Umzug Volkstheater in fünf Jahren im Viehhof? Stadtkämmerei zweifelt

Noch fünf Jahre bleibt das Volkstheater zur Miete an der Brienner Straße. Wenn es nach der Stadtkämmerei geht, werden daraus sogar acht Jahre.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bis Ende 2020 soll das neue Volkstheater schlüsselfertig auf dem Viehhofgelände stehen. Die Stadtkämmerei sieht das kritisch: Sie hat Angst, dass die Kosten erheblich steigen.

Von Franz Kotteder

Genau fünf Jahre soll es noch dauern, dann will das Münchner Volkstheater in seinen Neubau auf dem städtischen Viehhofgelände einziehen. Beim Kulturreferat heißt es, man sei im Zeitplan. Doch Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD), der in Zeiten des Sparzwangs noch mächtiger wird als ohnehin schon, sieht das anders. Er glaubt nicht mehr, dass der Neubau bis 2020 steht. "Die Stadtkämmerei rät dringend dazu", schreibt Wolowicz in einer Stellungnahme zu den Plänen, "frühzeitig Verhandlungen bezüglich einer Verlängerung des Mietvertrages (mindestens bis Ende des Jahres 2023) am alten Standort aufzunehmen." Selbst im günstigsten Fall stünde das Haus frühestens 2021 zur Verfügung, so die Kämmerei.

Ohne "Generalübernehmer" wäre der Bau wahnsinnig umständlich

Am Donnerstag sollen der Kultur- und der Kommunalausschuss des Stadtrats beschließen, die Federführung für den Neubau dem Kommunalreferat zu übertragen und das Theater von einem "Generalübernehmer", wie das in der Planersprache heißt, bauen zu lassen. Der hielte alles - von der Planung bis zum Endausbau - in einer Hand und müsste das Haus nach den Wünschen der Stadt schlüsselfertig in die nordwestliche Ecke des Viehhofgeländes an der Zenetti-/Tumblingerstraße stellen.

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Über dieses Vorgehen ist man sich schon länger klar; anders sei der Zeitplan gar nicht einzuhalten, sagt das Baureferat, das sonst für solche Baumaßnahmen zuständig ist. Insgesamt müssten 80 verschiedene Projektaufträge ausgeschrieben und vergeben werden, ein ungeheurer Auftrag für eine Verwaltung. Große Baufirmen, die als Generalübernehmer in Frage kämen, verfügten dafür über eingespielte Teams.

Die Bedarfsliste vom Volkstheater ist 800 Seiten lang

Die bekommen allerhand zu tun. Im vergangenen Jahr haben Volkstheater und Stadtverwaltung auf 800 Seiten zusammengeschrieben, was im neuen Haus alles gebraucht wird. "Da ist bis auf die einzelne Steckdose festgelegt, was notwendig ist für den Betrieb in den einzelnen Räumen", sagt Frederik Mayet, Pressesprecher und künstlerischer Direktor des Volkstheaters. Auf dieser Grundlage muss das beauftragte Bauunternehmen dann zusammen mit einem - möglichst renommierten - Architekten das Theater planen und bis zum vereinbarten Termin fertigstellen.

Sowohl im Kulturreferat als auch beim Volkstheater glaubt man fest, alle Termine einhalten zu können. Sebastian Feldhofer, Verwaltungsdirektor des Volkstheaters, sagt: "Wir sind nach wie vor voll im Zeitplan." Und Maximilian Leuprecht, Bürochef von Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD), sieht den Einwand der Stadtkämmerei eher "als Vorsichtsmaßnahme", an die man immer noch denken könne, wenn sich bei Planung oder Bau Verzögerungen ergäben: "Wir sind mit den Vermietern ja sowieso fast ständig in Kontakt." Unklar ist allerdings, welche Kosten auf die Stadt zukämen, wenn das Theater länger an der Brienner Straße bliebe. Denn Bauaufsicht und Brandschützer haben den Theaterbetrieb nur bis Ende 2020 genehmigt. Eine neue Erlaubnis würde umfangreiche Sanierungsarbeiten mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe erfordern.

Geschätzt waren 115 Millionen Euro. Jetzt könnten es 150 Millionen werden

Die Stadtkämmerei meldet aber noch weitere Bedenken an, die nicht nur den Zeitplan betreffen: Die derzeit prognostizierten Gesamtkosten von 115 Millionen Euro für das Theater dürften wohl nicht reichen. Diese Zahl beruht auf einer groben Schätzung nach den gängigen Kosten pro Kubikmeter umbauten Raumes. Inzwischen geht die Kämmererei in Wirklichkeit von 130 bis 150 Millionen Euro an Gesamtkosten aus, was offiziell aber niemand bestätigt. Die Aufgabe einem Generalübernehmer zu übertragen, sieht die Kämmerei kritisch, sie befürchtet dabei ein "sehr hohes Kostenrisiko". Alles, was nicht im Vertrag festgeschrieben sei, müsse nachträglich und zusätzlich finanziert werden.

Tatsächlich wird sich der mögliche Generalübernehmer die anspruchsvolle Aufgabe entsprechend bezahlen lassen, was die Ersparnis durch das einfachere Verfahren wieder auffressen kann. Stimmt der Stadtrat der Vergabe von Planung und Bau an ein Privatunternehmen zu, so kann die Vergabe schon im kommenden Frühjahr ausgeschrieben werden.

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