Von Martin Zips

Die Welt in ihrer unglaublichen Vielfalt ist am Platzl zu Gast: ein internationaler Trip zwischen Schuhbeck, Schuhbeck, Hofbräuhaus, Schuhbeck und Hard Rock Café.

Es gibt nicht viele Orte, an denen Laut und Leise, Arm und Reich, Glanz und Elend so geballt aufeinandertreffen wie hier. Nur wenige Schritte von Rathaus und Nationaltheater entfernt, dort, wo schon seit sehr langer Zeit das Münchner Hofbräuhaus steht, findet sich ein einzigartiger Mikrokosmos. Er heißt "Platzl".

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Tausende drängeln sich täglich hier. Meist fallen sie vom Marienplatz her ein, quetschen sich an Apotheken und Schnellimbissen vorbei, um hier - jenseits eines Zebrastreifens mit nur drei Streifen - einzukehren oder einzukaufen. Kulinarisch haben sie die Wahl zwischen amerikanischen Steaks, italienischen Nudeln, japanischen Sushis und Münchner Weißwürsten.

In den umliegenden Souvenirshops können sie hölzerne Papst-Nussknacker, Fußballtrikots und Neuschwanstein-Nippes erstehen. Auf dieser, der südlichen Seite sind das Platzl und seine Ausläufer voll, laut und ein bisschen anstrengend.

Ganz anders schräg gegenüber dem Hofbräuhaus. Hier ist das Platzl Refugium für Vermögende und Schöngeister. Neben der "Galerie für Zeitgenössische Kunst" probt das Bayerische Staatsballett. Im sechsstöckigen Orlandohaus, wo im 16. Jahrhundert der "fürstlich bayerische Kapellmeister" Orlando di Lasso wohnte, treffen sich Steuerberater, Juweliere, Goldschmiede und Immobilienagenten.

Hier, im Norden, ist das Platzl leiser, gediegener, vornehmer. Auf den Türschildern leuchten Schriftzüge wie "Mitsukoshi", "European Investors", "Carpe Diem" oder "Studentencorps Vitruvia". Auf einem Fahrradständer wirbt eine Praxis für "Fettabsaugung, Brustvergrößerung und Gesichtslifting". Und, ach ja, in fast jedem Schaufenster ist der Name "Schuhbeck" zu lesen.

Die Welt in ihrer unglaublichen Vielfalt ist am Platzl schon lange zu Gast. Sicher kein Zufall, dass sich ein Elefant des Tierparks Hagenbeck im Jahr 1888 ausgerechnet hierhin verirrte. Zuvor hatte ein mechanischer, feuerspeiender Drache einem Tierumzug auf der Ludwigstraße ein jähes Ende bereitet: "Da fuhr der Schrecken in die an sich gutmütigen Dickhäuter. Das Geschrei der Menge war geradezu betäubend", berichtet ein Augenzeuge.

Während einer der Elefanten Schutz in einem Milchladen suchte und dort im morschen Fußboden einbrach, sei ein anderer Elefant zum Platzl gejagt, heißt es. Dort habe sich dieser ins Hofbräuhaus verirrt, "dessen Stammgästen der Rettich im Halse steckenblieb". Und? "Sie taten dem Elefanten nichts, und der Elefant tat der sprachlosen Stammtischrunde auch nichts."

Auf der anderen Seite befand sich damals noch das exklusive "Grand Restaurant", in dem hochmoderne Damenkapellen aufspielen durften und farbige Diener den Gästen die Tür aufhielten. Doch die Reichen und Vornehmen schienen seinerzeit am Platzl noch nicht richtig angekommen zu sein. Das "Grand Restaurant" nämlich musste bald wieder wegen Besuchermangels dichtmachen.

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