Von Alexander Jaax und Michael Tibudd

Beim Streik am Mittwoch blieb es ruhig. Doch nun wirft Verdi einem Klinikchef vor, seine Mitarbeiter im Vorfeld eingeschüchtert zu haben.

Die Vorbereitung des Warnstreiks im öffentlichen Dienst am gestrigen Mittwoch hat zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität geführt.

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Verdi fordert in der aktuellen Runde acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro zusätzlich pro Monat. (© Foto: ddp)

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Der Münchner Verdi-Geschäftsführer Heinrich Birner griff am Mittwoch den Kaufmännischen Direktor des Klinikums, Gerd Koslowski, stark persönlich an. "Herr Koslowski ist am Tag vor dem Streik regelrecht durchgedreht", sagte Birner und formulierte dies auch schriftlich in einer Verdi-Presseerklärung.

"Volle Breitseite gegen die Gewerkschaft"

Grund des Anstoßes: Koslowski habe am Vortag des Warnstreiks versucht, Personalräte des Klinikums einzuschüchtern: Über seine Rechtsabteilung habe er die Mitarbeitervertreter wissen lassen, sie dürften auf keinen Fall Informationsmaterial, Flyer und Plakate annehmen und verteilen. Unberechtigt ausgelegtes Informationsmaterial sei "unverzüglich zu entfernen und zu vernichten".

Aus Sicht von Verdi ist das nicht irgendein Vergehen: Vielmehr greife der Klinikdirektor damit in das Grundrecht der Mitarbeiter auf Streik ein. "Das ist eine volle Breitseite gegen die Gewerkschaft und die Personalräte", sagt Heinricht Birner. Es stehe außer Frage, dass Gewerkschaften das Recht hätten, auch auf einem Betriebsgelände Informationsmaterial und Streikaufrufe zu verteilen.

Verdi-Juristen verweisen dazu auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 20. Januar dieses Jahres. Verdi-Chef Birner geht aufgrund des Vorfalls so weit, Koslowskis Eignung für seinen Beruf in Frage zu stellen: "Wer vor einem Streiktag die Nerven verliert, muss sich fragen, ob er nicht besser seinen Posten räumt."

Bei der Uniklinik mit ihren Standorten Innenstadt und Großhadern will man auf die scharfen Vorwürfe nicht im Detail eingehen. "Hier soll ein Schreiben an den Personalrat zu einem Skandal hochgepuscht werden", hieß es in einer Stellungnahme. Die Aufforderung des Kaufmännischen Direktors an den Personalrat, nicht mit Informationsmaterialien von Verdi zum Streik aufzurufen, könne man kaum als "Durchdrehen" bezeichnen. Vielmehr habe der Direktor das Bewusstsein der Beteiligten schärfen wollen, "dass die Beschäftigten am Klinikum die Verantwortung für eine Vielzahl von kranken Menschen haben".

"Nicht der Suppenkaspar der Nation"

Die Geschehnisse rund um den Streik selbst blieben am Mittwoch indes ruhig. Zwar waren viele Menschen zum Auftakt der zentralen Kundgebung auf den Wittelsbacherplatz gekommen - die Polizei sprach von 1000, Verdi von 1600 Teilnehmern. Die Beschäftigten aus so unterschiedlichen Feldern wie eben den Universitätskliniken, der Universitätsverwaltung, der Autobahnmeisterei, der Justiz oder der Staatstheater schafften es aber aus Sicht der jeweiligen Arbeitgeber allerdings nicht, den Betrieb in ihren Einrichtungen zu beeinträchtigen. Die Teilnehmer zogen allerdings unbeirrt vom Wittelsbacherplatz zur Staatskanzlei.

Die Unzufriedenheit zeigt sich etwa auf dem Schild, das die Justizmitarbeiterin Sabine Gruber mit sich trägt. "Die Justizbeschäftigten sind nicht der Suppenkaspar der Nation", steht darauf zu lesen. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren am Amtsgericht München. "Immer mehr von uns haben finanzielle Probleme", sagt die Personalrätin.

Verdi fordert in der aktuellen Runde acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro zusätzlich pro Monat.

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(SZ vom 12.02.2009/pfau)