Tollwood "Das Thema Landwirtschaft gehört in die Stadt"

Ein glückliches Papierschwein als Vorbild für artgerechte Haltung.

(Foto: Catherina Hess)

Tollwood gründet ein Aktionsbündnis für artgerechte Tierhaltung und findet auf Anhieb an die 150 Unterstützer

Von Franz Kotteder

Die Stadt soll sich selbst dazu verpflichten, in ihrem Einflussbereich künftig nur noch Produkte aus artgerechter Tierhaltung zu verwenden oder zuzulassen. Das fordert das neugegründete "Aktionsbündnis Artgerechtes München", das von Tollwood ins Leben gerufen wurde. Die Münchner Festivalveranstalter, die sich seit vielen Jahren immer wieder mit ökologischen Themen beschäftigen, haben nach einem ersten Aufruf schon an die 150 Mitstreiter gefunden und stellten ihre Forderungen am Dienstag bei einer Pressekonferenz vor.

"Der Münchner Stadtrat muss seiner Verantwortung gerecht werden und ein Zeichen setzen", sagte Stephanie Weigel, die Leiterin der Tollwood-Umweltabteilung. In allen Kantinen, in Kindergärten, Schulen, in allen städtischen Einrichtungen und bei öffentlichen Empfängen solle die Stadt künftig auf Lebensmittel und andere Produkte aus Massentierhaltung verzichten. Letztlich müsse das auch gelten für alle Veranstaltungen, bei denen die Stadt Hausherrin ist: "Also auch für das Stadtgründungsfest, die Auer Dulten, den Christkindlmarkt und das Oktoberfest." Weigel sieht sich da im Einklang mit einer breiten Mehrheit der Stadtbevölkerung: "Eine von uns in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage hat schon 2014 gezeigt, dass 75 Prozent aller Münchner eine derartige Selbstverpflichtung begrüßen würden." Höhere Preise - zwischen zehn und 20 Prozent - würden laut der Umfrage sogar 85 Prozent der Befragten akzeptieren.

Zu den Unterstützern der Initiative zählen neben zahlreichen Künstlern, Musikern und Kabarettisten wie den Wellküren, Georg Ringsgwandl, Luise Kinseher und Harry G. auch viele Vertreter von Verbänden und Organisationen. Auch die Grünen-Stadträtinnen Katrin Habenschaden und Sabine Krieger sowie der ehemalige Dritte Bürgermeister Hep Monatzeder gehören zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs. Bei der Pressekonferenz sprach sich der Philosophieprofessor und ehemalige Staatskulturminister Julian Nida-Rümelin (SPD) für den "Appell an die Zivilgesellschaft der Stadt" aus: "Artgerechte Tierhaltung sollte der Minimalkonsens aller Beteiligter sein."

Für den Aufruf geworben hatten auch Karl Ludwig Schweisfurth, einer der Pioniere der ökologischen Tierhaltung und Gründer der Hermannsdorfer Landwerkstätten, ebenso wie Josef Schmid, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und selbst Bauer, sowie der Tierarzt, Slow-Food-Aktivist und Ingolstädter Umweltreferent Rupert Ebner (Grüne). "Das Thema Landwirtschaft gehört in die Stadt", forderte Ebner, "weil die Stadt erfahren muss, wie Lebensmittel erzeugt werden." Die industrielle Tierhaltung führe zwangsläufig zu Antibiotika-Resistenzen und bedeute den Tod vieler Menschen durch Krankenhauskeime. Schmid betonte den Zusammenhang zwischen Nitrat im Grundwasser und industrieller Fleischproduktion: "Landwirtschaft ist mehr als ein Unternehmen."

Tollwood will auf dem kommenden Sommerfestival einen Schwerpunkt zum Thema "Artgerechte Tierhaltung" bieten und das Aktionsbündnis weiter ausbauen, kündigte Weigel an.