Technische Universität Flacher, breiter, schneller

Im Olympiapark entsteht für 143 Millionen Euro der neue Sport-Campus der Technischen Universität. In nur vier Jahren soll ein "Gebäudekomplex der Superlative" errichtet werden

Von Alfred Dürr

Es ist das mit Abstand größte aktuelle Bauvorhaben in der unmittelbaren Nachbarschaft der weltberühmten Zeltdach-Architektur des Olympiaparks: Für 143 Millionen Euro entsteht auf dem ZHS-Areal (Zentraler Hochschulsport München) ein moderner Sport-Campus der Technischen Universität. Die bayerische Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (CSU) und Uni-Präsident Wolfgang A. Herrmann legten am Mittwoch den Grundstein für einen, wie es hieß, Gebäudekomplex der Superlative. Bis zum 50-jährigen Bestehen des Olympiaparks im Jahr 2022 soll das Projekt fertiggestellt sein.

Das knapp 35 Hektar große Baugebiet liegt im nördlichen Bereich des denkmalgeschützten Ensembles Olympiapark. Während der Olympischen Sommerspiele von 1972 befand sich hier das Pressezentrum. Danach waren in den Bauten die Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der TU sowie der Zentrale Hochschulsport untergebracht. Die Gebäude sind in die Jahre gekommen und weisen teilweise gravierende Mängel in der Konstruktion, bei der Statik und beim Brandschutz auf. Vor zwei Jahren ist der Architektenwettbewerb für den kompletten Neubau des Sport-Campus entschieden worden.

Gewonnen hatte ein Team aus dem österreichischen Bregenz - die Büros Dietrich Untertrifaller mit Balliana Schubert Landschaftsarchitekten. Das Preisgericht lobte den "klaren, ruhigen Baukörper" mit seiner Holz- und Glasfassade, der sich als flacher Komplex mit sechs Innenhöfen gut in den Kontext der Architektur und der Landschaft des Olympiaparks einfüge. Von einer zentralen Erschließungsachse gelangt man zu allen Funktionsbereichen. Dieses Herz der Anlage ist für die Jury der Kommunikationsort, von dem es Einblicke in alle Sporthallen gibt, an dem alle Seminarräume und Hörsäle liegen und im Westen "in überzeugender Weise Mensa und Bibliothek einen Überblick über das gesamte Gelände ermöglichen".

Das Preisgericht lobte den "klaren, ruhigen Baukörper" mit der Holz- und Glasfassade, der sich gut in den Park einfüge.

(Foto: Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH)

Holz ist das dominierende Baumaterial des neuen Sportzentrums. Helmut Dietrich, der geschäftsführende Gesellschafter des Architektenbüros Dietrich Untertrifaller, nannte den Komplex einen in seiner Dimension rekordverdächtigen Holzbau - "und zwar mit allen Qualitäten wie Leichtigkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz". Bauweise und Architektur sind für ihn die logische Antwort auf die sportliche Aufgabenstellung und auf den besonderen Ort im denkmalgeschützten Park.

Die neue bayerische Wissenschaftsministerin und Ärztin Marion Kiechle kennt die ZHS-Anlage aus eigener Erfahrung: "Ich habe hier nicht nur geturnt, sondern auch Vorträge gehalten." Die Grundsteinlegung war für sie ein besonders erfreulicher Anlass. Denn nun würden optimale Rahmenbedingungen für zukunftsweisende Forschung im Bereich der Sport- und Gesundheitswissenschaften geschaffen. In den neuen Sportstätten können sich über 125 000 Studierende und 30 000 Beschäftigte aller Münchner Universitäten und Hochschulen aktiv betätigen. Als Ärztin begrüße sie das breite, sportliche Angebot sehr. Aus ihrer langjährigen klinischen Erfahrung wisse sie, wie wichtig Bewegung und körperliche Aktivitäten für das physische und psychische Wohlbefinden sind.

Die hohe Investitionssumme in den Neubau sei gut angelegt, sagte Kiechle. Durch eine moderne Hochschul-Infrastruktur an den mittlerweile vier Standorten der Technischen Universität München schaffe man optimale Bedingungen für Forschung und Lehre: "Zugleich bauen wir damit weiter an unserer herausragenden bayerischen Wissenschafts-Landschaft."

Der Neubau im Olympiapark schaffe die besten Chancen, die wissenschaftliche Forschung weiter voranzutreiben "und unsere interdisziplinäre Ausrichtung zu leben", sagte Ansgar Schwirtz, Dekan der Sport- und Gesundheitswissenschaften. Es gehe auch darum, "dass wir unseren Studierenden zukunftsweisende Berufsfelder durch die Ausbildung erschließen".

Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (mit TU-Präsident Wolfgang A. Herrmann, links) hat früher selbst beim Zentralen Hochschulsport geturnt.

(Foto: Robert Haas)

TU-Präsident Wolfgang A. Herrmann beleuchtete bei der Grundsteinlegung die Rolle der Sportwissenschaft. Die in der Folge der Olympischen Spiele eingerichtete Sportausbildung sei an der TU lange Zeit nicht richtig Ernst genommen worden und habe eher ein Schattendasein geführt, sagte Herrmann. Doch seit der Strukturreform von 2002 werde dieser Bereich konsequent modernisiert und derzeit in der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften mit den Ernährungswissenschaften und der Medizin verschränkt.

Die Technische Universität München setzt laut Herrmann damit ein deutliches Signal. Bewegung und Ernährung seien die wichtigsten, einander ergänzenden Präventionsfaktoren zum Erhalt der Gesundheit: "Ihre wissenschaftliche Fundierung und Durchdringung sind Aufgaben einer Universität, die hierüber wie keine andere in Deutschland über die zugehörigen Ankerfakultäten verfügt."

Herrmann lobte die "großzügige Neubau-Investition" des Freistaats. In den alten Bauten habe Gefahr für Leib und Leben bestanden. Es wird nicht nur ein neues Sportzentrum geben. Mittelfristig muss laut Uni-Präsident die Betreuungsrelation Studierende zu Professoren von 200 zu eins "drastisch verbessert" werden. Weitere Berufungen und ein neues Strukturkonzept sollen dazu beitragen.