden landet, dauert es zuweilen Monate. Das ist Zeit, die viele Start-ups gar nicht haben. Umgekehrt: Die Handelspartner sind genauso überfordert, alle Anfragen zu beantworten, auch für sie könnte ein Test-Supermarkt wichtig sein.

Sie haben es ohne Hilfe geschafft.

Weil wir uns ein gutes Netzwerk aufgebaut haben. Aber nicht jeder verfügt über viele Kontakte. Was für uns am Anfang kompliziert war, wollen wir für andere einfacher machen.

Bleibt die Frage: Warum? Sie haben mit Ihrem eigenen Unternehmen vermutlich genug zu tun.

Auf Matcha You liegt auch weiterhin unser Fokus. Aber wir haben in dieser Branche Dinge gesehen, die man schlauer, effizienter machen kann. Zum Beispiel ist es für den Handel ein sehr hoher Aufwand, ein Produkt überhaupt ins Sortiment zu nehmen - warum soll jemand dieses Risiko bei einem unbekannten Produkt auf sich nehmen? Hier können wir helfen. Und generell: Dinge ändern sich nun mal nicht, wenn man nicht etwas dafür tut.

Dennoch müssen Sie Geld verdienen.

Natürlich. Am liebsten würden wir den Start-ups den Platz im Supermarkt gratis zur Verfügung stellen, aber wir haben keine Fördermittel. Jetzt müssen sie eine geringe Gebühr für ein halbes Jahr zahlen, damit bezahlen wir die Miete, das Personal, den Ausbau. Und die Start-ups bekommen Marktforschung.

Marktforschung?

Ja, durch das Berliner Institut für Innovationsforschung. Einer der Gründer ist ein Schulfreund von uns, sie haben sich sofort für das Projekt begeistert. Diese Marktforschung ermöglicht den Start-ups Test- und Analysemethoden, der Handel wiederum bekommt verlässliche Beurteilungskriterien.

Welche Motivation haben dann die Marktforscher?

Sie sind visionär denkende Menschen und finden das Projekt mega-spannend. Aber natürlich kann es sein, dass Folgeaufträge entstehen. Das wäre natürlich schön.

Was folgt auf das KaDeTe in Berlin? Eine Filiale in München?

Unser Unternehmenssitz ist in München, von daher ist das gut vorstellbar. Aber für eine feste Aussage ist es jetzt noch zu früh. München ist auf jeden Fall interessant.