Weihrauch wabert, und nur die Heiligsprechung fehlt: Asta Scheibs Biografie zum höheren Ruhme Christian Udes ist pünktlich zum 60. Geburtstag des Stadtoberhauptes erschienen.
Womöglich wandelt ja der verehrte Herr Oberbürgermeister dieser Stadt bisweilen heimlich über die Wasser des Kleinhesseloher Sees. Niemand weiß etwas Genaues, und auch ein jetzt erschienenes Buch trägt da nichts zur Aufklärung bei.
(© Foto: ddp)
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Aber der Lichtgestalt, die Asta Scheib in ihrem Buch "Christian Ude" beschreibt, würde der Leser manches Wunder durchaus zutrauen.
Gut, das Attribut "die Lichtgestalt der SPD" hat die Autorin noch in Gänsefüßchen gesetzt und das Zitat einem ungenannten Christsozialen zugeschrieben. Sie zitiert ohnehin oft und gerne lobende Worte über die Hauptfigur ihres Textes, und wo sie damit aufhört, geht es auf den Innenklappen des roten Buchumschlags weiter, dass dem Leser schier die Sinne schwinden.
"Multitalent", "Glücksfall", "Tausendsassa" preisen die Honoratioren, die Kultur-, Geschäfts- und Kirchenschaffenden dieser Stadt von Dieter Hildebrandt über Charlotte Knobloch und Friedrich Wetter bis zu Hans-Jochen Vogel Udes "Denkschnelligkeit" und "intellektuelle Klarheit" und "Klugheit" und "Scharfsinn" und und und... Ufff! Dicht dampft der Weihrauch, und von der Person, die er umwabert, ist kaum ein Schemen zu erkennen.
Aber dafür gibt es ja Bilder. Viele Bilder. Rund 180 Mal schaut der Porträtierte aus dem Buch, aus Karikaturen und aus Fotos, mal in Jugendbildnissen schwarz-weiß ohne den markanten Schnauz, mal und meist jedoch mit und in Farbe.
Zu sehen ist in bester Druckqualität: Ude mit Willy Brandt, Ude mit Georg Kronawitter, Ude mit Helmut Fischer, Ude mit Ottfried Fischer, Ude mit Stoiber, Ude mit Merkel, Ude mit dem Kaiser Franz, dem Beckenbauer, mit dem Papst, mit dem Dalai Lama, mit Stiefkindern und Gattin und Katz' und der Seelöwendame Molly. Und, nicht zu vergessen, mit der Verlegerin.
Die gibt es nämlich auch, obwohl der flüchtige Durchblätterer meinen könnte, das 144-Seiten-Werk mit den vielen bunten Bildern könnte ein üppig geratener Wahlkampfprospekt sein, mit dem die Marketing-Agentur der SPD rechtzeitig vor der OB-Wahl im März den Münchnerleuten ihren Spitzenkandidaten nahebringen will.
Aber das wäre nun angesichts Udes Popularität erstens kaum nötig, und zweitens gibt sich für dieses Buch tatsächlich der München-Verlag her, ehemals Buchendorfer, der zwar klein ist, sich aber vor allem mit seinen stadthistorischen Veröffentlichungen einen hervorragenden Ruf erworben hat.
Auch Asta Scheib hat sich längst eine umfangreiche Leserschaft, Anerkennung und Preise erschrieben. Historische Romanbiographien und auf langen Interviews beruhende Porträts sind eigentlich die Spezialität der 68-jährigen Schriftstellerin.
Nur: Während zu ihren Romanfiguren wie dem Zarenhofpriester Rasputin schon die Zeit nötige Distanz schafft, steht sie dem Ehepaar Ude als alte Freundin arg und allzu nahe: Wie soll sie auch schreiben über Freunde, die sie als Freunde behalten will? Freundlich, also harmlos bestenfalls.
Scheib gibt in ihrem um ein Gespräch im Rathaus gewundenen Essay dem Oberbürgermeister reichlich Gelegenheit, sich selbst, seine Ansichten, seine Politik darzustellen, Schnurren aus der Kindheit, den Journalistentagen bei der Süddeutschen und dem Regierungsalltag zu erzählen. Das füllt knappe 60 bebilderte Seiten Text - der Rest sind bunte Bilder.
Natürlich ist kritische Analyse kaum von einem Werk zu erwarten, das allein den 60. Geburtstag am kommenden Freitag seiner Hauptfigur zum Anlass des Erscheinens nimmt.
Festredner, so gehört es sich, haben vor allem das Gute im Jubilar zu betonen, auch wenn allzu viel Lob und Hudel am Ende dem Gelobhudelten selber peinlich sein sollten. Festschriften stehen nun einmal in der Tradition mittelalterlicher Hagiographien, die Vitae und Miracula oft mehr oder weniger seltsamer Heiliger so in Geschichten fassten, dass Leben und Wundertaten des Beschriebenen dem frommen Volk als verehrenswürdiges Exempel dienten.
Weltliche Herrscher hielten sich ihre Hofbiographen und Hofsänger. Heutzutage besorgen gut dotierte PR-Berater dieses Geschäft - oder Büchermacher, die in Überschriften rhapsodieren: "Ude als Redner: Brillant", weiter: "Eloquent - geistreich - spannend - humorvoll".
Bei aller zugestandenen Begeisterung über die Udesche Redekunst - ein wenig erinnert solcher Überschwang an jene Lyrik, in der sich demokratisch nicht wirklich legitimierte Herrscher mindestens als Titan der Titanen besingen lassen. Und das hat der zuletzt mit sehr demokratischen 64,5 Prozent der Münchner Wähler zum Oberbürgermeister erkorene Ude dann doch wirklich nicht verdient.
Aber was Freunde zum Geburtstag dichten, ist selten frei von Kitsch. "Liebe, Nähe, Familienglück - die Bedingungen, unter denen ein Oberbürgermeister lebt, sind aber nicht immer einfach", muss Scheib entsetzt feststellen. Denn außer denen, die ihn Lichtgestalt nennen, gebe es "immer auch andere, die einen Hunger nach Kritik entwickeln" - eine etwas merkwürdige Umschreibung für rassistische und antisemitische Hassbriefschreiber, die sie damit meint.
Aber die Bösen müssen in einer Heldenvita eben richtig böse sein, damit das Ende richtig gut wird. Und so schließt Scheib ihren Text: "Ebenso wie in seinem glücklichen Familienleben geht er auch in seiner Arbeit auf. Beifall und Erfolg schätzt er dabei durchaus. Beides hat er sich durch außergewöhnlichen Einsatz verdient."
Und nun ein Buch dazu als Belohnung. Vielleicht auch als Strafe.
Asta Scheib: Christian Ude. Ein Portrait. München-Verlag. 144 Seiten. 16,80 Euro. Erscheint am 26. Oktober.
(SZ vom 20.10.2007)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Die neueste Antwort
Der Schafsinn beschränkt sich aber schon auf seine VIP-Bekanntschaften. Betrachtet man beispielsweise die Verkehrsplanung im Münchener Südosten, dann sticht einem das östliche Ende der Ständlerstrasse ins Auge. Eine zweispurige Zubringerstrasse von der A8 endet plötzlich in der Wiese. Der Verkehr quält sich dann täglich durch die Truderinger Wohngebiete. Inoffizielle Auskünfte aus dem Planungsamt bestätigen, daß die Strassen für diese Verkehrsbelastung nicht geeignet sind. Was passiert, was ändert sich?????
Täglich quälen sich hunderte von LKWs durch den Hugo Lang Bogen, obwohl doch am Anfang ein gelbes Schild mit einem LKW drauf steht, das in eine völlig andere Richtung zeigt (Was das wohl zu bedeuten hat? Dahinten gibt's noch mehr LKWs?).
Was macht die Polizei? Die kümmern sich lieber um KFZ, die nicht richtig in der Einfahrt geparkt sind, während der Verkehr mit 60 bis 80 km/h an ihnen vorbeirauscht; in der 30er Zone wohgemerkt. Aber huschhusch, die Raser sind ja auch nicht so leicht zu erwischen wie die Falschparker. Hab aber auch noch nichts von Kindern gehört, die von Falschparkern überfahren worden wären. Ob unsere Exekutive da den richtigen Fokus hat?
Die VIPs werden ihm sicher eine Träne nachwerfen, der Rest, ich weiß nicht, ich sicher nicht, ich hab zumindest nichts davon gmerkt. Wo war nochmal der Lichtschalter?