Von Jan Bielicki

Am Nachmittag sorgt sich Christian Ude noch um seine Mehrheit, am Abend nimmt er Huldigungen entgegen.

Es geschieht nicht oft, dass Christian Ude die Worte fehlen. Natürlich weiß der Oberbürgermeister auch an diesem Abend einiges zu sagen, sobald die Kameras auf ihn gerichtet sind und die Mikrophone in Richtung seines Schnurrbarts zielen. Nur schwelgt er in einem für ihn ungewohnt gefühlsbetonten Wortschatz. "Ich freue mich unbändig", sagt er dann, oder kurz darauf: "Ich freue mich riesig über mein persönliches Ergebnis."

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(© Foto: rtr)

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Dabei sind es wohl noch nicht einmal diese von ihm selbst bei der OB-Wahl erreichten 66,7 Prozent der Wählerstimmen gewesen, die ihn an diesem Wahlabend so aufgekratzt erscheinen ließen. Dass er seinen Rekord von 2002 verbessern würde, hat er bereits erwartet, noch bevor um 18 Uhr die ersten Prognosen über die in den Foyers des Kreisverwaltungsreferats aufgestellten Bildschirme flimmerten. 65 Prozent, so lautete sein Tipp, den er beim Wahltags-Mittagessen mit seiner Großfamilie im Seehaus am Kleinhesseloher See abgeben hatte. Überrascht hat ihn die gewonnene Zweidrittelmehrheit also nicht, die er abends sofort in die Mahnung hüllt, das Resultat sei "kein Grund abzuheben, sondern ein Grund, weiter hart zu arbeiten".

Doch was den OB so sichtbar erleichtert, sind die anderen von, den Meinungsforscher ermittelten Zahlen. "Den Ball flach halten!", rief ihm der grüne Bürgermeister Hep Monatzeder noch zu, bevor der vor die Kameras eilte. Doch vor den jubelnden Sozialdemokraten, die in ihrer Zentrale am Oberanger gar nicht aufhören wollten, ihren Wahlsieger zu beklatschen, verkündete Ude den Erfolg ganz laut: "Das ist ein großartiger Tag für die SPD." Das Ergebnis von 2002 so gut wie gehalten, die rot-grüne Mehrheit sogar ausgebaut zu haben, während die CSU stark verliert - das hat Ude noch am Mittag nicht für wahrscheinlich gehalten. Auf vorsichtigen 38 Prozent hat er da noch die SPD geschätzt, auf 34die CSU. "Ich habe es mir nicht träumen lassen", sagt er später am Abend, "wie tief die CSU in den Keller geht."

Für den OB sind alle Sorgen der letzten Wahlkampfwochen vergangen. Dass er sich mühsam Mehrheiten im Stadtrat zusammenkramen hätte müssen, wenn es für Rot-Grün nicht gereicht hätte, dass ihn womöglich eine erstarkte Linkspartei zur Zusammenarbeit mit der ungeliebten CSU zwingen könnte - solche Ängste je gehabt zu haben, hat Ude zwar stets bestritten. Doch wie nervös die Sozialdemokraten waren, zeigt sich noch in den letzten Minuten, bevor die Wahllokale schließen. Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle kommt mit Zahlen über eine niedrige Wahlbeteiligung und mit düsterer Miene: "Ich sehe schwarz." Die Presse wird aus dem Seminarraum "Richard Strauß" hinauskomplimentiert, in dem der Oberbürgermeister und seine Sozialdemokraten die Prognosen erwarten.

Erst die entscheidenden Minuten später ist alles anders und Ude sichtlich froh - und erleichtert schadenfroh. "So ziemlich alles falsch gemacht" habe die CSU, freut er sich. Deren OB-Kandidat Josef Schmid habe "sich als moderner Mensch präsentieren wollen", sich aber dann "doch nicht getraut". Nun dürfe Schmid sich einer dezimierten CSU-Ratsfraktion "erfreuen, die sich in Flügelkämpfen und Intrigen übt", feixt Ude, bevor er mit Familie und Freunden zum Feiern ins griechische Restaurant "Elia" zieht.

Sein Wahlkampfmanager Hans-Ulrich Pfaffmann weiß da noch nicht, wo er feiern soll. "Überall Rauchverbot", klagt der Landtagsabgeordnete. Dabei steckt er sich an solchen Abenden immer eine Zigarre an - "alle sechs Jahre".

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(SZ vom 03.03.2008)