Türkisches Restaurant Özdeveli in Haidhausen Einmal Izmir und zurück

Alles ist neu: Früher lud das etwas düstere Backhaus in Haidhausen kaum zum Verweilen ein, doch nun besteht das türkische Restaurant Özdeveli aus einem hellen Gastraum - und es wird mit Hingabe gebacken und gegrillt.

Von Kurt Kuma

Lange Zeit war das Özdeveli ein kleiner, verschroben wirkender, von allerlei Gerüchten umwobener Ort. So mancher Haidhauser besorgte sich hier zwar auch früher schon im Vorbeigehen Lahmacun oder Pide - das türkische Pendant einer Pizza. Aber zum Verweilen lud das etwas düstere Backhaus kaum ein. Vieles vermittelte den Eindruck einer geschlossenen Gemeinschaft, irgendwie verbunden mit dem nebenan gelegenen türkischen Kulturverein.

Spezialitäten aus dem Holzofen: Das türkische Lokal Özdeveli in Haidhausen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Doch jetzt ist alles neu. Das Özdeveli besteht nun aus einem hellen, offenen Gastraum mit zwei Eingängen, einer zur Preysingstraße, der andere führt zur Rückseite des Gasteigs. Eine ausladende Theke präsentiert den Gästen das Speiseangebot: Mezeler, türkische Vorspeisen in vielen Variationen, und plattenweise frisches Fleisch, gehackt, gestückelt, auf Spießen oder als Kotelett.

Hinter der Theke wummert ein offener Grill, und rechts davon hantieren in weiß gekleidete junge Männer vor einem Holzofen, der viele italienische Pizzabäcker in Neid versetzen würde. In dieser Feuerstätte wird zubereitet, was einem Lokal wie diesem seine Genre-Bezeichnung "Pide Salonu" gibt: üppig belegter und frisch aufgebackener Fladenteig mit Käse, gewürztem Hackfleisch, gehacktem Lamm sowie Kombinationen von alldem (bis 6,90 Euro).

Wohlgemerkt: Mit Döner und Pressfleisch hat das alles nichts zu tun. Das Özdeveli ist ein stolzer, authentischer Pide Salonu, wie man ihn mitten in Izmir, Bursa oder Adana finden könnte. Und als solchen schätzen ihn besonders die türkischstämmigen Münchner, wie man zum Beispiel samstags erleben kann, wenn sich ganze Großfamilien zum Abendessen einfinden.

Die Spezialitäten sind Grillfleisch, die Pide-Varianten und - besonders empfehlenswert - Güvec, ein würziger Eintopf mit Gemüse und, sofern gewünscht, wahlweise Lamm oder Huhn (9,50). Dieses Gericht bekommt der Gast als Schmortöpfchen mit Teigabdeckung serviert. So gegart, vermengt sich das Aroma der Zutaten auf intensive Weise.

Die Größe der Portionen erfordert allerdings einen Warnhinweis: Sie kann auch gestandene Esser an die Grenze ihres Fassungsvermögens bringen. Rekordverdächtig fanden wir den gemischten Vorspeisenteller für 6,50 Euro, damit haben sogar vier Erwachsene gut zu tun.

Dafür gibt er einen schönen Überblick über türkische Vorspeisenkultur, bestehend aus Gemüse- und Käsepasten sowie den auch aus Griechenland bekannten Vorspeisen wie Gurkenjoghurt (Cacik) und gefüllten Weinblättern (Sarma). Besonders erwähnt sei eine Vorspeise namens Saksuka, eine Mischung butterweich gebratener Gemüsestreifen. Auch ein feingehackter Olivensalat mit Zwiebeln und Gurken überzeugte uns davon, dass türkische Mezeler von größerer Raffinesse sein können als manches, was konkurrierende mediterrane Küchen an Vorspeisen anzubieten haben.

Auch die Grillgerichte sind üppig, zumal sie mit Reis, gebratener Schote, Gurkenjoghurt und einer (erträglich) scharfen Paprikapaste serviert werden. Wir probierten Lammspieß in der Version mit ganzen Fleischstücken sowie als Hackfleischvariante namens Adana (je zehn Euro). Das Fleisch war zart, üppig, frisch und der Grillgeschmack spürbar. Dass im Özdeveli mit Hingabe gegrillt wird, zeigte sich bei einem Besuch auch an dichten Rauchschwaden, die beim Anfeuern durch den Gastraum zogen.

Das Ambiente des frisch renovierten Lokals ist nicht in allen Aspekten auf mitteleuropäische Behaglichkeitsideale ausgerichtet. Zwar ist die Sauberkeit vorbildlich, aber die Tische zum Beispiel sind aus Holzimitat, die Bänke an der Wand mit exzentrischem weißen Kunstlederpolster bezogen. Eher orientalischem Geschmack entsprang wohl auch eine Wand in Natursteinoptik, deren Mörtelritzen mit Goldfarbe ausgemalt sind. Aber seien wir nicht kleinlich, und die eigenen Kinder liebten die ungezwungene Umgebung ohne Chichi und Etepetete genauso wie das Essen.

Wem es also nicht um ein Candle-Light-Dinner geht, sondern um ein genüssliches Sattwerden, gern mit der Familie, wird am Özdeveli Freude haben. Dazu passen auch die Getränke, die allesamt faire 1,50 Euro kosten. Allerdings: Alkohol gibt es keinen Schluck, nicht mal Efes-Bier, was einen feierabendmüden Papa mächtig frustrieren kann. Aber das ist eben ein echter Pide Salonu und keine Touristenbude.