SZ-Adventskalender für gute Werke Bitte immer zusammenbleiben

Krankheit, Armut, Tod in der Familie - für viele Kinder in München war 2015 ein schweres Jahr. 18 Mädchen und Jungen erzählen, was sie sich sehnlich zu Weihnachten wünschen

Robert Lewandowski treffen

Warum ich? "Das hat er von klein auf", sagt seine Mutter. "Dass er immer wieder fragt, warum gerade er gehbehindert ist." Denn Benedikt, 13, ist einer von sechs Brüdern, die anderen fünf sind alle gesund. Er jedoch leidet unter einer Bewegungsstörung, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel liegt. Die Symptome wurden im Laufe der Jahre immer schlimmer, oft muss Benedikt sich im Rollstuhl fortbewegen. Geistig ist Benedikt jedoch absolut gesund, und gerade deshalb stellt er immer wieder diese Frage: warum ich? Im März wird er operiert, um die Fehlstellung von Hüfte und Füßen zu korrigieren. Doch der Erfolg der Operation ist nicht sicher. Sein Weihnachtswunsch wäre, einmal Robert Lewandowski zu treffen, "weil er in neun Minuten fünf Tore geschossen hat". Oder DJ Felix Jaehn.

Fahrrad und Helm

Eigentlich hätte Dzhesika, 6, gerne eine Katze oder einen Hund. Aber das ist in dem 15 Quadratmeter großen Zimmer, in dem sie und ihre Eltern kochen, essen und schlafen unmöglich. Das Zimmer liegt unter dem Dach und hat zwei Schrägen, unter der einen steht der Esstisch, unter der anderen ist die kleine Spielecke von Dzhesika. Ihre Eltern sind vor einem Jahr aus Bulgarien nach München gekommen, sie nehmen jede Arbeit an und möchten unbedingt unabhängig sein. Die Sechsjährige wünscht sich ein Fahrrad und einen Helm, um mit ihrer Familie den Westpark zu erkunden. Wenn schon keine Katze, sagt Dzhesika schüchtern, dann vielleicht eine Barbie, ihr würde sie dann eine schöne Frisur machen.

Ein Lerncomputer

In einem Jahr ist ihre Ausbildung zur Kauffrau fertig, dann, so hofft Diana V., bekommt sie einen Job, mit dem sie ihre Familie ernähren kann. Im Moment ist das Geld knapp, der Vater der Kinder bezahlt keinen Unterhalt. Drei Jungen und ein Mädchen hat sie. Zwei der Kinder, Michael, 9, und Jason, 10, leiden an ADHS und können deswegen nicht mit der Familie zusammenwohnen. Der kleine John, 5, ist ein Auto-Fan, er kennt alle Automarken auswendig. Am liebsten würde er einmal mit dem Porsche in den Kindergarten fahren. "Aber ich mag auch Feuerwehrautos", sagt er. Auch über einen Lerncomputer würde er sich freuen. Die 14-jährige Michelle tanzt Breakdance und ist bei den Pfadfindern aktiv, sie spielt Gitarre und beim Fußball ist sie Verteidigerin. Sie wünscht sich ein Fahrrad. Die beiden älteren Buben, Michael, 9, und Jason,10, hätten gerne einen Tretroller und einen neuen Schlitten, außerdem ein Trampolin. "Einen echten Tannenbaum zu Weihnachten können wir uns nicht leisten, dafür reicht das Geld einfach nicht." Sie freut sich, als ihre Tochter Michelle sagt: "Ich wünsche mir eigentlich nur Gesundheit für meine Mutter und meine Brüder und hoffe, dass wir für immer zusammenbleiben."

Ein Fußballspiel in der Arena

Die Wohnung der Familie ist zwar sehr schön und hell, aber noch sehr leer. Die Glühbirnen haben keinen Lampenschirm, und in den Kinderzimmern stehen nur die Betten. Schränke und Regale gibt es nicht. Die zwölfjährige Sofie wünscht sich aber keinen Lampenschirm, sondern: einen Laptop. Damit will sie für Referate recherchieren, sie geht in die sechste Klasse eines Gymnasiums. Ihre beiden zehnjährigen Brüder, die Zwillinge Luis und Adrian, sind sehr schüchtern, sie vergraben ihre Gesichter in die grauen Sofakissen. Sie gehen auf die Förderschule, Adrian hat eine leichte geistige Behinderung, Luis hat Lernschwierigkeiten. Der größte Wunsch der Eltern ist, dass sie bald einen Platz in einer heilpädagogischen Tagesstätte finden, denn dann könnte auch die Mutter wieder arbeiten. Adrians Lieblingsfarbe ist gelb, deswegen wünscht er sich alle drei Minions-Filme und einen Basketball. Luis hat ein Trikot von 1860 München im Auge, denn er ist ein großer Fan. Er grinst und sagt: "Zu einem Spiel vom FC Bayern würde ich aber trotzdem gehen."

Einen Schreibtisch

Jasmin, 7, sitzt konzentriert am Wohnzimmertisch und malt einen Papagei in ihrem Malbuch aus. Pinke Spangen halten ihre blonden Haare aus dem Gesicht. Jasmins Mutter ist krank und kann sich nicht um sie kümmern. Deswegen wohnt sie seit ihrem zweiten Lebensjahr bei ihrer Oma in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung. Ihre Mutter sieht sie nur am Wochenende. Nach der Schule muss Jasmin in den Hort. "Eigentlich gefällt es mir da", sagt das Mädchen im pinken Kleid. Doch zu Hause kann Jasmin nicht so gut lernen. Für einen Schreibtisch reicht die Rente ihrer Oma nicht. Deswegen muss die Siebenjährige auf dem Tisch im Wohnzimmer arbeiten. Auch ihr Roller und ihre Inliner werden bald nicht mehr passen.

Ein Fahrrad für den Schulweg

Susanne K. leidet unter Muskeldystrophie, eine Erbkrankheit, die zu zunehmender Muskelschwäche führt. Das Geld der Familie ist knapp: Die Mutter muss 24 Stunden beatmet und rund um die Uhr betreut werden. Sie muss hohe Beträge für Pflegebedarf und Medikamente ausgeben. Für das tägliche Leben mit ihrem Sohn bleibt da nicht mehr viel übrig. Der 16-jährige Zenon hat kein Fahrrad. Sein Schulweg mit der Bahn dauert doppelt so lange wie mit dem Rad, Ausflüge mit Freunden kann er höchstens auf dem Gepäckträger unternehmen. Zenon läuft Parkour oder fährt auf seinem - selbstgebauten - Longboard. Seine Rollen eiern allerdings, deswegen wünscht er sich neue. Wenn Zenon nicht mit seinen Freunden draußen ist, spielt er mit seinem Kater Suti.

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Ein Robotik-Baukasten

Wenn man Fabio, 9, fragt, was er sich denn wünscht, dann huscht kurz ein freudiges Glitzern in seinen Blick. "Das Robotik-Set", sagt er. Was zum Zusammenbauen, Basteln, Tüfteln. Das macht er am liebsten. Notgedrungen. Denn Fabio kann nicht so ungehindert herumtollen wie seine Altersgenossen. Der Bub leidet seit seinem ersten Lebensjahr an einer Autoimmunerkrankung. Der Körper kämpft nicht nur gegen Bakterien, Viren oder Krebszellen, sondern auch gegen gesunde Zellen. Hinzu kam dann auch noch eine chronische Hepatitis. Etliche Krankenhausaufenthalte und Operationen waren nötig. Jetzt ist Fabio auf Tabletten angewiesen, muss oft in die Klinik zur Blutkontrolle und darf nicht an die Sonne. Ob er jemals ganz gesund wird, kann keiner sagen. Der Vater musste aufgrund einer Krankheit seinen Beruf als Koch aufgeben. Die Mutter jobbt stundenweise in einem Solarium. "Die letzten Jahre waren hart", sagt sie.

Polizei-Lego

"Polizei-Lego", sagt Max, 5. Das ist sein großer Weihnachtswunsch. Neben ihm sitzt seine große Schwester Phuphinyo, 13. Phuphinyo ist thailändisch und heißt in etwa: "Dass die Wünsche in Erfüllung gehen." Aber sie wissen, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können: Neben der Couch ist ein schlichtes Regalbrett, darauf stehen frische Blumen - und ein Foto von ihrem Papa. Er ist im April gestorben, die Kinder haben ihm noch ein Bonbon vor das Foto gelegt. Der Tod liegt wie ein Schatten über dem kleinen Wohnzimmer. Überall Fotos, Erinnerungen. Sie leben von der Witwen- und Halbwaisenrente und Aufzahlungen durch das Jobcenter. Wegen Max kann die Mutter nur stundenweise arbeiten gehen. Phuphinyo ist sprachbegabt. "Ich würde mir einen Laptop zum Lernen für die Schule wünschen", sagt die 13-Jährige.

Die Lochis

Für Melissa, 17, ist das Leben nicht einfach. Sie hat einen schwerst behinderten kleinen Bruder, der neun Jahre alt ist und daheim gepflegt wird. Mutter, Vater und Oma wechseln sich ab. Melissa ist ebenfalls nicht gesund, sie bekommt sporadisch epileptische Anfälle, ist in ihrer Entwicklung verzögert. Sie hilft ihrer Mutter so weit sie kann. Ihr Herzenswunsch? Sie würde gerne im Februar nach Stuttgart zum Auftritt des Duos Die Lochis fahren - am besten mit einem "Meet & Greet".

Bareinzahlungen sind von Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9.30 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. SZ-Grafik

Ein Xylofon

Auf Musik hat David schon immer besonders reagiert. Der kleine David ist ein aufgeweckter Junge. Aber der Vierjährige wird niemals ein normales Leben führen können: David kam als Frühchen zur Welt, gerade mal 1000 Gramm wog er bei seiner Geburt. Er hat einen zu kleinen Kopf, eine spastische Körperbehinderung und leidet unter Epilepsie. Seit seiner Geburt bestimmen Arztbesuche, Therapien und Behandlungen das Leben der Familie. "Es ist ziemlich hart", sagt seine Mutter. Zwar würden die Therapien bezahlt werden, aber bis die Krankenkasse endlich den speziellen Buggy oder die Schienen und die Spezialschuhe genehmigte, mit denen der Vierjährige endlich das Laufen lernen soll, habe es lange gedauert. Selbst kann sich die Familie das nicht leisten, auch nicht ein Musikinstrument für David. Über ein Xylofon zu Weihnachten würde sich David sehr freuen, sagt die Mutter.

Ein Wochenende in den Bergen

"Raus aus den vier Wänden, alles hinter sich lassen und etwas anderes machen." Etwas, das sie zumindest für einen kurzen Moment von ihrer Krankheit ablenkt. Das ist Selinas größter Wunsch für Weihnachten. Im Oktober hat die 17-Jährige erfahren, dass der Tumor in ihrem Gehirn wieder gewachsen ist. Selina droht die nächste Operation. Ausgang ungewiss. "Damit ich mal nicht darüber nachdenken muss, wie es jetzt weitergeht", wünscht sich die Schülerin gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder ein entspannendes Wochenende "irgendwo in Österreich".

Reitstunden

Rachel ist ein ungewöhnlich aufgewecktes Kind: Die Zehnjährige ist klug, zuvorkommend, umsichtig, vielleicht ein kleines bisschen zu erwachsen für ihr Alter. Doch die Umstände haben das Mädchen geprägt: Ihre alleinerziehende Mutter ist psychisch erkrankt und ist in Behandlung. An eine Erwerbstätigkeit ist im Moment noch nicht zu denken, deshalb ist die finanzielle Lage schlecht. Unterstützt durch eine Spende hat Rachel in diesem Jahr begonnen, Reitstunden zu nehmen. Das tut dem Mädchen sichtlich gut, auf dem Rücken des therapeutisch ausgebildeten Pferdes findet Rachel neue Balance. Doch die 130 Euro für zehn weitere Reitstunden kann ihr die Mutter nicht ermöglichen, auch wenn es Rachels größter Wunsch ist.