Szene München Die bitterste Zeit des Jahres für Singles

Manchmal sieht die Welt nach einem Gin Tonic rosiger aus. Manchmal nicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Jahresanfang kann sehr ermüdend sein. Gerade für Singles. Da gibt es nur einen Ort, um auf bessere Zeiten zu warten.

Von Laura Kaufmann

Nie erscheint die Zeit trostloser als jetzt. Die weihnachtlichen Dramen noch im Nacken und das nasskalte Silvester, und nichts, was da in absehbarer Zeit vor einem läge. Kein Feiertag, keine Festlichkeit; kein Strohhalm, an den es sich klammern ließe. Dunkle, ungemütliche Tage.

In den sozialen Netzwerken fiesen sich die Leute an oder sie posten Bilder aus Thailand, wo man jetzt offenbar besser sein sollte. Dann stirbt David Bowie, und weit und breit ist keine Gedächtnisparty in Sicht in dieser grauen, gleichgültigen Welt.

Der Cha-Cha-Cha kehrt in die Clubs zurück

Wenn Mittdreißiger ausgehen, sitzen sie an der Bar und schauen auf das Handy. Doch bald könnten sie auch bei jungen Clubgängern Eindruck machen. Kolumne von Philipp Crone mehr ...

Für Singles ist diese Zeit so oder so die bitterste des Jahres, verschanzen sich doch alle Pärchenfreunde hinter ihrem Netflixaccount, mit rutschfesten Socken an den Füßen. Der Rest trinkt den Neujahrsvorsätzen getreu grüne Smoothies im Fitnessstudio. Die Zahl der Ausgehwilligen schrumpft auf ein ärmliches Maß.

Die Stadt fühlt sich nach übergebliebenem Niemandsland an

So streunt dann eine kleine Gruppe, der harte Kern, durch die üblichen Bars entlang der Müllerstraße, die gleichen wie im Jahr davor. Es gibt noch kein neues Trendgetränk zu schlürfen, keinen Club zu entdecken, die Stadt fühlt sich nach übergebliebenem Niemandsland an. Was bestellt man gerade eigentlich so? Wodka Soda? Wodka Mate? Ach, einen Gin Tonic, bitte.

Die Singles schauen sich um, aber sie sind müde. Greifen zum Telefon, schreiben eine Nachricht. An One-Night-Stands mit Potenzial, an etwas, das nett war und mehr werden könnte. Zurück kommt nichts oder etwas egozerschmetterndes wie "zu müde, sorry". Noch einen Gin Tonic, bitte.

"Let's dance" könnte der DJ jetzt spielen, vielleicht würde das die Mundwinkel der Einsamen anheben. Die Nacht ist zu lang, um zu tanzen, bis es hell wird, und so trollen sich bald alle ins Bett. Denn das ist immer noch der beste Ort, um auf bessere Zeiten zu warten, selbst allein.

So schnarcht wenigstens niemand, kein versoffenes Lallen, vielleicht singt einem auf dem Heimweg stattdessen David Bowie ins Ohr. Und im Jahr ist noch viel Zeit für erfolgreichere Nächte.

Woanders sind die Bars auch nicht besser

Nach dem Weihnachtsbesuch daheim merkt der junge Wahl-Münchner: Diese Stadt ist gar nicht so schlecht. Glosse von Christiane Lutz mehr...