Studie über Neu-Münchner Single, 18 bis 35 Jahre, sucht Stadt

Was zieht sie an, die Neu-Münchner? Eine bislang unveröffentlichte Studie beleuchtet nun, wer in die Landeshauptstadt zieht - und warum. Ein Grund ist das große Jobangebot. Doch es gibt auch andere Motive. Und ein großes Manko.

Von Michael Ruhland

Er ist Treibstoff und Schmiermittel zugleich. Ohne den Zuzug in die Region München geriete der Motor ins Stocken, darin sind sich Experten einig. Der Motor, das ist zum Beispiel die Produktivität, die in München nach Analysen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung seit Jahren um zehn bis zwanzig Prozent über den Werten von Wirtschaftszentren wie Stuttgart, Nürnberg oder Hamburg liegt.

Der Motor, das sind auch die Steuereinnahmen, mit denen Kinderkrippen oder Busverbindungen bezahlt werden können. Auch sie liegen hier mit knapp 1200 Euro je Einwohner deutlich über den Werten von Ballungsräumen wie Nürnberg (850) oder Berlin (500); nur das Rhein-Main-Gebiet kann hier konkurrieren (1150). Der Motor, das sind nicht zuletzt die Kultur- und Freizeitangebote, die den meisten Unternehmen als sogenannte weiche Standortfaktoren wichtig sind.

Die Rechnung ist einfach: Weil auch hier Frauen im Durchschnitt nur etwa 1,3 Kinder bekommen, würde die Bevölkerung ohne Zuzug über die Jahre schrumpfen und überaltern. "Die Arbeitsplätze und Steuereinnahmen würden radikal zurückgehen", sagt Christian Breu, Chef des Regionalen Planungsverbandes. Seine Botschaft: Wachstum ist lebenswichtig für den Großraum. Bislang hat das recht gut geklappt. Seit 1999 ziehen pro Jahr im Schnitt 120.000 Menschen in die Region, 100.000 verlassen sie. Und: Die Zuzügler sind jünger als diejenigen, die wegziehen.

Nur, was genau zieht sie an? Gibt es so etwas wie den Prototypen des Neubürgers? Man kann sagen: Ja, es gibt ihn, wenn man das Profil sehr grob skizziert. Der durchschnittliche Zuzügler ist zwischen 18 und 35 Jahre alt, ist in aller Regel Single und kommt in seiner weiblichen wie männlichen Ausprägung ungefähr gleich häufig vor.

Im vergangenen Jahr hat sich die Stadt München erstmals die Mühe gemacht, nicht nur die Wegziehenden nach ihren Gründen zu fragen - wie sie es 2000 schon einmal getan hat -, sondern auch die Motive der Zuzügler herauszufinden. Für die repräsentative Studie verschickte das Planungsreferat 10.000 Fragebögen an Menschen, die ins Münchner Stadtgebiet gezogen waren (sowie 10.000 an Wegzügler).

Der Rücklauf war mit jeweils 25 Prozent erstaunlich hoch, so dass die Stadt jetzt auf einen wahren Schatz an verlässlichen Daten zurückgreifen kann: Was macht München so attraktiv? Fühlen sich die Neubürger wohl? Was bringt Bewohner dazu, der Stadt den Rücken zu kehren?

Zahlen, Daten, Fakten

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