Münchens Ausländerbeirat sieht Migrantenkinder durch nach Herkunft getrennte Klassen benachteiligt - das Schulamt weist den Vorwurf zurück .
Die Kritik an nach Herkunft gebildeten Klassen reißt nicht ab: Der Ausländerbeirat forderte am Donnerstag offiziell "höchstmögliche Heterogenität" in den Schulen und auch in den Kindertagesstätten. Deutsche und Migrantenkinder dürften nicht getrennt werden. Das Schulamt versichert, die Abstammung der Kinder sei kein Kriterium.
"Besonders um Integration bemüht": Rektorin Ulrike Wanner in einer Klasse der Schule an der Hanselmannstraße (© Foto: Heddergott)
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An der Grundschule in der Hanselmannstraße in Milbertshofen hat sich der Streit entzündet: Türkische Eltern beschwerten sich darüber, wie in der SZ berichtet, dass eine "rein deutsche Klasse" und Klassen nur mit Migrantenkindern gebildet worden seien. Die Eltern befürchten, dass, wenn Kinder aus zugewanderten Familien unter sich bleiben, in der Klasse zu wenig Deutsch gesprochen und gelernt wird. Die Stadtrats-Grünen kritisieren "die Klassenbildung nach ethnischen Grundlagen", ebenso Sozialministerin Christa Stewens (CSU): "Damit wird Integration konterkariert, dies ist alles andere als förderlich."
Das staatliche Schulamt weist den Vorwurf als "ungerechtfertigt" zurück. Amtsleiterin Georgine Müller sagt, an keiner Schule in München würden Klassen bewusst nach der Herkunft der Kinder gebildet. An der Hanselmannschule sei sogar in allen Klassen die Zahl der Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit weit höher als die der Schüler mit anderen Nationalitäten.
Gerade an dieser Schule, die 400 Kinder aus 32 Nationen besuchten, bemühe man sich um gelungene Integration. Angesichts eines Migrantenanteils von 60 Prozent habe man heuer eigens fünf statt vier Eingangsklassen gebildet, um die Klassenstärken zu verringern, so Müller. Sie räumte aber ein, dass es eine Häufung von Kindern ohne Bekenntnis in einer Klasse geben kann - von Muslimen etwa: "Stundenplantechnisch" würden die Schüler für das Fach Ethik zusammengefasst.
Das Schulamt berücksichtigt bisher nicht, dass für etliche Schüler mit deutschem Pass nicht Deutsch die Muttersprache ist, weil die Kinder aus zugewanderten Familien stammen. In diesem Punkt setzt die Kritik des Ausländerbeirats der Stadt an. Vorsitzender Cumali Naz sagt, an mehreren Schulen in München würden Migrantenkinder in Klassen zusammengefasst. Es gebe immer wieder Beschwerden darüber.
Bei der Klassenbildung sei nicht, wie es das Schulamt sehe, die Staatsangehörigkeit entscheidend, sondern die Muttersprache. "Klassen, in denen Migrantenkinder die Mehrheit stellen, sind für die Schulkarriere der Kinder kontraproduktiv", so Naz.
Auch Waltraud Lucic, die Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, ist der Meinung, dass die Klassen "gut gemischt" sein sollten. Maximal 40 Prozent und mindestens 15 Prozent der Schüler einer Klasse sollten nach Auffassung des Ausländerbeirats aus immigrierten Familien stammen. Dasselbe müsse für Gruppen in Kitas gelten, "damit Migrantenkinder Deutsch im Kindergarten so gut lernen, dass sie mit gleichen Chancen in die Grundschule starten wie ihre muttersprachlichen Freunde". In der Praxis sehe es aber anders aus, beklagt Naz: "Es gibt keine Chancengleichheit für Migrantenkinder." Um dies zu ändern, so Lehrerverbands-Vorsitzende Lucic, müssten auch die Eltern mehr in die Pflicht genommen werden. Es sei zu spät, wenn die Kinder erst in der Schule Deutsch lernten.
Wie Integration gelingt, das beschäftigt die Schulen in zunehmendem Maße. In diesem Schuljahr lag bei den Erstklässlern der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund bei mehr als 50 Prozent, mancherorts bis zu 80 Prozent. Die Kritik aus Migrantenfamilien an der Art der Klassenbildung ist neu. Bislang beschwerten sich vor allem deutsche Eltern über einen zu hohen Ausländeranteil. Dabei gebe es auch immer wieder Versuche von Eltern, sich über die Schulsprengelgrenzen hinwegzusetzen, so das Schulamt. Müller: "Letztlich konnten wir aber alle Eltern von der gelungenen Integrationsarbeit an den Schulen überzeugen."
(SZ vom 24.10.2008/sonn)
Frauen in Saudi-Arabien
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Die Integration von Migranten in einer Gesellschaft ist immer ein zweiseitiges "Geschäft".
Nur immer darauf hinzuweisen, dass "Ausländer" sich integrieren müßten, ist platt, -die Gesellschaft muß sie sich auch integrieren lassen.
ich denke auch, dass ein verpflichtender kindergartenbesuch ab jahren, also mind. 2 jahre vor schulbeginn, unbedingt notwendig ist. dann würde auch die kinder deutsch lernen, deren eltern es offensichtlich nicht von alleine verstehen, warum es wichtig ist, die unterrichtssprache zu beherrschen. m.e. betrifft dieses sprachproblem im übrigen immer die gleichen sprach- und kulturkreise.
das "problem" liegt ja darin, dass "migration = muttersprache ist eine fremdsprache" so nicht kategorisch zutrifft. da die klassenzusammensetzung allerdings nicht auf grundlage der muttersprache erfolgt, kommt es nun zu unstimmigkeiten. grundsätzlich ließe sich dies ja bei der eingangsprüfung zur schulfähigkeit "abhaken". ich denke allerdings, dass es in münchen nicht das große problem sein wird, dass eltern nicht begreifen, dass auch sie selbst deutsch relativ gut beherrschen müssen - das engagement des ausländerbeirats spricht ja für sich!
"Maximal 40 Prozent und mindestens 15 Prozent der Schüler einer Klasse sollten nach Auffassung des Ausländerbeirats aus immigrierten Familien stammen." fordert die Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, das macht durchaus Sinn, aber an der erwähnten Hanselmannschule beträgt der Migrantenanteil 60 Prozent. Da habe ich schon rechnerisch ein Problem mit der Forderung von Frau Lucic.
Zu lösen wäre das mit einer veränderten Sprengelbildung, was für die einzelnen Schüler aber mit einer längeren Anreise zur Schule verbunden wäre. Und mit den KiTas verhält es sich nicht anders.
Eine gut gemeinte Forderung, aber tatsächlich kaum zu realisieren.
Der m.E. wichtigste Schritt wurde angesprochen und - Hurra! - in diesem Schuljahr auch endlich getan: Nämlich die Klassenstärken in diesen Schulen zu verringern. Nur dann hat die Lehrkraft annähernd eine Chance, auch auf Problemkinder einzugehen.
Ein weiterer wäre ein verpflichtender Kindergartenbesuch ab Vollendung des dritten Lebensjahres und, bei Bedarf, dort durchgeführte Sprachkurse.
rack66