30. Bayerischer Fernsehpreis Söder steckt ein, Kerkeling teilt aus

"Einer der ganz großen Humoristen der Gegenwart": Hape Kerkeling bekommt in diesem Jahr einen Ehrenpreis.

(Foto: dpa)

Der Ministerpräsident und der Komiker könnten kaum unterschiedlicher sein. Während der eine im Prinzregententheater mit einem Preis geehrt wird, dient der andere als Witzvorlage.

Von Philipp Crone

Die beiden, die nachher aufeinandertreffen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Das ist schon vor Beginn der Verleihung am Freitagabend im Prinzregententheater zu sehen. Unten an der Auffahrt, die mit einem roten Teppich ausgelegt ist, steht Markus Söder, Ministerpräsident und Gastgeber der 30. Bayerischen Fernsehpreise. Er geht mit geradem Rücken von Fotografengrüppchen zu Fotografengrüppchen, immer mit einem Blick, der eine Mischung ist aus riesigem Stolz und mühsam unterdrücktem Stolz.

Hier wird der neue Ministerpräsident endlich einmal so richtig hofiert, deshalb der Stolz, und gleichzeitig weiß der Franke ganz genau, dass er jetzt immer so wirken muss, als sei er ein Staatsmann mit jahrzehntelanger Routine. Es ist der Anblick eines Mannes, dessen Stärke eher nicht im Subtilen liegt, der die große Show noch vor sich hat und darüber froh ist. Ein paar Meter weiter steht der Mann, der später auf Söder treffen wird. Hape Kerkeling hat die große Show allerdings schon hinter sich und ist froh darüber.

Kerkeling hat ein ähnlich angestrengtes Gesicht wie Söder

Der 53-jährige diesjährige Ehrenpreisträger macht am Freitag das, was er schon immer so gut konnte: sich auf ganz feine, subtile Weise lustig. In diesem Fall über die Welt des roten Teppichs. Hunderte Hape-Rufe der Fotografen? Er antwortet mit "Ja" oder "Jaha", auf jeden einzelnen Ruf.

Kerkeling hat ein ähnlich angestrengtes Gesicht wie Söder, wobei das bei ihm eher daran liegt, dass ihm wohl gerade wieder bewusst wird, warum er sich im Jahr 2014 aus dem Fernsehgeschäft verabschiedet hat: Es hat ihm, wie er einmal gesagt hat, noch nie wirklich gelegen, er hat sich immer unwohl gefühlt. So sehr sich Söder also ohne Aufmerksamkeit unwohl fühlt, so ergeht es Kerkeling mit Aufmerksamkeit. Doch die bekommen zunächst ja ohnehin andere.

Barbara Schöneberger setzt den Ton, indem sie als Moderatorin "einen Komiker vom Feinsten" ankündigt, der gesagt habe: "Isch kandidiere" und mit ausreichend Pause, dass die Kamera ihn im Blick hat, ergänzt: "Begrüßen Sie Markus Söder." Bei der Verleihung eines Blauen Panthers an die Show "Ninja Warrior" beginnt Moderator Jan Köppen dann seine Erklärung, warum ein weiterer Moderator nicht kommen kann, mit dem Satz: "Der hat's im Kreuz, aber das kennen Sie ja, Herr Söder." Der Gastgeber gibt einfach eine zu gute Angriffsfläche für Pointen ab.

Bei der Auszeichnung der besten Darstellerin wird es dann wieder ernst. Julia Jentsch zieht scharf die Luft ein, als ihr Name durch den Saal hallt. Sie sagt "Oh Gott", dankt noch ihrer Mutter, die "immer für mich da ist", und hält ihren Porzellan-Panther dann mit beiden Händen so fest, dass man sich fast Sorgen um die Figur machen muss. Maximilian Brückner schüttelt nur den Kopf, als er seinen Namen hört und den Panther entgegennimmt. Auch er ist wie Jentsch ein bisschen sprachlos und donnert die Auszeichnung erst einmal gegen das Mikrofon vor sich.

Kerkeling wird am Ende geehrt. In der Jury-Begründung heißt es, er sei "einer der ganz großen Humoristen der Gegenwart". Für seine Figuren schämt man sich und gleichzeitig gehen sie einem ans Herz. Dabei ist der Mann mit gerade mal 53 Jahren eigentlich noch gar nicht im Ehrenpreisträger-Alter. Aber er hat aufgehört, weil sich die "heutige Fernsehlandschaft so verändert hat", sagt er am Abend. Es gebe keine Zeit mehr für Proben, dabei sei er eher ein sorgfältiger Typ.

Caroline Link wird die Autobiografie von Kerkeling verfilmen

Mit der Show "Total normal" gelang ihm 1989 der Durchbruch. In der Folge war er iranischer Schachgroßmeister, finnischer Rap-Sänger oder litauischer Fußballtrainer. Der dummdreiste Horst Schlämmer wurde zur Marke und Kerkeling zudem mit dem Buch "Ich bin dann mal weg" zum Erfolgsautor. In der Figur des Sängers Popolski etablierte er den Neologismus "Hurz!" und wurde als "Wetten, dass . . .?"-Moderator umworben. Seine Autobiografie, in der er sich mit dem Suizid seiner Mutter auseinandersetzt, er war damals acht Jahre alt, wurde 2014 sein bislang letzter Erfolg. Oscar-Preisträgerin Caroline Link wird das Buch verfilmen. Im Sommer erscheint ein weiteres Kerkeling-Buch.

Man sah Kerkeling zuletzt selten, 2016 stand er in Hollywood neben Jackie Chan bei der Premiere des Cartoons "Kung Fu Panda 3", bei dem er die deutsche Stimme der Hauptfigur Po spricht. Und nun eben beim Bayerischen Fernsehpreis. Der Mann der vielen Rollen beherrscht die des souveränen Teppich-Gängers und unterhaltsamen Preisträgers selbstverständlich auch, natürlich auch neben Markus Söder.

Rouladen zum Trost

Hape Kerkeling erzählt in seinem bewegenden Buch "Der Junge muss an die frische Luft" vom Tod seiner Mutter. Seine Komik erscheint dadurch in neuem Licht: als eine Kunst, die versucht, Leben zu retten. Von Christopher Schmidt mehr... Buchrezension