Strobl über Krebs "Es ist besser, es nicht zu verheimlichen"

Bürgermeisterin Christine Strobl musste sich wegen Brustkrebs operieren lassen und eine Chemotherapie beginnen. Ein Gespräch über die Krankheit.

Interview: Sven Loerzer

Im September musste sich Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) wegen Brustkrebs operieren lassen und anschließend eine Chemotherapie beginnen. Die SZ sprach mit der 48-jährigen Politikerin darüber, wie Krankheit das Leben verändert.

Strobl über Krebs

Die 48-jährige SPD-Politikerin Christine Strobl arbeitet trotz ihrer Erkrankung weiter - auch wenn sie immer wieder Termine absagen muss: "Ich liebe das Amt und mache es sehr gerne."

(Foto: Foto: Catherina Hess)

SZ: Wie geht es Ihnen - können Sie diese Frage überhaupt noch ertragen?

Strobl: Ich freue mich eigentlich immer, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Man sollte dann aber eine ehrliche Antwort geben. Es geht mir nicht immer gleich gut. Nach der letzten Chemotherapie war es relativ schlimm. Da ging es mir drei, vier Tage schlecht. Jetzt geht es wieder aufwärts.

SZ: Darf man denn überhaupt zugeben, dass es einem schlecht geht?

Strobl: Ich habe für mich beschlossen, dass ich das zugeben darf, denn es ist ja nichts Ehrenrühriges. Man muss dazu stehen, wenn es einem nicht gut geht, auch wenn man dann schnell als schwächer und angreifbarer gilt.

SZ: Wie ist es bei Ihnen zu der Diagnose Brustkrebs gekommen?

Strobl: Ich habe den Knoten selber ertastet. Er lag so, dass man ihn deutlich gespürt hat, obwohl er noch sehr klein war. Dann bin ich sofort zur Ärztin gegangen. Sie hat mich ganz schnell zur Biopsie ins Krankenhaus geschickt. Zwischen dem Zeitpunkt, wo ich es gemerkt habe, und der Operation lagen zehn Tage. Ich würde jeder Frau raten, nicht nur zur Vorsorge, sondern sobald sie etwas bemerkt, sofort zum Arzt zu gehen. Dann sind natürlich auch die Chancen größer, wieder richtig gesund zu werden. Man muss keine Angst haben, wenn es gutartig ist, dann ist es okay, wenn nicht, dann gibt es inzwischen viele erprobte Methoden, wie etwa den Ansatz, brusterhaltend zu operieren.

SZ: Wie geht man mit den eigenen Gefühlen nach einer solchen Diagnose um?

Strobl: Es ist natürlich erst einmal ein Schock, man weiß ja nicht, ob der Krebs schon gestreut hat. Die schlimmsten Tage waren für mich die Tage vom Ertasten des Knotens bis zur Diagnose, das Warten. Dann war alles klar, dann konnte man handeln, da wird man operiert und die Therapie besprochen.

SZ: Wie haben Sie diese Wartezeit überstanden?

Strobl: Ich habe einen Freundeskreis, der mich auch jetzt trägt, und mit dem ich offen darüber reden konnte. Als ich noch nicht wusste, dass es Krebs ist, habe ich allerdings nur mit zwei Menschen darüber gesprochen.

SZ: Ihre Kinder sind elf und 15 Jahre alt, wann haben Sie es ihnen gesagt?

Strobl: Denen habe ich es von Anfang an gesagt, das bin ich ihnen schuldig. Sie wussten, dass ich zum Arzt gehe und auf das Ergebnis warten muss. Für meine Kinder ist das etwas schwieriger, weil sie vor sechs Jahren schon den Tod meines Mannes verkraften mussten. Ich bin sehr stolz auf meine Kinder, wie sie damit umgehen, die machen das ziemlich gut.

SZ: Viele Politiker, aber auch Sportler tun sich schwer, über Krankheit offen zu reden. Was war für Sie der Auslöser?

Strobl: Mein Terminkalender wird ja schon ein halbes Jahr im Voraus gemacht. Als ich wußte, dass ich eine Chemotherapie machen muss, war mir klar, dass ich Termine absagen muss. Ich war aber der Meinung, dass ich zwischendurch arbeiten kann, und das mache ich auch. Aber es ist nie absehbar, wann es doch nicht geht. Mir dann jedesmal Ausreden zu überlegen, von Bauchweh bis Kopfweh, das hätte nur dazu geführt, dass wegen der Absagen viele herumspekuliert hätten. Jetzt aber kann mein Büro offen damit umgehen, es war also für mich zunächst ein ganz pragmatischer Grund. Und außerdem habe ich gedacht, die Leute bekommen ja mit, dass ich eine andere Frisur habe, dass ich irgendwann keine Augenbrauen mehr haben werde. Selbst wenn man noch so versucht, das zu verheimlichen, denkt es sich irgendwann jeder. Wieso soll ich das dann nicht sagen? Ich bin doch keine Aussätzige.

SZ: Wie reagiert Ihr Umfeld?

Strobl: Ich habe nur positive Reaktionen bekommen, gerade auch von Frauen. Viele haben mir geschrieben, sie hätten auch Krebs gehabt, sich aber nicht getraut, darüber offen zu reden. Ich bin überzeugt davon, dass es besser ist, es nicht zu verheimlichen. Ich bin ja nicht die Einzige, die das hat. Vielleicht ist es auch ganz gut für andere, zu sehen, dass man mal eine Phase hat, wo es einem gesundheitlich nicht so ganz gut geht. Es heißt zwar immer, man darf auch mal schwach sein, aber man macht sich dadurch angreifbar, das gilt vor allem für Menschen in exponierten Positionen.

SZ: In der Politik wird oft darüber spekuliert...

Strobl: ... kann die das noch? Bisher ist mir da nichts zu Ohren gekommen. Der eine oder andere wird vielleicht schon darüber reden, aber es mir nicht gerade auf die Nase binden. Aber ich mache meine Arbeit ganz normal weiter, nicht ganz so viele Termine wie sonst, und bin dann mal tageweise nicht im Büro.

SZ: Wie haben Sie sich denn selbst mit dem Thema Krebs auseinandergesetzt?