Und jetzt? Häuser, die in Würde altern

Freut sich über die Auszeichnung: Hotelier Rudi Kull.

(Foto: Kull & Weinzierl/OH)

Rudi Kull und Albert Weinzierl sind "Hoteliers des Jahres"

Interview von Franz Kotteder

Rudi Kull und Albert Weinzierl eröffneten vor 20 Jahren das Restaurant Buffet Kull in der Marienstraße und begründeten damit ein Münchner Gastro-Imperium, zu dem heute unter anderem das Restaurant Brenner, die Bar Centrale und die Bar Giornale gehören, aber auch zwei Design-Hotels: das Cortiina in der Ledererstraße und das Louis am Viktualienmarkt. Für letztere wurden sie am Montagabend beim Deutschen Hotelkongress in Berlin mit dem Titel "Hotelier des Jahres" ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Kollegin Innegrit Volkhardt vom Bayerischen Hof. Kull und Weinzierl seien "wegweisend für München" gewesen, sie hätten "mit liebevollen Details und hochwertigen Materialien den perfekten Ort zum Verweilen" geschaffen. Rudi Kull erläutert ihr Erfolgskonzept.

SZ: Glückwunsch! Diese Auszeichnung bekommen sonst eher Abkömmlinge von traditionsreichen Hoteliersfamilien, oder?

Rudi Kull: Umso mehr freut es uns, dass wir als kleine Player diese Auszeichnung erhalten. Hotellerie ist noch einmal etwas komplett anderes als die Gastronomie. Das hat eigene Gesetzmäßigkeiten, andere Arbeitsrhythmen, aber es ist eine sehr schöne Branche, wenn man es mit Liebe macht.

Wie kam es denn dazu?

Wir hatten zu der Zeit drei Betriebe, das Buffet Kull, die Bar Centrale und die Pizzeria Riva. Und an einem Samstagvormittag vor 17 Jahren saßen wir in der Bar Centrale, und der Albert fragte: "Wie geht's jetzt weiter?" Ich sagte, ein Traum von mir sei schon immer so ein kleines Boutique-Stadthotel gewesen. Wir sind ja auf Reisen nie in die großen Kästen gegangen, sondern in kleine, individuelle Designhotels. Albert sagte gleich: "Da hätte ich auch Lust drauf." Am Dienstag drauf bin ich zur SZ in die Sendlinger Straße gegangen und habe die Seiten mit dem Immobilienmarkt studiert. Da stand dann: "Kleines Hotel in der Münchner Innenstadt zu vermieten." Ich rief an und es stellte sich heraus: Das war das Haus gegenüber der Bar Centrale.

Ihr heutiges Hotel Cortiina.

Genau. Wir setzten uns letztlich gegen einen Mitbewerber durch, der Appartements für arabische Gäste draus machen wollte. Unser Konzept sah hingegen ein Stilhotel mit moderner Innenarchitektur und regionalen Materialien vor.

Später kam dann noch das Louis am Viktualienmarkt dazu.

Das lief dort fast ähnlich. Das Haus gehört dem Münchner Versicherungsverein, der hatte das deutschlandweit ausgeschrieben. In der Endrunde waren wir zu zweit. Der andere Favorit wollte eine Zwei-Sterne-Geschichte, ganz kleine Zimmer, 80 Euro die Nacht. Ich habe dann irgendwann in der Bewerbungsrunde gesagt: "Auch wenn wir nicht Ihr Pächter werden sollten - machen Sie bitte ein Haus, das den Ort bereichert und ihm nicht etwas von seinem Reichtum wegnimmt." Ich glaube, das hat letztlich den Ausschlag gegeben.

Sie verwenden oft edle Materialien, verteuert das nicht die Renovierung?

Wir möchten halt keine Industriegebietsfremdkörper, sondern wir wollen etwas machen, das in die Umgebung passt. Und was die Kosten dafür angeht: In der Branche gilt der Grundsatz, man müsse die Räume alle sieben Jahre neu gestalten. Wir haben von Anfang an zum Beispiel auf massives Eichenparkett, auf Naturkautschukmatratzen und Bronzegriffe gesetzt. Sachen, die mit dem Alter immer schöner werden, die kriegen Würde, je älter sie werden. Das kombinieren wir dann mit modernen Elementen. So haben wir es geschafft, dass wir nicht umgestalten müssen, sondern vor allem instand halten.

Demnächst soll noch ein 60-Betten-Haus in Bad Wiessee dazukommen, oder?

Nein, aus diesem Projekt haben wir uns zurückgezogen. Der Gemeinderat war zwar für das Hotel, aber wir konnten uns mit den Investoren nicht einigen.