Tunnel in München Der Englische Garten wird wiedervereinigt

Die Bildkombo zeigt links ein Foto des Mittleren Rings und rechts ist die Grafik eines Münchner Architektenbüros.

(Foto: dpa)
  • Der Münchner Stadtrat hat einstimmig das Konzept für einen Autotunnel im Englischen Garten beschlossen.
  • Damit kann die konkrete Planung für den Bau beginnen - ein wichtiger Schritt zur "Wiedervereinigung" einer der größten innerstädtischen Parkanlagen der Welt.
  • Frühestens dürfte der Bau aber Mitte des nächsten Jahrzehnts fertig sein. Die Kosten werden derzeit auf 125 Millionen Euro veranschlagt.
  • Neben dem Tunnelprojekt wurde auch ein neuer Anlauf bei der Tramlinie durch den Englischen Garten beschlossen.
Von Alfred Dürr und Heiner Effern

Die Stadt macht eben mal gute 80 Millionen Euro locker, baut damit einen neuen Straßentunnel - und der große politische Streit bleibt aus. "Das ist eine der einvernehmlichsten Entscheidungen, die in München je für solch ein Projekt getroffen wurde", freut sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Tatsächlich einstimmig hat der Stadtrat am Mittwoch den Bau eines sechsspurigen Tunnels durch den Englischen Garten beschlossen.

Auf 396 Metern Länge soll der Mittlere Ring (Isarring) zwischen Dietlinden- und Ifflandstraße unter der Erde verschwinden. An der Oberfläche sollen der nördliche und südliche Teil des Parks wieder zusammenwachsen. Der Freistaat steuert 35 Millionen Euro bei, den Rest der insgesamt nötigen 125 Millionen Euro sollen private Spenden decken.

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Von einem "guten Tag für München" und einem "historischen Projekt", sprach auch Bürgermeister Josef Schmid (CSU). Neben dem Park und den Erholung suchenden Besuchern profitierten auch die Autofahrer. Die Stadt könne mit dem Tunnel "erhebliche verkehrliche Probleme am Mittleren Ring lösen". Nun sollten die Pläne schnell umgesetzt werden. Das oft nicklige Bürgermeister-Duo an der Stadtspitze demonstrierte an diesem Tag also Einigkeit. Denn auch Reiter will Gas geben, die von der Stadtverwaltung veranschlagten zehn Jahre für Bau und Planung hält er für zu viel. "Ich würde den Tunnel gerne zusammen mit der zweiten Stammstrecke Mitte des nächsten Jahrzehnts eröffnen." Es wäre dann der zehnte Tunnel an Münchens wichtigster Straße.

Ganz nebenbei hat der Stadtrat auch ein weiteres großes Verkehrsprojekt wieder in den Fokus gerückt. Auf Antrag der Grünen stimmte eine Mehrheit gegen die CSU für einen neuen Anlauf bei der Tramlinie durch den Englischen Garten. Gerade während der Bauzeit am Mittleren Ring sei eine leistungsfähige Parallellinie des öffentlichen Nahverkehrs nötig, argumentierten die Grünen. Die Stadt ist nun beauftragt, mit dem Eigentümer des Parks, dem Freistaat, erneut Gespräche darüber aufzunehmen. Bisher verweigerte sich das Land Bayern dieser Idee konsequent.

Im Übrigen scheiterten die Grünen, die ÖDP und die Bayernpartei mit Änderungswünschen beim Tunnelbau. Realisiert wird die Variante mit knapp 400 Metern Länge, in beide Richtungen sollen zwei Fahrspuren und eine Einfädelspur verlaufen. Das wird laut Verwaltung den Verkehrsfluss verbessern, allerdings nicht jeden Stau auflösen. Ein spürbarer Nutzen für die Autofahrer ist Voraussetzung für den 35-Millionen-Zuschuss des Freistaats. OB Reiter hatte den Bau des Tunnels stets von einer deutlichen Unterstützung des Landes als Parkeigentümer abhängig gemacht. Lange hatte ihn Finanzminister Markus Söder (CSU) hingehalten, schließlich schob die Stadt-CSU parteiintern nochmals an. Am Ende priesen im Stadtrat SPD, CSU, die FDP und sogar die Grünen ihre je eigenen Verdienste um den Tunnelbau an.

"Die kleinste und erfolgreichste Bürgerinitiative, die es je in München gab"

Allerdings waren sie sich auch darüber einig, dass die meisten Meriten dem Schwabinger Ehepaar Petra Lejeune und Hermann Grub gebührten. "Die kleinste und erfolgreichste Bürgerinitiative, die es je in München gab", nannte sie CSU-Planungssprecher Walter Zöller. Seit Jahren kämpfen die beiden Architekten für den Tunnel. Als ihre Vision am Mittwoch in München Wirklichkeit wurde, weilten sie gerade in Berlin - und wurden von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks für die Idee ausgezeichnet. Sie stufte den Tunnel als besonderes nationales Projekt des Städtebaus ein, was sich auch für die Stadt lohnen wird. Denn der Bund wird deshalb für die Planung 2,67 Millionen Euro zuschießen.

Ein doppelter Erfolgstag also für Grub und Lejeune, sie stießen in Berlin gleich darauf an. "Wir freuen uns wahnsinnig über die Entscheidung des Stadtrats für ein Vorhaben, das auch von der Bevölkerung mit sehr großer Mehrheit befürwortet wird", sagte Grub am Telefon. "Das sind ideale Voraussetzungen, um das Projekt nun so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen." Auch das Ehepaar hofft, dass es deutlich schneller geht, als von der Verwaltung geplant. Für die weitere Spendensammlung dürfte der positive Stadtratsbeschluss gute Argumente liefern. "Bisher liegen Sponsorenbeiträge in Höhe von 1,3 Millionen Euro vor, hauptsächlich von der Allianz-Umweltstiftung", sagte Grub.

Wohl wissend, dass der geplante Tunnel von manchen Münchnern auch argwöhnisch betrachtet wird, betonte Reiter, dass er sich über jede private Unterstützung freue. Mit dem Beschluss garantiere die Stadt nun die Finanzierung. Dies stelle aber keine Gefahr oder Verschlechterung für den geplanten Bau eines Tunnels in der Landshuter Allee an, beruhigte OB Reiter die Anwohner. "Diese beiden Projekte stehen in keinerlei Konkurrenz zueinander."

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