Streit um Hochhaus Widerstand der Denkmalschützer

Die Frage, ob im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau des Hauptbahnhofs auch ein 75-Meter-Hochhaus entstehen kann, steht an diesem Dienstag im Mittelpunkt der Sitzung der Stadtgestaltungskommission. Dieses Expertengremium berät den Stadtrat bei strittigen Architekturthemen. Die Stellungnahmen haben ein besonderes Gewicht bei den Entscheidungen im Stadtrat.

Das Hochhaus, das nach den Plänen des Münchner Büros Auer Weber Architekten im Bereich des Starnberger Flügelbahnhofs entstehen soll, trifft besonders auf den Widerstand der Denkmalschützer. Zu ihnen gehören Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil und Stadtheimatpfleger Gert Goergens sowie der Landesdenkmalrat. Sie alle fürchten, dass der Turm massiv die Altstadt-Silhouette beeinträchtigen wird. Außerdem besteht die Sorge, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird. Denn auch andere Investoren könnten Hochhäuser am Rand der Altstadt bauen wollen. Auch die Initiativen Denkmalnetz Bayern, die Altstadtfreunde und die Initiative Münchner Architektur und Kultur lehnen den Bahnhofs-Neubau ab. Sie fordern eine "behutsame Sanierung" des Hauptbahnhofs. Die architektonische und geschichtliche Bedeutung dieses Bauwerks aus den Fünfzigerjahren mit dem denkmalgeschützten Starnberger Flügelbahnhof dürfe nicht einfach ignoriert werden.

Welches Votum die Stadtgestaltungskommission abgeben wird, lässt sich schwer prognostizieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Stadtbaurätin Elisabeth Merk und die Planungssprecher von CSU und SPD haben allerdings bereits ihre Sympathie für das Hochhaus-Projekt bekundet. An der Stelle des Flügelbahnhofs könne ein höheres Gebäude errichtet und ein besonderer architektonischer Akzent gesetzt werden. Gut möglich ist, dass auch die Stadtgestaltungskommission nach ausführlicher Diskussion zustimmt. Allerdings mit der Auflage, dass für den Turm ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird.