Trickbetrug Falsche Polizisten nehmen Rentnerin halbe Million ab

  • Eine Rentnerin aus München hat Trickbetrügern mehr als eine halbe Million Euro überlassen.
  • Die Masche ist häufig die gleiche: Am Telefon versichern falsche Polizisten, beim Opfer würde bald eingebrochen, deswegen wolle man Wertgegenstände sicherstellen.
  • Die (echte) Polizei schätzt, dass Trickbetrüger 2017 bislang einen Schaden von deutlich mehr als zwei Millionen Euro verursacht haben.
Von Thomas Schmidt

Mit Einschüchterungen, miesen Tricks und perfektionierten Gesprächstaktiken richten falsche Polizisten in München einen Millionenschaden an. Nun ist erneut eine Rentnerin auf die Masche hereingefallen, räumte ihren Tresor leer und übergab einem Betrüger Schmuck und Geld für mehr als eine halbe Million Euro. Die echte Polizei hat oft kaum eine Chance, die Drahtzieher zu fassen, die meist von der Türkei aus operieren.

Dieses Mal traf es eine 72-Jährige aus der Blumenstraße. Gegen 14 Uhr am vergangenen Montag rief zum ersten Mal einer der Betrüger bei ihr an, im Telefondisplay erschien 089/ 20 110. Fachleute sprechen von "Spoofing", wenn die Nummer gefälscht wird, um das Opfer in die Irre zu führen. Die echte Polizei ruft nie mit einer 110-Nummer an. Das wusste die Rentnerin aber nicht. Sie glaubte dem falschen Polizisten, als er ihr geschickt Angst einjagte.

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Der Betrüger tischte ihr die übliche Lügengeschichte auf, ein Einbrecher sei gefasst worden, der einen Zettel mit ihrer Adresse dabei hatte. Zwei Komplizen des Verbrechers seien noch auf freiem Fuß und würden vermutlich einen Einbruch bei ihr planen. Über Stunden hinweg riefen immer wieder verschiedene Männer bei der Frau an und schmückten die Lüge weiter aus: Die meisten Polizisten seien auf der Wiesn gebunden, behaupteten sie, deswegen könne man sie leider nicht schützen.

Allerdings wolle man bei einer "Under-Cover-Aktion" ihre Wertsachen fotografieren, damit sie nach einem Einbruch zuzuordnen seien. Die 72-Jährige fiel darauf herein, räumte Schmuck und Bargeld aus ihrem Tresor und packte alles in mehrere Taschen, die sie schließlich einem "Abholer" übergab.

Die 72-Jährige ist bei Weitem nicht das einzige Opfer, das auf diese Masche hereingefallen ist. Den Schaden, den falsche Polizisten 2017 in München angerichtet haben, schätzt die Polizei auf deutlich über zwei Millionen Euro. Die Täter kommen meist ungestraft davon.

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