Tierpark Hellabrunn Löwen werden nie Veganer sein

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Aber sie können sich biologisch, nachhaltig und saisonal ernähren. Ein Besuch beim Futterbeauftragten im Münchner Tierpark, der den Tieren schon einmal einen Fastentag verordnet.

Von Lisa Settari

Martin Schmolingas Arbeitstag beginnt um sechs Uhr, lange bevor die ersten Besucher in den Tierpark Hellabrunn strömen. Dann setzt sich der Chef-Futterbeauftragte erst einmal an den Rechner. Sein Büro befindet sich im Erdgeschoss des großen Futterhauses, das sich über 600 Quadratmeter erstreckt, unweit vom Flamingo-Eingang im Nordosten des Parks. Schmolinga kontrolliert den Warenbestand und bestellt Futter bei verschiedenen Händlern. Die Bestellungen variieren von Tag zu Tag, wie die Bedürfnisse der Tiere. Sogar das Wetter nimmt da Einfluss, heiße Temperaturen zügeln den Appetit.

Der Futterplan ist so vielseitig wie die 758 Tierarten im Zoo. Gleich neben Schmolingas Büro sind die Kühlzellen, wo sich Berge von Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Reis, Kartoffeln, Eier und Joghurt türmen, die hier täglich in Kisten gepackt und dann zu den verschiedenen Häusern und Gehegen gebracht werden. "Wir versuchen saisonal einzukaufen, regional ist natürlich schon schwieriger. Aber Exotisches wie Ananas oder Mango findet man hier wenig."

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Natürlich hat Schmolinga die Zahlen, mit denen er täglich jongliert, nicht alle im Kopf. Aber er kann die benötigten Futterquantitäten mit einem Beispiel veranschaulichen: Pro Tag werden hier beachtliche sechs Tonnen Süßwasserfisch verfüttert. Geliefert wird von verschiedenen Händlern. Blätter und Gras kommen von den Stadtgärtnern oder aus dem Tierpark selbst. Für die Affen werden Blätter im Winter sogar tiefgefroren.

Martin Schmolingas Büro ist nüchtern, ja funktionell gehalten. Ein großer Schreibtisch, ein Wandschrank voller Aktenordner, seitenlange Telefonlisten an der Wand. Keine Bilder, keine Pflanzen. Es könnte irgendein Chefbüro sein. Nur Details, wie etwa der Alarmplan für Tierausbrüche an der Wand, weisen auf die Besonderheiten dieses Unternehmens hin. Sein Büro passt zu Martin Schmolinga, irgendwie spiegelt es seine Persönlichkeit wider. Auch er wirkt nüchtern, praktisch denkend, wie ein Macher. Fragen beantwortet er präzise.

Der gebürtige Berliner wusste schon als Kind, dass er mit Tieren arbeiten wollte. Die Ausbildung zum Tierpfleger absolvierte er in seiner Heimatstadt, sie dauerte drei Jahre. Im Münchner Tierpark arbeitet er seit 1999, seit acht Jahren in der dortigen Futterwirtschaft. Das war nicht gerade sein Traum. Wie die meisten Tierpfleger wollte er nah an den Tieren bleiben. "Aber ich muss zugeben, dass mir die Tiere noch nicht so arg fehlen", sagt er und lacht. Seine jetzige Position sei abwechslungsreich und voller Herausforderungen.

Die Tierpfleger bringen Vorschläge für die Futterpläne ein, der Chef-Futterbeauftragte Martin Schmolinga versucht dann, alle Wünsche umzusetzen.

(Foto: Catherina Hess)

In der Futterwirtschaft laufen die verschiedenen Fäden zusammen. Die Tierpfleger bringen Vorschläge für die Futterpläne ein, die von den Tierärzten abgesegnet werden. Der Chef-Futterbeauftragte beachtet diese Ergebnisse, vergleicht sie mit dem neuesten Stand der Forschung und muss sehen, wie die Wünsche und Notwendigkeiten mit dem Budget und logistischen Voraussetzungen vereinbar sind. "Ich habe hier mehr Möglichkeiten, den Betrieb mitzugestalten wie zu meiner Zeit als Tierpfleger, das ist schon erfüllend."

Natürlich bringt das auch viel Büroarbeit mit sich. "Und das wird nicht weniger", sagt Schmolinga. Ein Grund dafür sei, dass ein moderner Zoo seine Tiere nicht nur satt machen will, sondern auf konstante Erneuerung und Nachhaltigkeit in der Futterwirtschaft setzt. Der allgemeine Trend gehe eindeutig in Richtung naturbelassener Kost, am besten mit biologischem Ursprung, und weg von Fertigfutter und Gentechnik. Den Druck, immer auf dem neuesten Stand zu sein, spürt heute auch ein Zoo. Im vergangenen Jahr wurde der komplette Hellabrunner Futterplan generalüberholt. "Das wollen wir jetzt alle paar Jahre machen, um zu verhindern, dass sich zu viel Arbeit ansammelt", sagt Schmolinga.