Szene-Kolumne Nach dem Oktoberfest beginnt die Zeit für neue Bars

Hat in dieser Woche eröffnet: Das "Bar und Grill" von Dallmayr in der Dienerstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Überall in der Stadt eröffnen gerade Lokale. Sie sind wie dafür gemacht, den Wiesngeschädigten von seinen Vorsätzen abzubringen.

Kolumne von Laura Kaufmann

"Nach der Wiesn" ist Anfang Oktober das Mantra, das durch München hallt. Auf die Zeit danach werden all die wichtigen Dinge verschoben, für die während des Oktoberfests niemand Aufmerksamkeit hat. Bar-Eröffnungen zum Beispiel. Denn von den ausgehwilligen Menschen ist nun mal ein Großteil an den Kosmos auf der Theresienwiese verloren. Wer sich als Barchef kein Soft Opening wünscht, also einen ruhigen Start, der wartet, bis all die Wunderkerzen in den Zelten heruntergebrannt sind, um dann seine Idee zu zünden.

Und so ist München zur Zeit gespickt mit Neuzugängen im Nachtleben; edle Hotelbars und von Sektmarken gesponserte Bars, auch solche, die in einer ehemaligen Gaybar eröffnen. Und der Tresen im Schaufenster dort hinten, der war doch letzte Woche auch noch nicht da? Überhaupt wahrt der Herbst eine wunderbare Stimmung für Neuanfänge.

Liegt es nun daran, dass die um ihn vermodernde Natur den Menschen an seinen eigenen Verfall erinnert und so zum Schaffen anregt. Oder daran, dass in der Kindheit im Herbst die Zeit der neuen Bleistifte und Klassenzimmer begann, und der kleine Mensch mit besten Vorsätzen in das neue Schuljahr startete. Tatendrang liegt in der Luft.

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Doch herrscht, zumindest beim ausgehfreudigen Teil der Bevölkerung, ja immer noch Katerstimmung. Je nach Kondition braucht der Wiesngänger seine Zeit, bis er sich vom 18-Tage-Rausch erholt hat. Zu allem Überfluss hat er sich der Abstinenz verschrieben, je nach Ehrgeiz eine Woche oder auch den ganzen Oktober lang.

Der Gastronom aber hat, während sich der Ausgehwillige dem Bier literweise hingab, Tresen geschreinert, Flohmärkte auf der Suche nach Stühlen abgeklappert, das Barregal mit ausgewählten Spirituosen bestückt. Jetzt blitzt und blinkt und glänzt alles. Wie dafür gemacht, den Wiesngeschädigten von seinen Vorsätzen abzubringen.

Ein guter Martini oder Munich Mule, das ist ein anderes Trinkvergnügen als Bier aus dem Maßkrug. Nicht besser, nicht schlechter. Anders. Wie es auch ein anderes Vergnügen ist, mit Freunden ins Gespräch vertieft am Tresen zu lehnen, statt mit ihnen auf der Bank zu schunkeln.

Man könnte ja nur einmal hinschauen. Nur in diese eine neue Bar, die so besonders interessant klingt. Die Versuchung ist groß. So groß eben, dass Barchefs ihre Eröffnungen mit wissendem Lächeln auf "Nach der Wiesn" verschieben.

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