"Das kann doch nicht Ihr Ernst sein": Im Rathaus zeichnet sich ein breites Bündnis gegen den zweiten Stammstrecken-Tunnel unter der City ab.
Zweite Stammstrecke samt zusätzlicher Untertunnelung der City oder doch lieber der Südring, eine neue Strecke südlich um die Innenstadt herum? Allmählich wird es etwas unübersichtlich in der Debatte um den Ausbau der Münchner S-Bahn. Der aktuelle Stand: Nur Münchens SPD steht ohne Wenn und Aber hinter der Pro-Tunnel-Haltung der CSU-geführten Staatsregierung - als einzige Rathausfraktion.
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Mittendurch oder unten herum? Münchens S-Bahn ist überlastet. Die Ausbau-Variante des Südrings findet immer mehr Anhänger in der Stadt, während der Freistaat auf den zweiten City-Tunnel setzt. (© Grafik: SZ)
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Die christsozialen Stadträte zweifeln neuerdings an der Linie des Freistaats und fordern alternativ eine Prüfung des Südrings - gemeinsam mit Linken, FDP, Freien Wählern und Teilen der Grünen. Die Grünen sind in zwei Lager gespalten, während die FDP zwar im Rathaus Einigkeit demonstriert, mit ihrer Pro-Südring-Haltung aber in Opposition zum liberalen Verkehrsminister Martin Zeil steht.
Da passt es ins Bild, dass sich der Planungsausschuss des Stadtrats bei seiner Sitzung am Mittwoch darauf einigte, den große S-Bahn-Disput ins Plenum am 20. Mai zu vertagen - um wenige Minuten später mit einer heftigen Diskussion zu beginnen, die sich dann über gut zwei Stunden hinzog. Ein Beschluss wurde nicht gefasst, es zeichnet sich aber ab, dass es im Stadtrat wohl eine Mehrheit geben wird für die Aufnahme gleichberechtigter Planungen zum Südring.
"Auch der Tunnel könnte frühestens 2020 oder 2022 fertig werden", zitierte Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger aus Papieren des Verkehrsministeriums. Da bleibe genug Zeit, um fundierte Planungen auch für den Südring auszutüfteln.
"Wir brauchen eine gute Grundlage, um über ein solch langfristiges Projekt zu entscheiden", begründete CSU-Stadträtin Mechthilde Wittmann den überraschenden Kurswechsel ihrer Fraktion. Ihr Kollege Hans Podiuk hielte es für geradezu "fahrlässig", bei einem derart wichtigen Bauvorhaben nicht alle Alternativen ausreichend geprüft zu haben.
Die SPD geißelte die plötzliche Südring-Sympathie im schwarzen Lager als parteipolitisches Spielchen. Offenbar wolle die CSU Rot-Grün vorführen, mutmaßte Stadtrat Ingo Mittermaier - eine Haltung, die nicht mehr als verantwortungsbewusste Politik bezeichnet werden könne. Die CSU wies dies energisch zurück. Beobachter gehen davon aus, dass vor allem der Einfluss des Verkehrsexperten und langjährigen Tunnelkritikers Georg Kronawitter, der erst seit 2008 für die CSU im Stadtrat sitzt, den Meinungsumschwung befördert hat.
"Das kann nicht Ihr Ernst sein", reagierte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) auf die Ausführungen der CSU. Der Vorwurf, Alternativen zum zweiten Tunnel seien noch nicht ausreichend geprüft worden, sei eine "schallenden Ohrfeige" für die Politiker des Freistaats. "Ich rate davon ab, mit der CSU-geführten Staatsregierung derart grobschlächtig umzugehen." Tatsächlich sei "das Thema abgearbeitet wie kaum ein anderes in der bayerischen Verkehrspolitik".
Ude erinnerte an die Untersuchungen des früheren Verkehrsministers Otto Wiesheu (CSU) - gipfelnd in der 2001 vorgelegten Machbarkeitsstudie, bei der es exakt um die Frage "Tunnel oder Südring" gegangen sei. Zum Erstaunen auch der städtischen Experten habe sich damals herausgestellt, dass ein zentral durch die Innenstadt geführter Tunnel die wesentlich bessere Lösung sei.
Ude bezeichnete die Haltung der CSU als "grob fahrlässig". Die am Mittwoch in der SZ veröffentlichten Aussagen des verkehrspolitischen Sprechers der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Rotter, zeigten, wie ein solches Hin und Her bei denen ankomme, die tatsächlich die Entscheidung über den Münchner S-Bahn-Ausbau fällten: den Abgeordneten im Maximilianeum. Rotter hatte gewarnt, München könne ganz leer ausgehen im Rennen um die Verkehrsgelder des Freistaats, wenn der Eindruck entstehe, der zweite S-Bahn-Tunnel sei gar nicht wirklich gewollt. "Das Schlimme ist: Ich kann ihm nicht widersprechen", erklärte Ude, "ich würde an seiner Stelle dieselbe Position vertreten."
Nach Einschätzung von Albert Scheller, dem für die zweite Stammstrecke zuständigen Planungsexperten der Deutschen Bahn, würde ein Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Südring etwa fünf Jahre dauern. Denn alle bisherigen Überlegungen, so assistierte Stephan Reiß-Schmidt vom Planungsreferat, seien noch sehr grob: "Die Zahlen halten keiner Nachprüfung stand."
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(SZ vom 30.04.2009/sonn)
Frauen in Saudi-Arabien
Die neueste Antwort
Wieso muss die U5 bis nach pasing verlängert werden um als 2. stammstrecke zu gelten.
Die U5 fährt bekannterweise vom HBF über odeonsplatz (vgl. mit marienplatz=zentum und U3/U6 umsteigehub) bis zum ostbahnhof.
Dies IST bereits die zweite stammstrecke!
Es werden alle U-bahnen zum umsteigen bedient. Die 2. stammstrecke bringt gemessen an den kosten nicht viel, nur eine bequemlichkeit für die umländler. Alle zusätzlichen S- bahnen können am HBF bzw OBH enden und die fahrgäste können in die U-bahnen wechseln.
Die münchner selber haben von der s-bahn eh' nicht vie und werden ( haidhausener) mit bürgerbescheid etc. die planung/bau in die länge ziehen bzw verhindern.
Die anwohner des südrings; immerhin das westend, dreimühlenviertel, untergiesing, obergiesing, haidhausen (neubaugebiet: welfenstrasse) werden sicher auch nicht begeistert sein, zum zusätzlichen güter und personenverkehr alle paar minuten auch noch die s-bahn hören zu müssen. Darum darf hier die akzeptanz der münchener auch hier eher als fragwürdich zu bezeichnen sein.
Einzig der nordring in kombination mit der U9 ( auch mit airport anbindung) gäbe einen wirklichen benefit für münchener bürger.
Diese ansicht ist naturlich aus münchner sicht - das betroffene umländler das anders sehen liegt in der sache der natur!
Bitte erklären Sie mir mal, was der Ausbau der U5 mit dem S-Bahntunnel/-suedring zu tun hat.
Die Problematik ist ja nicht die, das Pasing verkehrstechnisch besser angeschlossen werden muss, sondern dass der alte S-Bahntunnel völlig ueberlastet und extrem störungsanfällig ist. Es geht um die Realisierung des 10min Taktes bei der S-Bahn sowie die Verbesserung der Puenktlichkeit!
Der Vorschlag von CSU Stadtrat Kronawitter zeigt deutlich, dass die 2. Stammstrecke nicht nötig ist. wenn die U5 bis Pasing geht, bildet diese U-Bahn faktisch die 2. Stammstrecke.
Interessant ist aber, andes als beim Tranrapid wie sich manche Medienvertrer in ihrer Kritik zurückhalten. Die Argumente eines zu teuren Prestigeprojektes gelten hier wohl nicht mehr. Aber diesmal geht es ja auch um ein Denkmal für OB Ude.
ist doch schon längst Makulatur!
Damals wurden die Kosten für den 2. Tunnel auf 1,4 Mrd. DM(!) geschätzt. Heute geht man von 2 Mrd. Euro(!) aus, also dreimal so teuer. Und dabei wurde die Planung schon mehrmals abgespeckt.
Das Haupargument für den 2. Tunnel damals war, dass die Kosten nur geringfügig höher wären als für den Südring. Dieses Argument zieht heute nicht mehr.
Seit Jahren gibt es nun dieses Theater um die zweite Stammstrecke.
Meine Empfehlung: wir sperren den Stadtrat ein, mauern alle Zugänge zu und sie dürfen erst dann wieder raus, wenn sie sich auf etwas geeignigt und dies als endgültig beschlossen haben. Eine Kerze für weißen Rauch geben wir ihnen gerne mit.