Umwelt Diese Luftschadstoffe bereiten München Probleme

Das weltweit einheitliche Gefahrensymbol zur Einstufung von Chemikalien warnt vor gesundheitsschädlichen Stoffen.

(Foto: oh)

Kohlenmonoxid, Feinstaub oder Ozon: Kaum ein anderes Umweltthema hat in den vergangenen Jahren größere Debatten ausgelöst als die unsichtbaren Emissionen.

Von Marlene Weiß und Hanno Charisius

Die Diskussion um Fahrverbote für ältere Diesel-Pkws wurde vor allem durch die unerhört hohen Stickoxidmengen ausgelöst, die viele Fahrzeuge ausstoßen. Doch es gibt weitere Luftschadstoffe, die der Umwelt und der Gesundheit von Menschen und Tieren zusetzen. In manchen Fällen gäbe es technische Lösungen, um den Schaden zu begrenzen, in anderen müsste vor allem der Mensch sein Verhalten ändern. Und nicht immer sind Autos Schuld an der verpesteten Luft.

Die gute Nachricht: Unterm Strich ist die Belastung durch viele Schadstoffe in den vergangenen Jahren gesunken. Was nicht bedeutet, dass man aufhören könnte mit dem Umweltschutz. Zwar wird die Luft in Deutschland immer besser, doch weltweit sterben jedes Jahr mehr als drei Millionen Menschen durch Luftverschmutzung, die sich vermeiden ließe.

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Langfristig betrachtet bereitet der Menschheit vor allem ein Stoff Probleme, der gar kein Schadstoff wäre, würde ihn der Mensch nicht im Übermaß produzieren: das Treibhausgas Kohlendioxid, CO₂. Den Klimakiller in den Griff zu bekommen ist eine noch viel größere Herausforderung, als die Luft in deutschen Städten zu verbessern.

Stickoxide

Stickoxide werden auch als NOx abgekürzt: Ein Stickstoff-Atom (N) und x Sauerstoff-Atome (O). Am häufigsten geht es dabei um Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Beide entstehen bei Verbrennungsprozessen: zum Beispiel in Kohlekraftwerken, aber auch, und das ist die weit größere Quelle, in Automotoren, die Benzin oder Diesel verbrennen. Die Belastung ist seit 1990, anders als bei fast allen übrigen Luftschadstoffen, nur wenig zurückgegangen.

Wenn Benzin oder Diesel verbrannt werden, entsteht Stickstoffmonoxid, das in der Luft teils zu Stickstoffdioxid reagiert - nur dass man die giftigen Partikel beim Benziner mit den seit Jahrzehnten vorgeschriebenen Katalysatoren relativ gut herausfiltern kann. Darum ist hier der Schuldige recht eindeutig: Es ist der Dieselmotor. Mehr als zwei Drittel der Stickstoffdioxid-Emissionen im Straßenverkehr gehen laut dem Umweltbundesamt auf Diesel-Pkws zurück, Benziner trugen nur bescheidene vier Prozent bei.

Von gut 500 Messstationen des Umweltbundesamtes verzeichneten stolze142 im Jahr 2015 eine Überschreitung des Grenzwertes; alle liegen an größeren Straßen. Statt dem erlaubten Jahresmittel von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wurden am Neckartor in Stuttgart 87 Mikrogramm gemessen.

61 Mal lagen dort sogar die Stunden-Mittelwerte bei mehr als 200 Mikrogramm. München folgt mit einem Rekord von im Jahresmittel 84 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Landshuter Allee direkt dahinter. Das Gerät am Stachus landet mit 64 Mikrogramm bundesweit immerhin noch auf Platz acht. An der Lothstraße, in Allach und in Johanneskirchen werden die Grenzwerte hingegen eingehalten.

Gesundheitlich sind Stickoxide vor allem für Asthmatiker und Menschen mit chronischer Bronchitis ein Problem. Aber langfristig ist es für niemanden gesund, an stark belasteten, verkehrsreichen Straßen zu leben. Husten und Lungenkrankheiten werden häufiger. Inwiefern auch die Sterblichkeit allein durch NOx zunimmt, ist umstritten; sicher ist indes, dass aus Stickoxiden die eindeutig gesundheitsschädlichen Stoffe Feinstaub und Ozon entstehen.

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Auch der Umwelt schaden Stickoxide: Aus Stickstoffdioxid kann Salpetersäure entstehen, neben Schwefelsäure eine der Hauptursachen des Sauren Regens, der in den Achtzigerjahren viele Wälder belastete. Außerdem entstehen aus Stickoxiden Nitrate, welche die Pflanzen ringsum unerwünscht düngen.