Toten Hosen spielen für Jeremies Hier kommt Jens

"Wir würden nie zum FC Bayern München gehen", singen die Toten Hosen. Doch nun haben sie es doch getan - und dem ehemaligen Profi Jens Jeremies in seinem Partykeller ein Privatkonzert gegeben.

Von Florian Fuchs und Stefan Galler

Ein bisschen war es, als hätten sich der Papst und Marylin Manson getroffen. Der Sänger Manson ist Ehrenmitglied der "Church of Satan", der Fußballverein FC Bayern München wiederum ist für die Band Die Toten Hosen so etwas wie der Teufel selbst: arrogant, besessen vom Erfolg, kurzum: "ein Scheißverein".

"Die Toten Hosen" spielten ein Geheimkonzert im Partykeller von Ex-Bayern-Profi Jens Jeremies.

(Foto: www.dietotenhosen.de)

"Wir würden nie zum FC Bayern München gehen", grölen die Hosen in ihrem Schmählied "Bayern", ausgerechnet das aber haben sie jetzt irgendwie getan: Die Düsseldorfer Band von Sänger Campino hat in Ottobrunn ein Privatkonzert gegeben. Im Partykeller von Jens Jeremies, dem ehemaligen Bayern-Profi.

Eine lustige Kombination ist das, und doch gar nicht mal so ungewöhnlich: Jens Jeremies war schon immer Fan der Toten Hosen, wofür er sich in der Kabine des FC Bayern vor seinem Karriereende im Jahr 2006 den ein oder anderen Spruch der Kollegen eingefangen hat. Denn spätestens seit ihrem Anti-FC Bayern-Lied ist die Band dort in etwa so beliebt wie die Meistermannschaft von Borussia Dortmund. Und für all den Spott, so seine Argumentation, sei es nun mal Zeit für eine Entschädigung gewesen - für eben jenes Privatkonzert also.

Gelegenheit dazu gab die "Magical Mystery-Tour" der Toten Hosen, die zur Feier ihres 30-jährigen Bühnenjubiläums derzeit durch die Lande tingeln und in Wohnzimmern von Fans auftreten - für Bier, Schnittchen und "einen Platz zum Pennen". Jeremies hatte sich wie 4500 andere Leute beworben und den Zuschlag erhalten.

Vor ein paar Tagen nun war es soweit, auf der Homepage der Band ist ein Video zu sehen: Die Hosen, wie sie im Partykeller vor Postern des FC Bayern München und Handschuhen von Olli Kahn ihren "Bayern"-Song ins Mikro röhren und Kumpels Jens Jeremies auf Schultern tragen.

Der Schweiß tropft von der Decke, ein paar Dutzend Freunde des Fußballers pogen durch den Raum, und an der Wand hängen Whiskey-Flaschen und ein Schal der Thekenmannschaft GFC Rauschwalde aus der Oberlausitz. "Das ist der Hammer, oder?", fragt Campino.

Im Grunde vertragen sich die Weltanschauungen von Jens Jeremies und den Hosen ganz gut, der Fußballer hat sich erst hochgedient von Motor Görlitz über Dynamo Dresden und 1860 München zu den reichen Bayern. Und beim Rekordmeister war er nicht eben für die Filigranarbeit zuständig. Jens Jeremies war eher so der Grätschertyp. Das gefällt Campino und seinen Jungs, die schon immer Anhänger der Fortuna aus Düsseldorf waren, die sich gerade anschickt, in die Bundesliga aufzusteigen.

Campino könnte dann nächste Saison tatsächlich mal zu "den Bayern kommen", nämlich ins Stadion. Dort würde er dann auch wieder Jeremies treffen. Der ist nämlich noch immer bei jedem Heimspiel seines FCB. Da können die Toten Hosen singen, was sie wollen.