Tierpark Hellabrunn Zoo-Besucher sollen genauer gezählt werden

Kängurus im Tierpark Hellabrunn in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Mehr als zwei Millionen Besucher strömten vergangenes Jahr in den Tierpark, heißt es offiziell.
  • Die Zahl ist jedoch nur geschätzt. Nun soll erstmals genauer hingeschaut werden.
  • In so manchem Zoo fiel die Bilanz drastisch schlechter aus, sobald man die Besucher genau zählte.
Von Philipp Crone

Diese Zahl ist offiziell, aber falsch: 2 089 983 Besucher sind im vergangenen Jahr in den Münchner Tierpark gekommen, so steht es im Geschäftsbericht. Das zweitbeste Ergebnis, das Hellabrunn je hatte. Dabei kann man diese Zahl so genau auf einen Besucher überhaupt nicht angeben.

Noch nicht. Die Einzeltickets werden alle beim Kauf registriert, insofern ist die Summe der im Jahr 2015 verkauften Tageskarten von 1 021 758 wohl korrekt, denn sie wird elektronisch ermittelt. Wie oft allerdings ein Dauerkarten-Inhaber pro Jahr in den Zoo kommt, weiß nur er selbst, nicht aber der Tierpark. Die Besucher werden in München nicht erfasst wie in anderen Tierparks, etwa durch Drehkreuze. Im Vergleich zu 2014 stieg der Verkauf der Jahreskarten von 44 697 auf 50 374.

Der Zoo zählt seine Tiere

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Das ist ein Plus von 12,7 Prozent, sagte Zoodirektor Rasem Baban vor Kurzem bei der Hauptversammlung der Tierpark Hellabrunn AG. Und da die allermeisten Dauerkarten an Münchner verkauft würden, schließt der Zoo-Chef daraus, dass sich "die Einwohner sehr stark mit ihrem Tierpark identifizieren". Bislang ging jede verkaufte Dauerkarte mit einem statistischen Schätzwert zur Häufigkeit der Besuche in die Jahresbilanz ein.

Der Verband der Zoologischen Gärten (VDZ) hatte über viele Jahre durch Besucherbefragungen in verschiedenen Tierparks einen Mittelwert errechnet, an den sich Hellabrunn auch bislang immer gehalten hat. Auf der Versammlung in der vergangenen Woche erklärte Baban auf Nachfrage diese Berechnung, wusste aber überraschenderweise den Faktor, mit dem eine Dauerkarte in die Statistik eingeht, nicht auswendig. Erstaunlich deshalb, weil er die Besucherzahl doch sehr stark beeinflusst.

Tierparkchef Baban will erstmals Besucherbefragung durchführen

Der Wert für eine Dauerkarte liegt bei 20, sagt die stellvertretende VDZ-Geschäftsführerin Julia Kögler. Jede verkaufte Dauerkarte wird mit 20 Besuchen pro Jahr gezählt. Das bedeutet: Bei zwei Millionen Besuchern in Hellabrunn im vergangenen Jahr wurde eine Million genau gezählt, die andere Hälfte der Zoo-Gäste beruht auf der Rechnung: Jeder der Dauerkartenbesitzer kommt pro Jahr 20 Mal, also fast jedes zweite Wochenende.

"Wir empfehlen den Tierparks mittlerweile, selbst zu zählen, da es doch große Unterschiede gibt", sagt Kögler. In Berlin zum Beispiel, wo der ehemalige Hellabrunn-Chef Andreas Knieriem nun seit zwei Jahren den Zoo leitet, "liegt der Tierpark so zentral, dass viele Dauerkartenbesitzer fast täglich nach der Arbeit noch einmal für eine Stunde rein- oder durchgehen". Das sei in Hellabrunn, nicht ganz so zentral gelegen, wahrscheinlich anders. "Oder das Beispiel Schulklassen: Wenn zwei Lehrer mit einer Klasse kommen, werden nur die beiden Erwachsenen registriert, nicht aber die 20 Kinder."

Tierparkchef Baban kündigte nun an, für die Auswertung des laufenden Jahres erstmals eine Besucherbefragung machen zu wollen. Im Zuge dieser Befragung, die von einer externen Firma vorgenommen wird und die repräsentativ sein soll, werden zudem andere Themen abgefragt. "Wir wollen mit den Ergebnissen dann unseren eigenen Hellabrunn-Faktor für die Besuche der Dauerkartenbesitzer ermitteln."

Es könnte also sein, dass bald die nächste Rekordmarke bei den Besucherzahlen fällt. Im Nürnberger Zoo hat man bereits eine solche Befragung gemacht, mit dem Ergebnis, dass dort der Faktor pro Jahr sogar bei 30 Besuchen liegt. "In Nürnberg sind Hunde erlaubt, weshalb dort auch viele Dauerkartenbesitzer sehr häufig ihre Tiere ausführen und damit der Wert hochgeht", sagt Kögl vom Verband der Zoologischen Gärten.

Faktor 20 galt bisher immer, unabhängig vom Wetter

Wo allerdings ganz exakt gezählt wird, sieht es anders aus. Im Zoo von Basel wurde für Dauerkartenbesitzer über viele Jahre der VDZ-Wert angewandt; als man dort aber im Jahr 2014 an den Eingängen Drehkreuze aufstellte und die Besucherzahlen exakt zählen konnte, stellte sich heraus: Statt zwei Millionen Besuchern, wie in den Vorjahren immer geschätzt, waren es plötzlich nur noch eine Million Besucher. Auch im Tierpark in Zürich gingen die Besucherzahlen nach Einführung von Drehkreuzen von geschätzten 1,8 Millionen auf eine Million zurück.

Die Besuche der Dauerkartenbesitzer war in beiden Fällen deutlich niedriger als angenommen. Auch wegen solcher Erfahrungen rät der Verband VDZ nun dazu, die Besucher in jedem Zoo individuell möglichst genau zu zählen. Zudem ist das Wetter für hohe Schwankungen verantwortlich. "Ein verregnetes Osterwochenende kann schnell mal zu einem Minus von 50 000 Besuchern in der Statistik führen." Bislang galt aber der Faktor 20 immer, egal ob es ein Jahr mit idealem Tierparkwetter war oder ein verregnetes.

Der Tierbestand ist im Vergleich zum Vorjahr von 18 943 auf 19 363 gewachsen, hat man in Hellabrunn errechnet. Auch hier konnte nicht jedes einzelne Tier gezählt werden, die Insekten etwa stehen mit exakt 2000 zu Buche. Hier wurde gerundet und geschätzt. Aber bei den Tieren - alle lebenslang Dauerkartenbesitzer - ist diese Schätzung hoffentlich doch ein wenig genauer als bei den Besucherzahlen.

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