Terroralarm Münchner Polizei bleibt nach Terrorwarnung in Alarmbereitschaft

  • Hinter der Terrorwarnung in München steckt nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann Sorge vor Anschlagsplänen des "Islamische Staats".
  • Offenbar waren Selbstmordanschläge an zwei Bahnhöfen der Stadt geplant.
  • Nach Mitternacht hat sich die Situation beruhigt. Die Bahnhöfe sind inzwischen wieder freigegeben, Reisende werden aber kontrolliert

Polizeidichte in der Stadt höher als üblich

Nach den Terrorwarnungen der Silvesternacht in München bleibt die Polizei in Alarmbereitschaft. "Es besteht noch immer erhöhte Terrorgefahr, wir können noch keine Entwarnung geben", erklärte ein Sprecher am Freitagmorgen. Auch am Neujahrsmorgen ist die Polizeidichte in der Stadt höher als üblich, in der Nacht waren bis zu 550 Polizisten im Einsatz, die vor allem aus dem südbayerischen Raum und der Landeshauptstadt zusammengezogen wurden.

Am Münchner Hauptbahnhof sowie am Bahnhof Pasing im Westen der Stadt, die die Polizei nach Geheimdienstwarnungen vor einem drohenden Selbstmordanschlag durch Anhänger der Terrormiliz IS am Silvesterabend geräumt und gegen vier Uhr wieder freigegeben hatte, werde nun selektiv kontrolliert. "Wir schauen uns an, ob diejenigen tatsächlich reisen wollen", so ein Sprecher.

Die Fahndung nach möglichen Attentätern läuft indes weiter. Eine Reihe besorgter Bürger hatte sich in der Nacht mit verdächtigen Beobachtungen bei der Polizei gemeldet, bei der Überprüfung habe sich aber nichts ergeben. Bei Twitter bedankt sich die Polizei München bei allen Nachtschwärmern: "Danke, dass Ihr Ruhe bewahrt habt und Verständnis für unsere Maßnahmen hattet."

Hinweise auf Anschlägspläne des Islamischen Staats

Hinter dem laut Sicherheitsbehörden geplanten Terroranschlag in München soll nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Terrormiliz Islamischer Staat stecken. Das Bundeskriminalamt habe die Bundespolizei am Silvesterabend über entsprechende Hinweise eines befreundeten Nachrichtendienstes informiert, sagte Herrmann in der Silvesternacht in München.

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Es gab demnach Hinweise auf geplante Terroranschläge am Hauptbahnhof in München und dem Bahnhof Pasing im Westen der Stadt. "Die Bedrohung hat sich ganz konkret auf Mitternacht bezogen und auf diese beiden Orte." Alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen seien ergriffen worden, sagte Herrmann, aber das Leben gehe weiter. Der allgemeinen Gefahr durch Terrorismus in Europa seien sich ohnehin alle bewusst.

Geplant waren offenbar Selbstmordanschläge

Nach Angaben des Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä war ein Selbstmordanschlag geplant. Es handle sich um fünf bis sieben Täter, sagte er der nächtlichen Pressekonferenz mit Herrmann. "Der konkrete Hinweis heute Abend kam aus einer Quelle." Polizeistreifen und Fahndungen hätten bisher aber zu keinen Verdächtigen oder weiteren Hinweisen geführt. Die Informationen hätten also bisher nicht verdichtet werden können.

Der Bayerische Rundfunk berichtet, die geplanten Anschläge hätten von sieben namentlich bekannten Männern aus dem Irak verübt werden sollen. Schon gegen Mittag habe es demnach Hinweise von Seiten des amerikanischen Geheimdienstes, später auch des französischen Geheimdienstes gegeben. Die mutmaßlichen Täter sollen sich bereits in München aufgehalten haben. "Geplant war offenbar, dass sich die Männer paarweise an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen", heißt es in dem unbestätigten Bericht.

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Herrmann rechtfertigt Sicherheitsmaßnahmen

Herrmann sagte, die Hinweise des befreundeten Nachrichtendienstes seien zwar nicht hundertprozentig belastbar, aber so ernstzunehmen gewesen, dass sie nicht ignoriert werden konnten. Es sei richtig gewesen, die notwendigen Maßnahmen unverzüglich zu treffen.

Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar mit der kürzlich in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war. "Ich hoffe immer noch, dass diese Nacht ruhig zu Ende geht."

Herrmann rechtfertigte die Sicherheitsmaßnahmen angesichts der Terrorwarnung. "Wir haben die generelle Linie, dass wir uns nicht von Terroristen unser Leben diktieren lassen wollen", sagte er. Aber wenn Warnungen so konkret sind in Ort und Zeit, dann müsse man entscheiden.

Situation hat sich beruhigt

Aus Sicht des Polizeipräsidenten hat sich die Situation in den Stunden nach Mitternacht etwas beruhigt. Die Behörden sähen die Lage momentan als entspannter an als es vor Mitternacht der Fall war, sagte Andrä. Rund 550 Einsatzkräfte seien im Einsatz. Trotz intensivster Ermittlungen seien die Informationen über einen Selbstmordanschlag bisher aber nicht konkretisiert worden.

Die Polizei stehe in Kontakt mit allen Sicherheitsbehörden in Bund und im Land, sagte Andrä. Gegen 4 Uhr am Freitag wurden die beiden Bahnhöfe, die eine Stunde vor Mitternacht geräumt worden waren, wieder freigegeben. Die Polizei blieb allerdings vor Ort.

Münchner feiern trotzdem

Viele Münchner, die die Nachrichten in den Sozialen Netzwerken mitverfolgen, lassen sich nicht einschüchtern. In den sozialen Medien laufen Fotos feiernder Menschen ein, "trotzdem" steht dort immer wieder zu lesen. Einer hat über ein Foto geschrieben: "For freedom, against terrorism". Und auch die Polizei twittert: "Trotz der ernsten Lage lassen wir es uns nicht nehmen: Frohes neues Jahr Euch allen!" Ganz am Ende heißt es aber dann doch noch: "Und seid vorsichtig!"