Treffpunkt Stachus "Die Tat ist furchtbar"

Bei der Aktion "Cool bleiben - friedlich feiern" im Herbst 2012 hat die Polizei auf dem Stachus versucht, Jugendliche für die Gefahren von Alkohol zu sensibilisieren.

(Foto: Robert Haas)

Nach der Vergewaltigung von zwei Minderjährigen in der Blumenau rückt der Karlsplatz in den Fokus. Hier haben die Mädchen ihre späteren Peiniger getroffen. Die Polizei nennt die Feierbanane einen Brennpunkt. Die Clubbetreiber sehen das anders - und bekommen Unterstützung von Streetworkern.

Von Florian Fuchs

Verkehrsknotenpunkt, Diskotheken, Schnellrestaurants, die auch bis spät in die Nacht geöffnet haben - die Polizei spricht von einem Brennpunkt, wenn es um die Feiermeile an der Sonnenstraße geht. Nun steht der Stachus im Fokus: Zwei 15 und 16 Jahre alte Mädchen sind dort in der Nacht auf Freitag angesprochen und zu einer privaten Party in eine Wohnung in die Blumenau eingeladen worden. Dort wurden sie schließlich von mehreren Tätern missbraucht.

Der Sprecher der Clubbetreiber, David Süß, wehrt sich dagegen, die Feiermeile mit dem Stachus nun wieder zum Sicherheitsproblem zu stilisieren. Und auch Frederik Kronthaler vom Verein Condrobs, der seit Herbst im Auftrag des Jugendamts regelmäßig Streetworker auf die Feiermeile schickt, unter anderem um präventiv gegen sexuelle Übergriffe vorzugehen, sagt: "Der Stachus ist ein Treffpunkt im Nachtleben, weshalb dort mehr passiert als in ruhigen Gegenden. Aber es ist keine gefährliche Zone."

Die zwei jungen Mädchen waren ausgegangen und noch spät unterwegs. Wie am Dienstag bekannt wurde, sind sie kurz vor Mitternacht in Kontakt mit zwei etwa gleichaltrigen Mädchen gekommen, die sie zu einer Wohnungsfeier einluden. Dort wartete eine Gruppe von sechs jungen Männern, von denen sich offenbar fünf an dem sexuellen Missbrauch beteiligten. Ob die Situation erst auf der Party eskalierte oder es ein vorsätzlicher Plan war, die zwei Mädchen in die Wohnung zu locken, müssen die Ermittlungen zeigen. Die 15 und 16 Jahre alten Opfer schafften es erst nach zwei Stunden zu flüchten, sie verständigten von einem Nachbarn aus die Polizei.

Um das Sicherheitsgefühl auf der Feiermeile mit Stachus und Maximiliansplatz zu erhöhen, haben Clubbetreiber und Sicherheitsbehörden erst im vergangenen Herbst die Kampagne "Cool bleiben - friedlich feiern" ins Leben gerufen. Zum Projekt gehören auch die Streetworker des Vereins Condrobs, die vom Jugendamt engagiert sind. Je eine Frau und ein Mann dienen nachts als Ansprechpartner, wenn etwa Türsteher beobachten, dass sich Streit anbahnt. Und sie gehen von sich aus auf junge Feiernde zu. "Wir kümmern uns um Betrunkene und bringen sie notfalls heim, außerdem klären wir zum Beispiel über die Gefahr von Alkoholkonsum auf und über K.O.-Tropfen", sagt Frederik Kronthaler. Die Sozialpädagogen sollen auch helfen, sexuelle Übergriffe zu verhindern. "Wir reden mit den jungen Leuten und erklären ihnen auch, dass sie nicht mit Personen mitgehen sollen, die sie nicht kennen." Die Streetworker sind allerdings nur am Freitag und Samstag sowie vor Feiertagen unterwegs. Einsätze an Donnerstagabenden - wie an dem Tag, an dem die Tat geschah - wären "auch schön, weil da immer mehr Leute ausgehen", sagt Kronthaler. "Aber dafür fehlen die Mittel."

Clubbetreiber David Süß ist der Ansicht, dass sich seit Start des Programms einiges getan hat, um die Sicherheit zu erhöhen. "Die Tat ist furchtbar", sagt Süß, "aber dass sich Mädchen mit anderen jungen Leuten zu einer Privatparty verabreden, so etwas kann man nicht verhindern." Viel drängender sei die Frage, was in der Erziehung der Täter schief gelaufen sei. "Und die Frage ist auch, wieso 15 und 16 Jahre alte Mädchen um diese Zeit noch unterwegs sind", sagt Kronthaler.

Nach Erfahrungen von Condrobs sind die meisten Personen, die nachts auf der Sonnenstraße unterwegs sind, zwischen 18 und 21 Jahren alt. "Ein Problem mit Minderjährigen dort haben wir eigentlich nicht." Im Nächten im November 2012, besagt die jüngste Statistik, haben die Streetworker von Condrobs in nur acht Fällen Minderjährige auf der Partymeile aufgegriffen.