The Hives in München Krawall und Remmidemmi

Gekleidet sind sie in Frack und Zylinder, doch ihrem Publikum hauen sie ordentlich etwas um die Ohren: The Hives aus Schweden bringen in München das Kesselhaus zum Beben - und die Fans zum Schwitzen.

Von Beate Wild

Egal, wo sie spielen, der edle Zwirn ist immer dabei: The Hives, hier bei einem Konzert in Santiago de Compostela.

(Foto: dpa)

Es ist wie in einem Gruselfilm. Düstere Klänge ertönen, in Frack und Zylinder kommen The Hives auf die Bühne. Wird das die Horror-Retroshow einer Rockband, die nach mehr als 15 Jahren im Geschäft ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat? Mitnichten. Bereits mit den ersten Takten des treibenden Openers "Come On" verscheuchen die fünf Schweden jegliche Zweifel: Ein Hives-Konzert, das ist immer noch schweißtreibender Rock'n'Roll-Zirkus - schon nach wenigen Sekunden versetzt die Band das Publikum am Samstagabend im Münchner Kesselhaus in Feierlaune.

The Hives leben von ihrer Energie und den Eskapaden ihres Frontmanns "Howlin'" Pelle Almqvist. Der springt während der 90 Minuten auf der Bühne von einer Ecke in die andere, klettert auf Boxen, tanzt mit ausladendem Hüftschwung. Zwar nicht mehr ganz so elastisch und ekstatisch wie früher - aber die Rampensau zu geben, hat er noch immer nicht verlernt.

Sein älterer Bruder, Lead-Gitarrist Niklas Almqvist, steht ihm in Nichts nach. Er spielt den Pausenclown mit dem irren Blick, macht ständig Faxen und scheut auch den Kontakt mit dem Publikum nicht. Auch wenn die Band inzwischen Mittdreißiger sind, der voluminöse Vigilante Carlstroem noch ein paar Kilo mehr und Bassist Matt Destruction einige Haare weniger hat: Auf das Garagenrock-Abstellgleis wollen sich diese Herren noch nicht schieben lassen.

Vor elf Jahren gelang den Hives mit ihrer Garagenrock-Hymne "Main Offender" der Durchbruch, fünf Jahre ließen sie ihre Fans auf das aktuelle Album "Lex Hives" warten. Folgerichtig ist das Kesselhaus schon seit langem ausverkauft. Ein Abend der Nostalgiker ist es trotzdem nicht: Neben langjährigen Anhängern findet sich auch eine Generation in der ehemaligen Fabrikhalle ein, die den Schweden-Fünfer wohl zum ersten Mal sieht.

Die Band spielt vor allem Songs aus ihrem aktuellen Album, das zwar in bester Hives-Tradition dem Publikum krawalligen Alternative-Rock um die Ohren haut, aber an die legendären Alben "Veni Vidi Vicious" und "Tyrannosaurus Hives" nicht herranreicht. Trotzdem reihen sich die neuen Stücke wie "Wait A Minute" oder "Patrolling Days" perfekt an die großen Klassiker wie "Walk Idiot Walk", "Die, All Right" oder "Tick Tick Boom".

Das Publikum goutiert es mit heftigem Applaus und wildem Getanze: Kein Song, bei dem nicht gesprungen und gepogt wird. Wenige Minuten nach Beginn des Konzerts ist jeder, aber auch wirklich jeder, durchgeschwitzt, als hätte er gerade einen Dauerlauf hinter sich. Erfrischung bieten da nur die Duschen mit Bier, das euphorische Fans in die Menge spritzen.

Zwischen den Songs punktet Sänger Almqvist, bekannt als Publikumsdompteur, sympathischer Großkotz und notorische Quasselstrippe, mit beachtlichen Deutschkenntnissen. "Es sind junge Männer aus Schweden auf die Bühne heute Abend", ruft er, um das Publikum zu mehr Applaus zu animieren.

In dieser eigentümlichen Mischung aus Englisch und putzigem Deutsch erzählt er halbe Romane. Oder er kommentiert, was er gerade tut: "Ich muss meine Frackjacke ausziehen, es ist heiß in dieser Lokalität." Irgendwann erschließt sich dem Zuhörer auch der Grund für die Monologe. Die fünf Schweden brauchen die kurzen Pausen zwischen den Stücken, um wieder etwas zu Atem zu kommen - das Publikum im Münchner Kesselhaus im Übrigen auch.

So werden die 90 Minuten zu einem Set ohne Längen, obwohl die Songs sich durchaus ähneln. Nur einmal buht das Publikum: Als Sänger Pelle mit den Worten, er müsse nun mal das lokale Bier probieren, einen Schluck aus einer Flasche Becks nimmt. Verdutzt liest er vom Etikett: "Ah, Bremen" - und versteht. Als die Hives später zur Zugabe wieder auf die Bühne kommen, hält er in der Hand stolz eine Flasche Augustiner Bier. Das Publikum johlt.