SZ-Adventskalender Wenn Jurastudenten Flüchtlinge beraten

Praktische Erfahrungen neben dem Jurastudium: Viola Syska.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • In der Refugee Law Clinic bieten Studenten kostenlose Rechtsberatung für Flüchtlinge an.
  • Doch die Lage ist angespannt. Es fehlt eine feste Anlaufstelle und an Geld für das Ausbildungsprogramm.
Von Jennifer Lichnau

Jura kann sehr trocken sein, sehr theoretisch. Die Arbeit der Refugee Law Clinic ist alles andere. Viola Syska, 23, ist seit mehr als einem Jahr Mitglied bei dem studentischen Verein, der kostenlosen Rechtsbeistand für Flüchtlinge anbietet. Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Die Studenten erhalten praktische Erfahrung, Flüchtlinge eine Rechtsberatung, auf die sie nicht so lange wie üblich warten müssen.

Dennoch ist die Lage angespannt. Ein eigenes Büro fehlt der Studenten-Initiative, bislang wird ihnen immer an neuen Orten vorübergehend Platz gegeben. "Dabei wäre es so wichtig, eine zentrale Anlaufstelle anzubieten. Ein fester Ort, an den die Flüchtlinge kommen können, und auch wir, um Fälle zu besprechen", sagt Viola.

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Auch müssen die Jura-Studenten extra vorbereitet werden - aber diese Vorbereitungskurse kosten, und das Geld der ehrenamtlichen Organisation ist knapp. "Wir würden sehr gerne in unser Ausbildungsprogramm investieren, damit wir auch wirklich gute Arbeit für die Flüchtlinge leisten können", sagt Viola.

Viola kann ihr erlerntes Wissen in der Praxis umsetzen

Viola kann in der Refugee Law Clinic das im Jurastudium erlernte Wissen umsetzten, die Theorie hinter sich lassen. "Direkt am Menschen arbeiten", sagt sie. Das Wichtigste aber ist ihr, dass sie Menschen unterstützen kann, die in einer schlechteren Ausgangslage sind als sie selbst. Viola sitzt nicht gerne Tage lang in der Bibliothek hinter dicken Büchern. Wenn sie lernt, dann meistens zu Hause, "da kann man auch mal eine Pause einlegen", sagt sie und lacht.

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Dass die Arbeit bei der Refugee Law Clinic viel Zeit und Kraft kostet, macht Viola aber nichts. Sie ist taff, hat eine klare Stimme, einen klaren Blick. Wenn sie lacht, dann laut und herzlich. Entspannt sitzt sie im Café, ihre blonden Haare sind zu einem Zopf geflochten, die Lippen rosa geschminkt. Sie hat eine ungezwungene Art. Was sie denkt, das sagt sie auch.

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Behördliche Beratungsstellen sind mehr als ausgelastet

Die Refugee Law Clinic muss nicht auf sich aufmerksam machen, das Konzept ist ein Selbstläufer. Die Nachfrage ist riesig. Hinter den Jurastudenten steht ein Beirat. Erfahrene Anwälte, die den Studenten zur Seite stehen und bei komplizierten Fällen helfen. Es gibt zwar auch behördliche Beratungsstellen für Asylsuchende, aber die sind mit dem Flüchtlingsstrom mehr als ausgelastet. Die Studenten entlasten. Auch können sie sich für die Menschen, die zu ihnen kommen, mehr Zeit nehmen, wirklich für sie da sein. "Nicht anhören, entscheiden und wieder wegschicken", sagt Viola.

Es gibt drei Bereiche innerhalb des Vereins: Das Beraterteam, das Organisationsteam und Übersetzer. Beraten dürfen allerdings nur die Jurastudenten - und das auch nicht einfach so. Sie müssen eine Vorlesung belegen, in Workshops Beratungssituationen üben, eine Prüfung schreiben. Erst dann sind sie in der Lage, effektive und qualitative Rechtsberatung zu leisten. Und das ist das Ziel. Asylrecht kommt im Studium nicht vor. Man muss sich intensiv damit auseinandersetzen, um sich auszukennen "in dem asylrechtlichen Dschungel", wie es Viola ausdrückt.

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