SZenario Heiter bis tiefsinnig

Unvergängliche Texte: Henning Venske (l.) und Jochen Busse ließen den verstorbenen Kabarettisten Klaus-Peter Schreiner nochmals hochleben.

(Foto: Florian Peljak)

Weggefährten ehren Klaus-Peter Schreiner in der Lach- und Schießgesellschaft

Von Oliver Hochkeppel

Manchen sitzt der Schalk nicht nur im Nacken, man sieht ihn ihnen auch an. Klaus-Peter Schreiner gehörte nicht zu diesen. Der Pfälzer wirkte eher spröde, eher wie ein Naturwissenschaftler - Chemie war sein erstes Studienfach, bevor er doch auf Theaterwissenschaft umschwenkte -, und Schreiner wusste darum. Daher hat er sich nur in Ausnahmefällen selbst spielend auf die Bühne gewagt. Die überließ der Sprachgewaltige lieber den Sprechgewaltigen. Und so war Klaus-Peter Schreiner der Mann im Hintergrund aus diesem Triumvirat mit Dieter Hildebrandt und Sammy Drechsel, das die Lach- und Schießgesellschaft zu dem republikweit bekannten, bewunderten und mitunter gefürchteten Phänomen machten, das sie bis heute ist. Als Haustexter war er aber nicht weniger wichtig: "Die wesentlichen Texte, die Bestand hatten, kamen von ihm. Ohne ihn wären wir nie so weit gekommen", hat ihm schon vor Jahren Dieter Hildebrandt attestiert.

Davon konnte man sich nun noch einmal an Ort und Stelle überzeugen, bei einer Matinee zu Ehren des am 7. Februar verstorbenen Zentralgestirns des deutschen Kabaretts. Einige der alten Weggefährten waren gekommen, um ihn mit seinen besten Texten noch einmal hochleben zu lassen: Astrid Jakobs, Sybille Nicolai, Renate Küster-Hildebrandt, Bruno Jonas, Henning Venske, Rainer Basedow und Jochen Busse, der vielleicht begnadetste, nach eigener Ansage "eine Zeit lang hauptberuflicher Interpret" von Schreiners geschliffener Wortgewalt. Der einst in einigen Lach- und Schießprogrammen für die Musik zuständige Andi Lutter saß am Klavier, begleitet von Alex Haas am Bass, der mit Schreiner bei dessen Jubiläumsprogramm 2000 unterwegs gewesen war. Sogar Pino Spaltro, der gute Geist der Lach- und Schieß-Gastronomie, durfte in einem Sketch als italienischer Kellner sein Bühnendebüt geben, das "KPS", wie ihn die Freunde nannten, sicher ebenso überzeugt hätte wie das jubelnde Publikum.

Was man da zu hören bekam, würde der Jazzer Standards nennen. Unvergängliche Texte wie das Gedicht von den "Zwei Fetzen Stoff" (einer Fahne und einem Bettlaken), das in Form und Ton gleichberechtigt an Brecht und Kästner anschließt; oder den Sketch von der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft mit ihrem sinnlosen Informationsüberfluss, der wie eine gestern mit viel Weitsicht geschriebene Prophezeiung klang - aber doch bereits aus dem Jahr 1984 stammte. Zusammen mit musikalischen Zwischenspielen und einigen - teilweise sehr lustig aus der Zeit gefallenen - Filmeinspielern ergab das eine tiefsinnige und überaus heitere Matinee mit der einen oder anderen Träne im Knopfloch. Wie es KPS immer am besten gefallen hat.