Tag des offenen Denkmals Wiederaufbau der Maxburg: Ein Affront gegen "unser liebes München"

Heute ist das Amtsgericht in dem denkmalgeschützten Gebäude der beiden Architekten Sep Ruf und Theo Pabst untergebracht.

(Foto: Veronica Laber)
  • An diesem Sonntag ist Tag des offenen Denkmals.
  • Unter dem Motto "Macht und Pracht" stehen auch in München viele Besichtigungen auf dem Programm. Besonderes Augenmerk gilt Kunstobjekten im Zentrum.
  • Auch in der Maxburg finden Führungen statt - gegen die ausgezeichnete Architektur gab es nach dem Zweiten Weltkrieg heftige Proteste.
Von Alfred Dürr

Wenn Denkmalschützer und Stadtbild-Experten vor der Gefährdung des Münchner Zentrums warnen, ist das kein Alarmismus. Auf den heiß begehrten Grundstücken im Altstadt-Ensemble lastet ein enormer ökonomischer Verwertungsdruck. Immer mehr der nach dem Krieg wieder aufgebauten Gebäude sind in die Jahre gekommen. Sie werden abgerissen oder modernisiert.

Heftige Debatten entzünden sich daran, wie neue Bauwerke in den von der Geschichte geprägten Häuserstrukturen und Wegeführungen aussehen sollen. Was kann weichen und durch moderne Architektur ersetzt werden, was muss bewahrt werden, damit nach den schweren Bombenschäden des Krieges keine zweite Zerstörung des Herzens der Stadt droht?

München hat alles nur geerbt

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Eine herausragende Anlage aus der Zeit des Wiederaufbaus ist zum Beispiel die Neue Maxburg an der Pacellistraße. Sie gilt als Ikone modernen Bauens aus den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Heute ist sie allerdings etwas in Vergessenheit geraten und wirkt teilweise auch vernachlässigt. Die 2016 in München gegründete Sep-Ruf-Gesellschaft, die sich für die Erforschung, Bewahrung und Verbreitung des Werkes eines der bedeutendsten deutschen Architekten (1908 bis 1982) des 20. Jahrhunderts einsetzt, beteiligt sich mit Führungen durch die Maxburg am Tag des offenen Denkmals.

Die ehemalige Herzog-Max-Burg, das Stadtschloss der Wittelsbacher, stammte aus dem 16. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex mit seinen abgeriegelten Höfen nahezu vollständig zerstört. Erhalten blieben von dem mächtigen Renaissancebau lediglich der charakteristische Turm und einzelne Räume. Das Areal diente lange als Trümmerschutt-Platz.

Der Wiederaufbau der Maxburg wurde schließlich zum Musterbeispiel dafür, wie Tradition und Moderne aufeinanderprallten. Der Freistaat wollte einen großzügigen Geschäfts- und Verwaltungsbau mit Räumen für die Justiz errichten. Zur Anlage gehört auch der gläserne,transparente Autopavillon gegenüber dem Künstlerhaus am Lenbachplatz. Verwirklicht wurde das Gesamtprojekt nach dem Entwurf der Architekten Sep Ruf und Theo Papst.

Aus dem verschlossenen Areal wurde eine Anlage für die Bürger

Irene Meissner, vom Architekturmuseum der Technischen Universität München und im Vorstand der Sep-Ruf-Gesellschaft, berichtet von der heftigen Ablehnung, die den Wiederaufbau von Anfang an begleitete. Denn für die kriegszerstörte Altstadt galt die Leitlinie des damaligen Stadtbaurats Karl Meitinger, nach der im Zentrum "unser liebes München" mit seiner historischen Grundstruktur wieder entstehen sollte.

Konservative Architekten-Kollegen polemisierten also hart gegen Ruf und Papst, obwohl die beiden Architekten das ehemals für die Öffentlichkeit verschlossene Areal in eine offene, von Wegen und Plätzen durchzogene Anlage für die Bürger verwandelten.