SZ: Auffällig ist, dass zuletzt Jugendliche häufiger als Täter ermittelt wurden.

Forscher Bernd Holthusen (© Foto: oh)

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Holthusen: Das ist auch ein Problem der Statistik. Die polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Hellfeldstatistik, die zeigt, welche Personen der Polizei als Tatverdächtige bekanntgeworden sind. Aus empirischen Studien wissen wir, dass ein erheblicher Anteil der Gewalttaten der Polizei nicht bekannt wird, das ist das sogenannte Dunkelfeld. Wenn nun die Kooperation zwischen Schulen und der Polizei ausgebaut wird und Schulrektoren dazu angehalten werden, jede gewalttätige Auseinandersetzung der Polizei zu melden, dann führt das zu einem Anstieg in der Statistik. Das heißt aber nicht, dass sich tatsächlich mehr Gewalttaten ereignet haben, sondern nur, dass eine Verschiebung vom Dunkelfeld ins Hellfeld stattgefunden hat. Man muss außerdem sehen, dass viele Jugendliche, die als Täter auffällig werden, meist immer auch zuvor Opfererfahrungen machen mussten. Und Täter und Opfer gehören in der Regel derselben Alters- und Geschlechtergruppe an.

SZ: Können härtere Strafen Jugendliche von Gewalttaten abhalten?

Holthusen: Die Abschreckung mit dem Gesetzbuch funktioniert allenfalls sehr eingeschränkt. Die Übergriffe entstehen meist ungeplant aus einer eskalierenden Situation heraus, in der der Jugendliche nicht daran denkt: 'Oh, das könnte mir jetzt Jugendarrest oder Sozialstunden einbringen.' Sie gehen ja davon aus, dass man sie eben nicht erwischt. Oft spielen Alkohol oder Drogen eine Rolle, was die Möglichkeit der Reflexion zusätzlich einschränkt und die Hemmschwellen herabsetzt. Von einer Erhöhung des Strafrahmens ist auch deshalb kaum eine Wirkung zu erwarten, weil die Jugendlichen zwar eine Vorstellung davon haben, was verboten ist, ihnen aber die juristischen Details wie Straftatbestände und Strafhöhen schlicht unbekannt sind.

SZ: Sind Überwachungskameras in den U-Bahnhöfen ein probates Mittel zur Abschreckung?

Holthusen: Was am ehesten hilft, ist tatsächlich die Erhöhung des Entdeckungsrisikos. Insofern können Videokameras ein sinnvolles Mittel zur Abschreckung sein. Dies setzt jedoch voraus, dass sich die Jugendlichen Gedanken darüber machen, und das ist in eskalierenden Situationen oft eben nicht der Fall. Kameras können auch zur Verstärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls beitragen. Gleichzeitig kann es aber auch Verschiebeeffekte in nicht überwachte Räume geben.

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  1. "Jugendgewalt ist kein ethnisches Problem"
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