Tallest Man on Earth in der Muffathalle Fake-Schmerz für die große Bühne

Der schwedische Songwriter Kristian Matsson als Tallest Man on Earth bei einem Auftritt in Dachau. (Archivbild)

(Foto: joergensen.com)

Zum ersten Mal tritt der schwedische Songwriter Kristian Matsson mit Band als Tallest Man on Earth auf. Eigentlich eine gute Sache. Wenn er sich nur nicht so verkünsteln würde.

Von Theresa Hein

Auf einem Konzert in London sagte Kristian Matsson einmal, als jemand unbedingt "King of Spain" hören wollte: "Weißt du, eigentlich ist 'King of Spain' so wie jeder andere Song." Das war witzig, authentisch, der "Tallest Man on Earth" nahm sich als Singer-Songwriter nicht so ernst. Matsson weiß, dass seine Songs sich alle relativ ähnlich anhören. Er weiß auch, dass das jedem wurst ist.

Am Dienstag in der ausverkauften Muffathalle stand ein anderer Kristian Matsson auf der Bühne. Auf seinem neuen Album "Dark Bird Is Home" spielt er das erste Mal mit einer kompletten Band. Die hat er jetzt auch nach München mitgebracht (und nein, deswegen muss man ihn nicht gleich mit Bob Dylan vergleichen).

Früher hat man ihm den Schmerz immer abgekauft

Eine Pedal-Steel-Gitarre verstärkt Matssons gekonntes Fingerpicking mit Country-Sound, kleine Background-Chöre tun den neuen Songs auch ganz gut, zum Beispiel bei "Darkness of the dream" oder "Slow Dance", bei denen Matsson gut gelaunt hinter seiner Gitarre hertigert.

Da singt er, dass er in seinem Leben etwas vermisst hat und dass er an einem Ort wie diesem keine Angst zu haben braucht. Matsson hat sich von seiner Frau getrennt, bevor er das neue Album aufgenommen hat. Das hört man den Songtexten an, die sind genauso gut wie die alten, aber noch ein bisschen fertiger. Die Ballade "Little Nowhere Towns" spielt er alleine, am Klavier.

Eigentlich ein einziger Exzess

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Den Schmerz hat man dem Tallest Man immer abgekauft, und es ist nicht die Band, die das Publikum daran hindert, ihm zu glauben. Auch, wenn die ihn zeitweise an die Wand spielt, wie bei "The Gardener".

Die Verstärkung ist nicht das Problem an diesem Abend, sondern die Entscheidung Matssons, viele Songs in langsameren Tempo zu spielen als auf den Alben. Nicht nur die alten, flotteren, sondern auch die neuen, die in ihrer Ruhe schön sind, aber so zum Narkotikum werden. Matsson haucht und jauchzt, er verkünstelt sein Songwriting mit irritierenden "ahs" und "jahs" und "ohs".

Erst gegen Ende ziehen sie das Tempo an - zum Glück

Es ist orchestrierter, abstrahierter Trübsinn, den Matsson in der Muffathalle spielt. Das Ergebnis: Fake-Schmerz, für die große Bühne.

Gegen Ende dann die Entscheidung, das Tempo ein bisschen anzuziehen, das tut den Songs und der Band gut. Bei "King of Spain" wirken alle auf der Bühne das erste Mal wirklich fit und unterhalten und man merkt, den Temposchalter hätten sie auch ein bisschen früher umlegen können. "Dark Bird Is Home", der Titelsong des neuen Albums, funktioniert gut mit Gitarren und Schlagzeug, auch, wenn es der traurigste Song des Albums ist: "I thought that this would last/ for a million years/ but now I need to go."

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