Umbau des Kulturzentrums am Gasteig Münchner Millionengrab

Mehr als 300 Millionen Euro: Die Kostne für den Umbau des Gasteigs steigen immer weiter.

Die Sanierung des Gasteig-Kulturzentrums wird nochmals teurer. Mittlerweile ist die Rede von mehr als 300 Millionen Euro - und mit einem Beginn der Arbeiten vor dem Jahr 2018 rechnet niemand mehr.

Von Franz Kotteder

Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) ist keiner der Verzagten in der Stadt, aber wenn er an den Gasteig denkt, wird ihm mulmig. "Bei der Grundsanierung wird mir angst und bange", sagte er kürzlich im Stadtrat, "ich weiß nicht, wie das gehen soll." Die veranschlagten Baukosten, im Frühjahr noch auf 209 Millionen Euro prognostiziert, schätzen manche inzwischen auf 300 bis 350 Millionen Euro. "Da kommen wir langsam in Größenordnungen", sagt Küppers zur SZ, "die an die Elbphilharmonie erinnern." Man müsse nun genau prüfen, ob alle geplanten Umbauten wirklich unvermeidbar seien, "und da handeln wir nach dem Grundsatz: Sorgfalt geht vor Schnelligkeit".

Übertriebene Eile kann man der Politik kaum vorwerfen. Zwar hat der Stadtrat im Frühjahr 22,6 Millionen Euro für die dringlichsten Sanierungsmaßnahmen genehmigt, die nun bis 2017 abgearbeitet werden. Das geht auch nicht anders, weil sonst der Brandschutz das Haus zumindest teilweise schließen müsste. Es geht aber auch um normalen Verschleiß bei einem Gebäude, das nicht einmal 30 Jahre alt ist, und um Modernisierung veralteter Technik.

Wenn diese Arbeiten erledigt sind, wird es aber erst richtig teuer im Kulturzentrum am Gasteig, das jährlich von 1,8 Millionen Besuchern frequentiert wird. Denn dann stehen Dinge an, die heute schwer kalkulierbar sind. Die reichen, beim derzeitigen offiziellen Stand, von etwa 400.000 Euro für die Black Box bis hin zu gut 56 Millionen Euro für die Stadtbibliothek, insgesamt etwa 120 Millionen Euro. Dazu kommen noch Nebenkosten für Architekten- und Ingenieurshonorare, Versicherungen und Ausweichquartiere sowie voraussichtliche Preissteigerungen, woraus sich bislang eine Summe von 209 Millionen Euro ergab.

In der Rechnung fehlt die Philharmonie

Daran glaubt aber heute niemand mehr. Unter anderem deshalb, weil die ganze Rechnung weitgehend ohne die Philharmonie gemacht wurde. Hier geht es um Unwägbarkeiten, die mit der Akustik dieses Saales zu tun haben und damit, wie er künftig genutzt werden soll. Und da ist nach wie vor fast alles unklar. Die letzten Berechnungen besagen: Um die 70 Millionen Euro dürfte es mindestens kosten, die Philharmonie in einen Zustand zu versetzen, der die Kritiker der Akustik besänftigen könnte. Oder auch nicht. Denn planbar ist das, was später mal zu hören ist, nur sehr eingeschränkt.

Dieses Thema aber will vor der Kommunalwahl niemand so richtig angehen. Ungewiss ist ja auch, wann und wo es einen Konzertsaal des Freistaats geben wird. Das dürfte Auswirkungen auf die Gasteig-Philharmonie haben, auch wenn Küppers und Gasteig-Chefin Brigitte von Welser unisono sagen, die Auslastung des Hauses sei in jedem Fall gesichert.

Politiker wollen nach den Wahlen entscheiden

Die drei großen Parteien im Rathaus wollen die Sache gleich nach der Wahl angehen. Wirtschaftsreferent und SPD-Oberbürgermeisterkandidat Dieter Reiter ist für eine schnelle Gesamtsanierung: "Es geht ja nicht nur um die Philharmonie. Ich bin aber für die große Lösung, wenn sie sich finanzieren lässt." Sein Konkurrent, CSU-Fraktionschef Josef Schmid, sagt: "Man muss die Sanierung beherzt angehen, nicht nur Flickschusterei betreiben wie jetzt."

In Sachen Konzertsaal hätte die Stadt frühzeitig auf den Freistaat zugehen sollen, wofür er immer noch Chancen sieht: "Vor allem mit einem CSU-Oberbürgermeister." Grünen-Kandidatin Sabine Nallinger will "eine Studie über Sanierung und Modernisierung mit allen Alternativen bis hin zu Abriss und Neubau". "Und dann muss man schnell entscheiden."

Wer auch immer nach der Wahl die Stadt regiert: Ein halbes Jahr dauert das noch. Brigitte von Welser sagt, sie brauche einen klaren Stadtratsbeschluss, um den Betrieb in Ausweichquartieren möglichst bald vorbereiten zu können: "Man hat da einen Vorlauf von vier bis fünf Jahren." Und Kulturreferent Küppers sagt rundheraus: "Von einem Beginn der Sanierung 2018 kann keine Rede mehr sein."