Streit um umstrittene Lerninhalte Leiter der Lukasschule behält sein Amt

Die Landeskirche hat die Vorwürfe gegen die Lukasschule in München überprüft. Personelle Konsequenzen bleiben aus, der Leiter des Gymnasiums behält sein Amt. Zu Themen wie Schöpfungslehre soll es künftig Fortbildungen geben.

Von Tina Baier

Etwa 350 Kinder und Jugendliche besuchen die evangelische Lukas-Hauptschule im Neubau in der Laimer Riegerhofstraße. Grundschule, Realschule und Gymnasium sind in anderen Gebäuden untergebracht.

(Foto: Catherina Hess)

Die Vorwürfe gegen die Evangelische Lukas-Schule bleiben nach einer Untersuchung durch die Landeskirche ohne personelle Konsequenzen. Laut Untersuchung herrscht an der Schule "kein generelles Klima der Angst". Die Kirche musste jedoch einräumen, dass es in zwei "Einzelfällen" zu "missverständlichen Äußerungen" von Lehrern gekommen sei.

Den in die Kritik geratenen Leiter des Lukas-Gymnasiums, Jörg Birnbacher, will die Landeskirche weiter beschäftigen. Birnbacher war bislang Vorsitzender des christlich-konservativen Vereins "Die Wende", der sich mit anderen Vereinigungen zu einem Forum zusammengeschlossen hatte, das im Jahr 2006 Pressemitteilungen verschickt hatte, in denen unter anderem Stimmung gegen Homosexuelle gemacht worden war.

Den Vorsitz in dem Verein hat Birnbacher jetzt niedergelegt. Er wolle den Eindruck vermeiden, seine ehrenamtliche Tätigkeit könne "nur irgendwie meine Aufgabe als Schulleiter des Lukas-Gymnasiums beeinflussen", schreibt er in einer Erklärung. Birnbacher sei "ein noch junger Mann", der sich als Schulleiter des Lukas-Gymnasiums nichts habe zu Schulden kommen lassen, sagte Erwin Meister, Vorsitzender des Vorstands der Evangelischen Schulstiftung.

Als "blöd" bezeichnete Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, der Leiter der Untersuchung, dass die Schule die "kreationistisch ausgerichtete Bibelkommentierung" von John MacArthur an Schüler verteilt habe. Damit habe sich der Schulträger "zu den allgemeinen Bildungs- und Erziehungszielen der bayerischen Lehrpläne in Widerspruch gesetzt".

900 Anschreiben an die Eltern

Die Landeskirche hatte 900 Anschreiben an die Eltern von Schülern der Lukasschule verteilt, um den Vorwürfen nachzugehen. Zurück kamen 125 Meldungen in Form von E-Mails und Briefen, 44 Briefe von Schülerinnen und Schülern, sowie eine Unterschriftensammlung. "In drei von fünf Rückmeldungen wurden die bekannten Vorwürfe angesprochen und weitere Fragen aufgeworfen", heißt es im Untersuchungsergebnis. Zwei weitere Eltern hätten ihre Kinder abgemeldet, da sie ihnen die evangelikale Ausrichtung der Schule nicht zumuten wollten. Die anderen Rückmeldungen hätten die gute Arbeit der Lukas-Schulen gelobt und beklagt, "dass die Landeskirche sich nicht unverzüglich schützend vor die Schulen gestellt habe".

Als Konsequenz aus der kirchlichen Untersuchung hätten die Schulleitungen der Lukas-Schulen zugesagt, Elternbeschwerden in Bezug auf den Religionsunterricht oder das religiöse Leben in der Schule "an den Schulbeauftragten des Dekanats München weiterzuleiten". Zudem soll es eine Fortbildung für die Lehrer der Lukas-Schule geben, in der "die Leitplanken für das evangelische Schulwesen thematisiert werden". Alle Religionslehrer der Lukas-Schulen sollen schulintern eine Fortbildung zu den Themen "Schöpfungslehre" und "Fragen der Sexualität" erhalten.

Bierbaum räumte ein, dass die Lukas-Schulen anders als die meisten evangelischen Schulen in Bayern eine evangelikale Ausrichtung haben. Diese sei aber nicht fundamentalistisch, sondern könne als pietistisch bezeichnet werden. Die Anhänger dieser Glaubensrichtung seien innerhalb der Landeskirche zwar in der Minderheit; sie gehörten aber mit dazu. Die Landeskirche wolle auch weiterhin eine möglichst bunte Schullandschaft erhalten.

Allerdings empfiehlt sie der Lukas-Schule, zu überprüfen, "ob den Eltern hinreichend verdeutlicht wird, dass sie ihr Kind an einer Schule anmelden, in der eine bestimmte - im Rahmen der Landeskirche akzeptierte - Frömmigkeitsform grundgelegt ist".