Suche nach einem Konzertsaal Eine Elbphilharmonie für München

Der Konzertsaal im Gasteig: Wenn es nach Seehofer geht, gibt es ihn bald nicht mehr.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die neuen Pläne für einen neuen Konzertsaal in München laufen darauf hinaus, etwas neu zu bauen, ohne etwas wirklich Neues zu schaffen.
  • Sie könnten zugleich die Orchesterkultur in der Stadt gefährden.
Kommentar von Franz Kotteder

Man kann der Ansicht sein, dass der kulturelle Niedergang Münchens nicht mehr aufzuhalten ist, wenn es keinen neuen Konzertsaal gibt. Man kann auch der Ansicht sein, dass die Stadt keinen weiteren Konzertsaal braucht. Beide Ansichten miteinander zu verbinden, das ist unmöglich, möchte man meinen. Und doch sind die Verantwortlichen gerade dabei, genau das zu tun: etwas neu zu bauen, ohne etwas wirklich Neues zu schaffen, und zugleich die Orchesterkultur zu gefährden.

Dem Diktum Leonard Bernsteins "Burn it!" wäre Folge geleistet

Tatsächlich klingt es nach einem mutigen Wurf, einfach einen neuen Saal anstelle der alten Philharmonie zu bauen. Dem berühmten Diktum von Leonard Bernstein "Burn it!" ("Brennt sie nieder!") wäre damit Folge geleistet. Man fragt sich, warum all die Arbeitsgruppen, die ja seit Jahren an einer Lösung arbeiten, nicht auf diese Idee gekommen sind?

Beantwortet man diese Frage ehrlich, wird das allerdings schnell klar. Nicht nur, dass für den Gasteig noch eine Restzahlung in Höhe von 60 bis 70 Millionen Euro fällig ist. Möglicherweise wäre das halb so schlimm - bis ein neuer Saal geplant und auf den Weg gebracht ist, können ja viele Jahre vergehen, in denen der jetzige Bau weiter genutzt wird.

Seehofers Radikallösung für den Gasteig

Wende in der Münchner Konzertsaaldebatte: Bayerns Ministerpräsident Seehofer präferiert offenbar den Abriss der bisherigen Philharmonie und einen Neubau an selber Stelle. Das Projekt würde voraussichtlich mehr als 400 Millionen Euro kosten. Von Christian Krügel mehr ...

Was aber folgt danach? Es gibt dann auf Jahre hinaus gar keinen großen Saal mehr. Und es folgen jene Unwägbarkeiten, wie sie bei Neubauten normal sind. Man muss nicht das Beispiel Hamburg bemühen, wo man seit acht Jahren an einer Philharmonie baut, die 2017 mit siebenjähriger Verspätung eröffnet werden soll.

Was aber wäre von der hoch gepriesenen Münchner Klassikkultur nach nur fünf Jahren ohne Saal übrig? Seehofers Masterplan lautet genau genommen: "Wir bauen eine Elbphilharmonie - mitten in München! Und zwar sehenden Auges." Es wäre der größte Fehler in der an Fehlern reichen Geschichte der Konzertsaalsuche.