Nach den Vorstellungen der Landtagsfraktion sollen ab dem Sommersemester 2006 unterschiedliche Gebühren pro Studienfach im Bereich zwischen 100 und 500 Euro erhoben werden.

Die CSU will bis zum Herbst ihr Konzept für die Einführung von Studiengebühren in Bayern vorlegen. Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann peilte am Dienstag das Sommersemester 2006 für die Umsetzung an.

Anzeige

Eine weitere Verschiebung wegen der im Herbst 2006 anstehenden Bundestagswahl solle es nach Möglichkeit nicht geben. "Da verstecken wir uns nicht", sagte er. Die SPD lehnte Studiengebühren erneut als unsozial ab.

Die von Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) zunächst geplante Einführung zum Wintersemester war wegen der kurzen verbleibenden Zeit verschoben worden. Herrmann will den Hochschulen innerhalb eines Rahmens von 100 bis 500 Euro weitgehende Freiheit bei der Festsetzung der Gebühren lassen. Möglich sind nach Auffassung des CSU-Fraktionschefs etwa unterschiedlich hohe Gebühren je nach Studienfach.

Umschichtung von Lehrerstellen

Herrmann bekräftigte, dass mittelfristig mit einer Umschichtung von Lehrerstellen an die Hochschulen begonnen werden soll. Hintergrund ist, dass die Schülerzahlen im Laufe der nächsten Jahre voraussichtlich wieder sinken werden, während der Andrang auf die Hochschulen bis ins nächste Jahrzehnt weiter zunehmen wird. "Die steigenden Studentenzahlen werden wir nicht über Studiengebühren lösen können", sagte Herrmann.

Die SPD bleibt bei ihrem scharfen Nein zu Studiengebühren. Landeschef Ludwig Stiegler und die Hochschulpolitiker der SPD- Landtagsfraktion prophezeiten "Wanderungsbewegungen der Studenten durch ganz Deutschland", wenn die Unionsländer Studienbeiträge einführen.

SPD befürchtet Verstärkung "sozialer Schieflage"

Heute besuchten bereits vier Fünftel aller Kinder aus einkommensstarken Familien eine Hochschule, aber nur jedes zehnte Kind aus einkommensschwachen Familien. "Die bayerische Staatsregierung verschärft mit der Entscheidung für Studiengebühren die soziale Schieflage an den Hochschulen", sagte der SPD-Hochschulexparte Wolfgang Vogel laut Pressemitteilung.

In ihrem Entwurf für ein neues Hochschulgesetz verlangt die SPD umfassende Mitbestimmungsrechte, finanzielle Autonomie und ein Verbot von Studiengebühren für die Hochschulen. Außerdem sollten eine Frauenquote eingeführt und Fachhochschulen den Universitäten weitgehend gleichgestellt werden. Die SPD will ihren nach rund einjähriger Diskussion erstellten Gesetzentwurf in den kommenden Wochen in den Landtag einbringen.

Stiegler sagte, in Bayern würden die Hochschulen noch immer von der Ministerialbürokratie "gegängelt", während andere Bundesländer die Eigenverantwortung seit Jahren rechtlich umgesetzt hätten. Mehr Freiraum sei aber nötig, damit die Hochschulen flexibel auf Herausforderungen und Innovationen reagieren könnten.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/dpa)