Von Astrid Becker

OB Christian Ude verliert sein Derblecken-Double. Nachdem Darsteller Uli Bauer lange auf eine Einladung zum Nockherberg gewartet hatte, buchte er eine Fernreise.

Wir haben keine Schwierigkeiten bei der Besetzung" - so der lapidare Kommentar der Paulaner-Brauerei auf die Frage, warum Uli Bauer heuer nicht mehr in der Rolle von Oberbürgermeister Christian Ude beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg zu sehen sein wird. Das Ude-Double hatte in der vergangenen Woche seine Teilnahme am diesjährigen Singspiel abgesagt.

Ude und Double

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (r) und sein Double Uli Bauer stehen nach dem traditionellen Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg zusammen. (© Foto: dpa)

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Dem Vernehmen nach "aus terminlichen Gründen" - Bauer tritt in dieser Zeit eine Reise mit seiner Familie nach Sri Lanka an: "Ich habe noch versucht, den Termin zu verschieben, das ging aber nicht - leider", sagt Bauer: "Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr." Das Original, Ude, bedauert diese Entscheidung "sehr": "Er war mir so ähnlich, dass ich einmal zu Tode erschrocken bin, als die Musik einsetzte, ich dachte mir: Um Himmels willen, ich kann doch gar nicht singen."

Bereits seit zehn Jahren treten Ude und sein Double daher auch mit einem gemeinsamen Kabarettprogramm auf: "Der doppelte Ude" - zuletzt Ende Dezember beim Tollwood-Festival. Dabei, so erzählt Ude, habe sich Bauer zutiefst enttäuscht gezeigt, noch keinen Anruf der Brauerei für das Derblecken erhalten zu haben. Als der besagte Anruf dann in der vergangenen Woche erfolgte, habe Bauer bereits seinen Flug gebucht, sagt Ude.

In der Kabarettszene hatte man aber seit längerem nicht mehr mit Bauer auf dem Nockherberg gerechnet - weil es im April vergangenen Jahres Reibereien mit den Veranstaltern, der Brauerei und dem Bayerischen Rundfunk, gegeben hatte. In deren Folge war zuerst Singspiel-Autor Holger Paetz ausgestiegen, dann folgten Regisseurin Eva Demmelhuber und der damals auch als Co-Autor agierende Bauer. Er hatte der Brauerei und dem BR damals vorgeworfen, sie hätten "eine Art Zensur" ausgeübt. Konkret war es um ein Lied gegangen, das Bauer geschrieben hatte.

Darin hieß es zum Schluss: "Wir brauchen keine Millionen/und keine Peanuts zum Glück/Viel besser wär für unseren Profit/ ein kleiner Krieg." Diese Worte wurden bei einem Teil des Veranstaltergremiums als zu starken Tobak empfunden, wie Brauerei-Chef Andreas Steinfatt damals erklärte. Bauer habe daraufhin von sich aus das gesamte Lied zurückgezogen, von Zensur könne also keine Rede sein. Dass seine Absage in Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen stehe, dementiert Bauer hingegen: "Ich habe immer gesagt, dass ich noch als Darsteller von Ude zur Verfügung stehe."

Für das Singspiel ist mittlerweile der Nachfolger von Bauer & Co zuständig: Alfons Biedermann. Wer Udes Rolle heuer übernehmen wird, scheint aber noch nicht entschieden zu sein. Angeblich stehen mehrere Bewerber zur Diskussion. Nur eines ist bislang klar: Das Derblecken wird heuer zum zweiten Mal am Abend stattfinden und live im Bayerischen Fernsehen übertragen - diesmal aber erstmals nicht an einem Donnerstag, sondern an einem Mittwoch: am 3. März, 19 Uhr. Das anschließende Starkbierfest beginnt dann am Freitagmittag, 5. März, und dauert bis Sonntag, 21. März.

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(SZ vom 18.01.2010)