Streik in Kindertagesstätten "Das ist nicht fair"

Münchner Eltern zeigen wenig Verständnis für die Streiks in Kindertagesstätten. Viele Kitas lassen ihren Betrieb weiterlaufen.

Von Ulrike Jochum

Am heutigen Mittwoch stellt sich für viele berufstätige Eltern wieder die Frage: Wohin mit dem Kind? Nach einem Gewerkschaftsaufruf am Montag befinden sich zahlreiche Einrichtungen des öffentlichen Lebens an diesem Tag im Warnstreik.

Nicht alle Kindertagesstätten beteiligen sich an den Warnstreiks. für die eltern kam der Aufruf zu kurzfristig, so das Argument.

(Foto: Foto: Alessandra Schellnegger)

Betroffen in München sind neben den kommunalen Kliniken oder den Stadtwerken und der Stadtbibliothek auch die städtischen Kinderkrippen und Tagesstätten. Hält man diese Maßnahme bei den Gewerkschaften für notwendig, so herrscht unter vielen Eltern Unmut. Verhaltene Reaktionen kommen auch von Seiten der Einrichtungen selbst: Einige Kindertagesstätten lassen ihren Betrieb weiterlaufen.

Ein Warnstreik von großer Bedeutung

"Ein junger Erzieher verdient knapp 2000 Euro Brutto im Monat. In einer Stadt wie München kann man damit nur schlecht leben", klagt Elke Hahn, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Problem besteht ihrer Meinung nach darin, dass die Kommunen den "Streit um leere Kassen auf dem Rücken der Beschäftigten" austragen. Daher auch die große Bedeutung dieses Warnstreiks.

Zwar bringe er jene Eltern, die ihre Kinder in Tageseinrichtungen untergebracht haben, in eine "unangenehme" Lage, doch betont die Gewerkschafterin auch, dass sie in solchen Fällen die gesetzliche Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben: "Der Arbeitgeber muss sie freistellen."

Mit Blick auf die freie Wirtschaft wisse man allerdings, dass es oft schwierig sei, dieses Recht tatsächlich umzusetzen, so Claudia Thiele vom Verein Kleinkindertagesstätten e.V., in dem Münchner Elterninitiativen zusammengeschlossen sind.

Das Verständnis der Eltern ist gering

Als die Erzieherinnen im vergangenen Frühjahr gestreikt haben, sei die Solidarität der Eltern sehr groß gewesen, so die Sprecherin: "Viele sind auf die Demos mitgegangen." Obwohl Thiele das Ergebnis der darauf folgenden Tarifverhandlungen als "unterm Strich sehr enttäuschend empfindet", sieht sie es doch als "erstaunlich und merkwürdig" an, dass die Gewerkschaften erneut gerade diese Berufsgruppe zum Streik aufrufen: "Das ist nicht fair gegenüber den Eltern, und deren Verständnis ist gering."

Einige Einrichtungen lassen ihren Betrieb heute weiterlaufen. Im Grundschulhort an der Heimeranstraße etwa verzichtet man auf einen Warnstreik, da Verdi erst am Montag dazu aufgerufen hat. "Das ist uns zu kurzfristig, wir haben Eltern, die arbeiten", erklärt eine Erzieherin.

Auch der Kindergarten in der Himbselstraße nimmt sich wie immer seiner 100 Kinder an. "Ich habe Verständnis für die Aktion", so eine Mitarbeiterin, "glaube aber nicht daran, dass sie viel bewirkt". Und die Eltern? "Die hoffen für uns, sind aber langsam genervt."