Von Von Claudia Wessel

Obdachlose brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern seelischen Beistand, jemanden, der sie an die Hand nimmt. "Obdachlose Menschen leben in einer sozialen Ausnahmesituation", sagt Gerhard Baier, Leiter des Männerwohnheims in der Pilgersheimerstraße.

"Und dann bin ich eines Tages an der Arbeit vorbeigefahren." Mit der S-Bahn. Nicht in Ebenhausen ausgestiegen und nicht zum Dienst als Krankenschwester gegangen, sondern einfach bis Wolfratshausen sitzen geblieben. Wieder zurückgefahren. Nach München. Ins nächste Café gegangen. Handy ausgestellt. Nicht zu Hause ans Telefon. Aus. Schluss. Batterie leer. Depressionen.

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"Ich sag immer, ich bin im schwarzen Loch drin." Dagmar L., 55 Jahre alt, sitzt auf einem Stuhl in ihrem schlichten Zimmerchen in der Karlstraße 51, im fünften Stock von "Karla51", einem vom Evangelischen Hilfswerk betriebenen Heim für obdachlose Frauen. "Dieses Gefühl zu beschreiben, ist total schwer", sagt die Frau mit dem brünetten Kurzhaarschnitt und der braunen Brille, sportlich gekleidet in ein gestreiftes Sweatshirt und schwarze Hosen. "Man will niemanden sehen, jeder Schritt fällt einem schwer. Man kann einfach nicht mehr weiter funktionieren."

Obdach im Sinne von Schutz

Obdachlose Menschen brauchen Hilfe. Und zwar nicht nur ein Dach über dem Kopf. Sie brauchen seelischen Beistand, jemanden, der sie an die Hand nimmt, ihnen Obdach im Sinne von Schutz gewährt. Denn obdachlose Menschen sind in den meisten Fällen gerade deshalb in ihrer ausweglosen Lage, weil sie es aus irgendeinem, oft psychisch bedingten Grund nicht geschafft haben, selbstständig zu sein, für sich selbst zu sorgen, die eigene Existenz zu erhalten, mit allem, was dazugehört.

"Obdachlose Menschen leben in permanentem Stress aufgrund ihrer unsicheren Lebenssituation, sind sozial isoliert, haben keine Kontakte mehr, keine tragfähigen Beziehungen mehr, leben in einer sozialen Ausnahmesituation", sagt Gerhard Baier, Leiter des vom Katholischen Männerfürsorgeverein betriebenen Männerwohnheims in der Pilgersheimerstraße.

"Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, es gibt krankheitsbedingte Obdachlosigkeit, familiäre oder traumatische Einschnitte wie der Verlust von Partnern oder Kindern. Die Menschen sind oft nicht in der Lage, mit dieser Situation fertig zu werden.

Sie sind in einem psychischen Ausnahmezustand, zahlen dann die Miete nicht, trinken, gehen aus ihrer Heimat weg, um das Umfeld zu vergessen. Bevor sie sich zweimal umgeguckt haben, sind sie ohne Wohnung und ohne Geld und dann ist der Absturz gnadenlos."

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