Terrorwarnung in der Silvesternacht Bis zu 200 zusätzliche Polizisten sichern München

Passanten und Polizisten in der Münchner Innenstadt

(Foto: dpa)

Nach dem Terroralarm in München beobachtet die Polizei verstärkt neuralgische Orte - auf unbestimmte Zeit und oft in Zivil.

Von Oliver Das Gupta

Am diesem Samstagvormittag wird es lebendig im Münchner Zentrum. Die Geschäfte sperren das erste Mal im neuen Jahr auf, immer mehr Menschen kommen in die Fußgängerzone. Manche tragen große Einkaufstüten, vielleicht wollen sie Weihnachtsgeschenke umtauschen.

Und doch scheint manches anders als sonst. Die Menschen wirken eiliger, aufmerksamer. Wenn ein Mann stehen bleibt mit dicker Jacke, schauen Passanten schon genau hin. Einen Tag ist es her, dass in der Silvesternacht eine konkrete Terrorwarnung die Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt in Unruhe versetzte und weltweit für Aufsehen sorgte.

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Nach Geheimdienst-Informationen planten Islamisten angeblich Selbstmordanschläge am Hauptbahnhof und am Bahnhof Pasing (hier mehr zu den Hintergründen). Von den polizeilichen Absperrungen ist nun nichts mehr zu sehen, es patroullieren nicht einmal viele Uniformierte am Hauptbahnhof, am Marienplatz sind keine Beamten zu sehen.

Und doch sind sie vor Ort, sogar mehr als sonst. "Bis zu 200 zusätzliche Kolleginnen und Kollegen haben wir im Einsatz", sagt ein Sprecher der Polizei München der SZ. Viele seien in Zivil unterwegs und sicherten neuralgische Punkte. "Erweiterter Raumschutz" nennt die Polizei dieses Konzept. Auch zusätzliche Personenkontrollen gebe es.

Viele Anrufe von Bürgern

Diese Maßnahmen haben der Polizei zufolge auch psychologische Gründe. Mit der personellen Aufstockung "kommen wir auch dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung nach". Denn eine konkrete Terrorbedrohung gibt es nun nicht mehr. Die Polizei spricht von einer "abstrakten Gefahrenlage, wie wir sie seit 15 Jahren haben".

Nach den mutmaßlichen Verdächtigen fahnden die Ermittler weiter, allerdings bislang ergebnislos. Noch immer ist nicht einmal gesichert, ob die von ausländischen Geheimdiensten genannten Namen stimmen, ja ob es die Personen überhaupt gibt.

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Viele Münchner hatten sich am Silvesterabend und am Neujahrstag mit Fragen zur Sicherheit bei der Polizei gemeldet. Manche Anrufer hätten auch Beobachtungen geschildert, die nun kriminalpolizeilich abgearbeitet würden, so die Polizei.

Der "Erweiterte Raumschutz" bleibt in München vorerst auf unbestimmte Zeit bestehen. Allerdings könnte er auch bald auf Vor-Silvester-Niveau zurückgefahren werden. Das entscheidet die Polizei nach Lage und die beurteilt sie jeden Tag neu.