Live-Club & Bar Isarvorstadt "Substanz" Kreuzberg in München

Seit fast 20 Jahren gibt es das Substanz: Iggy Pop und The Verve waren schon dort. Heute drängen sich Twens an Bar und Kickertisch.

Von Lea Fließ

Hinter der Bar türmen sich Flaschen mit allem, was der Cocktail-Liebhaber begehrt. Doch: Im Substanz wird vor allem Bier getrunken. Frisch gezapftes, kein Flaschenbier. "Seitdem wir das richtige Bier haben, ist der Laden wieder voll", sagt Jürgen Franke. Sein Blick schweift durch seine Kneipe. Rockige Musik dröhnt aus den Boxen, an den Wänden hängen Gemälde, in einer Ecke steht ein Tauschregal - das allerdings nur eine von vielen Besonderheiten im Substanz ist.

Grounge-Bands, DJs und Poetry Slam: Das Substanz will München ein bisschen "kreuzbergiger" machen.

(Foto: Foto: Lea Fließ)

Seit bald 20 Jahren finden im Substanz an der Ruppertstraße Konzerte mit international bekannten Bands wie The Verve, aber auch Münchner Nachwuchsmusikern statt. Im März 1990 eröffnete er den ersten Münchner Live-Club.

Viele Konzerte, das war von Anfang an Frankes Konzept. Die Konzession für eine Kleinkunstbühne in der Tasche bescherte ihm eine kleine, inoffizielle Punk-Fete gleich die erste Schlagzeile: "Illegale Punkkneipe gegenüber dem KVR eröffnet", titelte eine Lokalzeitung. "Wir mussten schon ordentlich schrubben, um diesen Ruf wieder wegzubekommen", erinnert sich Franke. Auch führte nicht zuletzt der Ärger mit dem Kreisverwaltungsreferat dazu, dass die Konzerte im Substanz bereits um 22 Uhr enden mussten.

Doch die Uhrzeit schreckt nicht ab. Das Konzert einer jungen Münchner Band ist seit einer halben Stunde aus, doch die Besucher sind noch lange nicht feiermüde. Der Laden ist voll. Auf dem Weg zur Bar muss man sich an verschwitzten Körpern vorbeischieben. Einige lehnen erschöpft an der Wand oder an einem Stapel leerer Getränkekisten. Die meisten allerdings tanzen weiter ausgelassen zu den Gitarrenriffs, die aus den Boxen ertönen.

Genau so machte sich das Substanz mit der Zeit einen Namen in der Szene. Aus dem Boom, dem auch die Band Nirvana entstammte, holte sich Franke die Indie-Label-Bands der Stunde aus Amerika und Großbritannien "in die Hütte", hatte aber immer auch Platz für Nachwuchs-Musiker aus München. Bis 1996 das Atomic-Café eröffnete. "Die hatten die Konzession für einen richtigen Live-Club und haben das Konzept übernommen, das wir hatten."

Das Publikum bleibt jung

Das Substanz musste sich wandeln. Franke holte DJs ins Substanz, erweiterte seine Angebots-Palette um Hip-Hop- und House-Abende sowie Poetry Slams und Englische Comedy-Stunden. "Bis dahin waren wir eher ein Gitarrenladen", erzählt Franke. "Wir wollen aber nicht, dass unser Publikum mit uns altert." Und so sitzen tatsächlich die Twens dicht zusammen gepfercht an den Tischen, wenn es gilt, einen mutigen Kreativen beim Poetry Slam lautstark zu bejubeln oder auszubuhen. Weil der Altersdurchschnitt seit Jahren im Substanz bei 25 Jahren liegt, zieht sich der 48-Jährige allmählich vom Tresen ins Büro zurück. "Wer will denn schon sein Bier bei einem bestellen, der sein Vater sein könnte?"

Kreuzberg in München

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