Streit um neue Großmarkthalle Groß ist nicht groß genug

Die Kritik an den Plänen für eine neue Großmarkthalle in Sendling wächst: Fruchthändler fürchten den Ruin und auch CSU und FDP fordern Nachbesserungen.

Von Katja Riedel und Michael Tibudd

Nach dem Desaster um das Deutsche Theater und der Debatte um eine Sanierung des Gasteigs droht der Stadt bei einem weiteren Großprojekt Ärger. Die Händler auf dem Großmarkthallen-Areal wehren sich massiv gegen die Pläne zur Erneuerung des Geländes in Sendling. "Der Hallenneubau ist viel zu klein", sagt Günther Warchola, Präsident des Bayerischen Fruchthandelsverbandes, der 84 Großmarkthallen-Händler vertritt.

Auch CSU und FDP kritisieren die Pläne der Stadt. Das Vorhaben der Stadt "geht vollkommen am Bedarf vorbei und führt unweigerlich zum Ruin des gesamten Standorts", sagt Warchola. Konkret erzürnt die Händler eine angebliche Planung der Stadt, wonach ein Hallenneubau mit gerade einmal 8000 Quadratmetern als Ersatz für die bisherigen Handelsflächen von 15.000 Quadratmetern plus Lagerfläche vorgesehen ist.

Diese Zahl taucht bislang zwar weder in einer Beschlussvorlage für die Sitzung des Stadtrats am Donnerstag auf noch in einem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Auch Kommunalreferent Axel Markwardt wollte sie am Montag nicht bestätigen. Den Händlern seien die konkreten Pläne aber bei einer Besprechung mit Vertretern der Markthallen München mitgeteilt worden. "Das wäre der Untergang der Großmarkthalle und vieler Händler", sagt Warchola.

Die künftige Großmarkthalle kleiner zu bauen als bislang vorgesehen, war dabei eigentlich eine Erkenntnis, die Stadtpolitiker und Verwaltung aus ersten Ergebnissen des Gutachtens gewonnen hatte, das das Büro DU Diederichs angefertigt hat. Darin ist von bis zu 72.000 Quadratmetern Hallenfläche die Rede. Deren Bau würde auch nach Angaben der Stadtkämmerei bis zu 225 Millionen Euro kosten - zu finanzieren auch über die Mieten der Händler, die dann 30 Euro Miete pro Quadratmeter bezahlen müssten, statt bislang 12,50 Euro. Der Fruchtverband nennt das schlicht "unbezahlbar". Die Stadt habe daraus "jetzt aber die falschen Schlüsse gezogen" - und wolle zu klein bauen.

"Fast im Monatsrhythmus"

Kommunalreferent Markwardt hält die Aufregung der Fruchthändler "für nicht wirklich gerechtfertigt". Bei dem nach SZ-Informationen etwa 1,2 Millionen Euro teuren Gutachten handle es sich nicht um eine fertige Planung. Es habe allein die Aufgabe gehabt, die Grundlagen für eine solche zu schaffen, sagte Markwardt am Montag. Über die Größe des Neubaus werde darum auch in der Sitzung des Kommunalausschusses am Donnerstag keine definitive Entscheidung fallen. Die Anforderungen wolle man in einem Nutzerbedarfsprogramm erst ermitteln.

Die Grundsatzentscheidung, die Markwardt am Donnerstag im Stadtrat durchsetzen möchte, sieht vor, zunächst eine Halle zu bauen, die später Möglichkeiten für Erweiterungen lässt. Verwundert zeigte sich der Kommunalreferent auch über den Vorwurf der Händler, in die bisherigen Planungen zu wenig einbezogen worden zu sein. "Fast im Monatsrhythmus" sei das geschehen. Dazu Händlervertreter Warchola: "Wir sind gehört worden, aber nicht berücksichtigt."

Unterstützung bekommen die Händler von der Opposition im Rathaus. CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer ist der Meinung, dass das teure Gutachten verzichtbar gewesen wäre, Schlagbauer spricht von "zwei verlorenen Jahren". Auch FDP-Stadträtin Gabriele Neff forderte die Verwaltung auf, die Händler stärker anzuhören. Insbesondere müsse deren alternativer Vorschlag ernsthaft geprüft werden: Denn die Händler wünschen sich einen großzügigen Neubau an der Schäftlarnstraße gegenüber dem Heizkraftwerk. An dieser Stelle befindet sich derzeit ein Lkw-Parkplatz, der verlagert oder wegfallen müsste - von beidem raten die Gutachter mangels Alternativen ab.