Triathlon Faris Al-Sultan - der Unzerstörbare

Bei der Cross-Triathlon-Weltmeisterschaft 2014 in Zittau.

(Foto: imago/Robert Michael)

Er war einer der weltbesten Triathleten, gewann die EM und den Ironman auf Hawaii. Inzwischen hat Faris Al-Sultan seine Karriere beendet - was macht er heute?

Von Ralf Tögel

Faris Al-Sultan bläst die Backen auf, zieht den Hals ein und setzt einen verdutzten Blick auf. So ungefähr habe er ausgesehen, seinerzeit, als dieser geile Typ zu plaudern begann: "Ich habe damals viel Zeit mit Training in den Emiraten verbracht, und dann hockt da dieser Typ am Tisch, mindermäßig begabt, und erzählt, dass die Kurzdistanz zu lang für ihn ist. Deshalb will er halt Weltmeister über die Sprintdistanz werden. Und du denkst nur, aha."

Am nächsten Tag ging es dann zum Rad-Training "und der kommt an, keine Pumpe dabei, kein Schlauch, kein Nix, und wir fahren in die Wüste raus, da ist nichts, da darf nichts passieren, sonst bist du verratzt, da kannst du dann nur hoffen, dass dich ein Lkw-Fahrer mitnimmt, und ich denke mir wieder, aha."

Der geile Typ ist kein Weltmeister geworden, wahrscheinlich nicht einmal Kreismeister. Faris Al-Sultan hat viele solcher kuriosen Momente erlebt, das würde locker "für ein Buch" reichen, wie er sagt. Und genau solche Erlebnisse bezeichnet er heute als "das größte Geschenk" in seiner Karriere, die Interaktion mit den vielen Menschen, die seinen Weg als Profi-Triathlet gekreuzt haben.

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"Wenn du das Rennen gewinnst, dann bist du ein Großer"

Faris Al-Sultan ist heute 37 und kann auf eine lange Karriere zurückblicken, auf eine sehr erfolgreiche. Es ist nicht übertrieben, wenn man den Münchner als einen der größten Triathleten bezeichnet, er hat geschafft, was für die meisten Kollegen ein Traum bleibt: 2005 hat Al-Sultan den Ironman auf Hawaii gewonnen. "Wenn du das Rennen gewinnst, dann bist du ein Großer", sagt er, "da ist das beste Feld, die größte Geschichte, es gibt den Mythos des hawaiianischen Archipels, das Rennen ist einfach etwas Besonderes."

Al-Sultan hat viele Rennen gewonnen, allein siebenmal triumphierte er bei großen Wettkämpfen über die Langdistanz. Der Ironman: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann einen Marathon über 42,195 Kilometer. Allein die Zahlen treiben manchem Athleten die Schweißperlen auf die Stirn, auf Hawaii kommen die klimatischen Verhältnisse dazu, enorme Hitze, starker Gegenwind, Schwimmen im offenen Meer.

"Ich habe das Rennen geliebt", sagt Al-Sultan, "es gibt Leute, die wissen, im Oktober muss ich nach Hawaii fahren, weil da die Weltmeisterschaft ist, weil die Sponsoren es erwarten. Für viele war das nur grausam." Al-Sultan sagt: "Wenn ich gelandet bin, hatte ich ein Lächeln auf den Lippen."

Triathleten-Schicksal: Jetzt wird er so gut wie nie erkannt

Ein kleines Café im Münchner Norden, Faris Al-Sultan schlappt mit schweren Schuhen herein, er wohnt in der Nähe. Er bestellt einen Schwarztee und lehnt sich zurück. Ein Treffen? Kein Problem, er kommt, nimmt sich Zeit. Jetzt sitzt Al-Sultan da, der Ironmansieger, damals tourte er durch die Medien, Sportstudio, er war gefragt. Jetzt wird er so gut wie nie erkannt, Triathleten-Schicksal, er kann gut damit leben. Einen Hype wie um einen Fußballer? Wäre wohl nichts für ihn.

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Entspannt erzählt er seinen sportlichen Werdegang, wie er sich entschloss, etwas gegen sein Gewicht zu tun. "Als Kind war ich ein bissl dick, deshalb hab ich über die Sommerferien sechs Wochen Nulldiät gemacht", mit eisernem Willen, das muss ein Triathlet erst gar nicht dazusagen. Danach war er schlank, wollte aber "wieder Muskeln kriegen und normal essen". 14 Jahre war Al-Sultan damals alt, und zufällig hat der Schwimm-Klub in der Nähe Nachwuchs gesucht. Eigentlich war er zu alt, doch plötzlich "war ich in der Wettkampfmannschaft". Die Trainingsumfänge stiegen rasant auf siebenmal pro Woche, "es war aber relativ schnell absehbar, dass aus mir kein großer Schwimmer mehr wird". Er suchte eine neue Herausforderung, begann zu Laufen. Mit 16 der erste Marathon, mit einer frisierten Altersangabe, er war eigentlich noch zu jung.