Das nächste Kapitel in der Geschichte seines Lebens spielt im Zweiten Weltkrieg. Issai Chpitser berichtet darüber in dem Buch "Russische Spuren in Bayern": 1943, nach der Niederlage von Stalingrad zogen sich die deutschen Truppen von den Ufern der Wolga zurück. Sie erreichten die Stadt Schachty.

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"In einer der Vorstädte beschlagnahmten die Deutschen ein Fuhrwerk, dem zwei Pferde vorgespannt waren, und das für eine schnellere Flucht dringend benötigt wurde. Der Kutscher dieses Fuhrwerks war Timofej Prochorow. Er verdiente sich seinen Unterhalt dadurch, dass er in der besetzten Stadt Kohle ausfuhr. Nachdem sie Verwundete und Kriegsausrüstung in seinen Wagen gelegt hatten, befahlen die Deutschen dem Fuhrmann, nach ihren Anweisungen weiterzufahren, ohne ihm Gelegenheit zu geben, seine Familie zu benachrichtigen. Erst im Bezirk Rostow ließen sie Timofej frei."

Die Muttergottes in der Feuersäule

Auf dem Rückweg - das muss man einfach so hinnehmen - spielte sich Überirdisches ab. In Timofejs Worten klingt das so: "In einer Feuersäule von der Erde bis zum Himmel erschien die Muttergottes, die Himmlische Königin, versperrte mir den Weg und sagte: ,Timofej, es gibt für dich keinen Weg nach Hause. Geh in den Westen und baue dort eine Kirche für den Frieden in West und Ost'." Timofej wandte ein, dass zwei Kinder und eine schwangere Frau auf ihn warteten, aber damit kam er bei der Heiligen Jungfrau nicht durch. Immerhin, sie versprach: "Ich werde mich um sie kümmern."

Timofejs Odyssee dauerte Jahre. Kriegszerstörte Dörfer säumten seinen Weg, verwüstetes Land. In Wien traf er auf eine Frau, die ebenfalls aus der Sowjetunion geflohen war. Natascha. Sie ging mit ihm. Der Versuch, in Österreich die von der Himmelsmutter verordnete Kirche zu bauen, scheiterte an den Behörden. Nochmals erschien die Jungfrau, diesmal im Traum: "Geht nach München!"

Dort sind sie um das Jahr 1952 angekommen, schliefen unter Brücken, kochten am offenen Feuer. Das Oberwiesenfeld (heute Olympiapark) - eine Wüstenei aus Abfall und Kriegsschutt. Verbrannte Erde. Niemandsland. Zuerst entstand die Kapelle; dann, auf dem Fundament einer Flak-Station, errichteten sie aus Brettern und Gerümpel die Basilika.

Als Zeichen des Friedens zwischen Ost und West verstand Timofej seine Schöpfung, dafür kam ihm ein Militärgelände gerade recht. Phantasielose Menschen sahen darin nur eines: Schwarzbauten.

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