Traudl Well Die Mutter der Volksmusik

Ohne Traudl Well gäbe es weder die "Wellküren" noch die "Biermösl Blosn".

Von Von Franz Kotteder

Ja mei, die Preisverleihung... "Hingehen muss ich schon, sonst wären s' mir beleidigt", sagt Traudl Well und lacht. Außerdem sind ja die meisten Geschwister auch da, und so wird sie, die Mutter, heute Abend wohl mit hineinfahren nach München, zum Literaturhaus, und den Lobreden von Oberbürgermeister Christian Ude und Georg Ringsgwandl auf ihre drei Töchter Moni, Vroni und Burgl lauschen.

Dort bekommen sie den Ernst-Hoferichter-Preis überreicht, weil sie seit 1986 bayerisches Musikkabarett unter dem Namen Die Wellküren machen - sehr erfolgreich, wenngleich nicht ganz so erfolgreich wie ihre drei Brüder Hans, Michael und Stofferl, weithin bekannt als Biermösl Blosn.

Da könnte man sich schon vorstellen, dass man auf eine 84-Jährige trifft, die sich vor lauter Stolz auf ihre Kinder fast nicht mehr einkriegt. Es gäbe genügend Grund dazu. Und natürlich freut sie sich und ist auch ein bisschen stolz, aber Traudl Well wäre die letzte, die sich das heraushängen ließe. Das wäre ganz und gar nicht ihre Art. Und außerdem sind die Wellküren und die Biermösls ja auch bloß sechs von ihren Kindern.

Insgesamt hat sie 15 auf die Welt gebracht; da gibt es dann immer genug Sorgen und Ängste, aber auch viel Freude, sagt sie, und überhaupt sei sie zufrieden: "Ich derf ned jammern, weil ja koans dabei ist bei den 15, des danebengeraten ist."

Warum das so ist, lässt sich am besten ermessen, wenn man hinausfährt nach Günzlhofen, einem kleinen Ort nordwestlich von Fürstenfeldbruck, ungefähr auf halber Strecke zwischen München und Augsburg gelegen. Dort steht das kleine Haus, das der damalige Dorfschullehrer Hermann Well in den sechziger Jahren für seine umfangreiche Familie gebaut hat, und in dem Traudl Well heute noch wohnt.

Es ist recht unscheinbar, die Well-Mutter spricht von "der Hüttn", was im Bayerischen für ein Wohnhaus eine eher abwertende Bezeichnung ist, und hat dann auch einen milden Tadel für ihren 1996 verstorbenen Mann parat: "Er war ein ausgezeichneter Lehrer und ein guter Musiker und alles, aber vom Hausbauen hat er ned vui verstanden." Innen hat sie noch was retten können, sagt sie, aber außen! Drinnen aber ist es gemütlich - mit Eckbank und Herrgottswinkel, Kachelofen und Bauernschränken und einem kleinen Diwan.

Und dann sind ja auch noch Kinder in der Nähe. Einer der Söhne, Werner heißt er, hat an das kleine Haus der Eltern angebaut, die Vroni von den Wellküren hat später auch noch auf dem Grundstück gebaut, das damals, als der Vater es kaufte, noch sehr billig hergegangen sei.

Sie haben es nicht einfach gehabt, erzählt Traudl Well, die 15 Kinder durchzubringen. "Da hat ein jedes mithelfen müssen." Ein Dorfschullehrer habe damals nicht viel verdient, 340 Mark waren das in den Fünfzigern, und da hatten sie schon sechs Kinder. "Da hab ich bei jedem Laib Brot überlegt, ob ich den kaufen kann."

Es war jedenfalls immer was geboten, sagt sie, und man fragt sich unwillkürlich, wie das ist, wenn 15 Kinder nicht nur lebhaft sind, sondern obendrein alle auch noch ein Instrument spielen? Aber das ist eine Frage, die sich Traudl Well noch nie gestellt hat. "Wir haben alle immer eine Freude gehabt an der Musik, und die Musik hat die Familie immer zusammengehalten."

Von Anfang an, bis heute. Nach wie vor trifft sich die Familie zur Stubnmusi, spielt für Bekannte und allerlei Vereine, und seit 40 Jahren bestreitet man das Passionssingen in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh, da ist die Kirche immer brechend voll. "Das freut einen dann schon", sagt Traudl Well, und dann funkeln ihre Augen gleich ein bisschen mehr als sonst.

Bei der Musik kommt die Familie eben immer wieder zusammen, an Geburtstagen und am Heiligen Abend natürlich; da spendiert der eine Sohn "einen Truthahn, so groß wiara Sau", und dann wird Stubnmusi gespielt und gesungen - die alten Lieder, die sie so gern mag.

Die neuen Sachen, die Lieder von den Buben und den Madln, da ist sie nach wie vor ein bisschen skeptisch: "Anfangs war uns des gar ned recht, aber solang s' die alten Sachen ned ganz vergessen, brauch' ich nix sagen." Die Kinder lassen sich eh nicht allzu viel dreinreden, da muss man geduldig sein.

Auch wenn's nicht einfach war - damals, bei der Hochzeit vom Stofferl -, als die Madln ankündigten, jetzt auch Musikkabarett machen zu wollen, unter dem Namen Wellküren. Dagegen war sie eigentlich, sagt Traudl Well. Aber das ist lang vorbei, und heute spielt sie manchmal bei den Wellküren-Auftritten am Schluss noch ein Stückl mit, auf der Zither.

Kann also gut sein, dass sie jetzt im März, wenn die drei Well-Schwestern sie mitnehmen zu Auftritten in Dresden und Berlin, auch wieder eine Einlage gibt. So etwas, das merkt man schon, macht ihr Spaß: beschäftigt sein. "Ich mag auch ned hier rumsitzen", sagt sie, "und nix mehr tun."

Auch deshalb gibt sie noch Kurse in der Volkshochschule und fährt auf dem Mofa dorthin. Zu tun ist immer was, und schließlich gibt es inzwischen ja auch 35 Enkel und acht Urenkel, da ist man als Oma schon gefordert.

Ein runder Geburtstag wie ihr heuer anstehender 85. stellt einen da schon vor gewisse logistische Probleme, kommt sie ins Sinnieren: Man braucht ja einen ganzen Saal, bloß für die engere Familie. Aber wenigstens muss sie sich keine Gedanken über die musikalische Umrahmung machen.