Von Florian Fuchs

Weil sie mit bis zu 2,6 Tonnen Kot pro Tag die Gewässer verschmutzen, geht es den Münchner Gänsen an den Kragen. Umweltschützer sind entsetzt - und hoffen auf eine tierische Lösung.

Es gibt da unterschiedliche Ansichten. Die einen freuen sich beim Spaziergang durch den Nymphenburger Park oder den Englischen Garten über den Anblick einer Gans. Die anderen ärgern sich und fluchen über den Kot der Tiere.

Graugänse in München

Den Graugänsen in München soll der Garaus gemacht werden. (© Foto: dpa)

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Jetzt ist der Streit unter Fachleuten eskaliert. Umwelt- und Tierschutzverbände befürchten, dass Gänse im Zuge eines Projekts der Technischen Universität München (TUM) getötet werden sollen: durch Schlachtung in der Mauserzeit, in der die Tiere ihre Federn wechseln und flugunfähig sind. Und indem die Eier der Gänse während der Brut manipuliert werden.

2,6 Tonnen Gänsekot pro Tag

Die Verbände sind deshalb aus Beratungen des Projekts ausgestiegen. Jan Björn Potthast von der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung gehört schon von Berufs wegen zur zweiten Gruppe: Er befürchtet durch den Kot der Tiere Folgeschäden für Gewässer und klagt, dass die Gänse die sorgsam angelegten Beete im Nymphenburger Schlosspark zerstörten.

Um dem Problem Herr zu werden, hat die Schlösserverwaltung zusammen mit der Stadt und der Jagdbehörde das Projekt der TUM in Auftrag gegeben. "In den Sommermonaten entstehen pro Tag 2,6 Tonnen Gänsekot in München", berichtet Potthast. Er betont, dass die Behörden eine verträgliche Lösung des Problems finden wollen, die den Tieren nicht schade.

Genau hier jedoch liegt nun der Streitpunkt: "Das Projekt soll nur die bayernweite Ausweitung der Jagd vorbereiten", schimpft Manfred Siering. Der Vorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern kritisiert, dass TU-Projektleiter Andreas König auch den Mauserfang und die Gelegebehandlung, also die Manipulation der Eier, in Betracht zieht.

Anstechen der Eier kann zu verkrüppelten Gänsen führen

Bei der Gelegebehandlung werden den Gänsen die Eier weggenommen oder sie werden angestochen, um die Nachkommen noch vor dem Schlüpfen zu töten. "Das Anstechen klappt oft nicht richtig und führt dann dazu, dass verkrüppelte Gänse auf die Welt kommen", kritisiert Siering.

Der Vogelschützer meint auch, dass der Kot keine Folgeschäden habe für Gewässer in München. Weil es keinesfalls eine Überpopulation an Gänsen gebe, sagt Siering. "Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr", bestätigt Biologin Silke Sorge, "aber über die letzten zehn Jahre ist die Population stabil."

Die Zählungen von TU-Projektleiter Michael König, der seit zwei Jahren Daten erhebt, liegen für Biologin Sorge innerhalb der normalen Schwankungen: Demnach gab es im August 2008 rund 1200 Gänse an Münchens Gewässern, zwölf Monate später waren es 1400. "Das können nächstes Jahr schon wieder weniger sein", sagt Sorge.

Alternativ-Vorschlag: Bussarde sollen die Gänse vertreiben

84 Prozent der Tiere in München sind Graugänse, dazu kommen Arten wie die Kanada-, die Weißwangen- und die Streifengänse. König versteht die ganze Aufregung nicht. Er betont, er moderiere in dem Projekt nur und prüfe, ob Vorschläge umsetzbar seien.

Inzwischen hat er einen Bericht erstellt: Wegen der Kritik der Schutzverbände hat er hier von der Empfehlung abgesehen, Gänse in der Mauserzeit zu fangen und zu schlachten. Die Gelegebehandlung betrachtet er aber weiterhin als Möglichkeit. Er beruft sich dabei auf frühere Studien, die darin auch kein Problem erkannt hätten. Die Gefahr verkrüppelter Küken sieht er nicht.

Mit einem der Vorschläge in dem Bericht können sich aber auch die Schutzverbände anfreunden: dem Vergrämen. König will in München Bussarde aufsteigen lassen, die zu schwach sind, Gänse zu reißen, sie aber erschrecken und so nachhaltig auf Flächen vertreiben, auf denen sie geduldet werden. In einem Testlauf im Münchner Westen hat er mit dieser Methode schon Erfolg gehabt.

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(SZ vom 22.03.2010/rs)