Von Jan Bielicki

Nach Udes Abtritt sehen die Grünen gute Chancen für einen eigenen OB-Kandidaten. Hep Monatzeders Bewerbung ist in der Partei umstritten.

Die Grünen wollen auch nach den Rathauswahlen 2014 zusammen mit der SPD die Stadt regieren - dann allerdings unter der Leitung eines grünen Oberbürgermeisters. Oder einer grünen Oberbürgermeisterin. Bei der OB-Wahl in vier Jahren "werden wir ganz klar auf Sieg spielen", kündigte Parteichef Nikolaus Hoenning an. Führende Grüne aus der Stadt waren zuvor auf einer parteiinternen Strategiekonferenz übereingekommen, spätestens bis 2012 eine Kandidatin (oder einen Kandidaten) aufzustellen, die den Anspruch der Grünen unterlegen soll, nach dem Abgang von OB Christian Ude (SPD) selbst das höchste Amt der Stadt zu besetzen.

Hep Monatzeder

Hep Monatzeder will hoch hinaus - als OB-Kandidat der Münchner Grünen. (© Foto: Alessandra Schnellnegger)

Anzeige

Darauf, wer für die Grünen einen OB-Wahlkampf "in Richtung Augenhöhe" (Hoenning) gegen die Bewerber von SPD und CSU führen könnte, will sich die Parteispitze noch nicht festlegen. "Bekannt und beliebt in der Stadt sollte diese Person sein und Erfahrungsschatz mitbringen", erklärte die Parteichefin Hanna Sammüller. Namen nennt sie so wenig wie ihre Vorstandskollegen. Nur ein grüner Promi hat schon genaue Vorstellungen davon, auf wen dieses Anforderungsprofil passt. "Es gibt zwei Optionen", sagte Bürgermeister Hep Monatzeder der Süddeutschen Zeitung, "entweder wir setzen auf den Charme eines neues Gesichts oder auf einen erfahrenen und bekannten, sagen wir: Bürgermeister." Und der heißt eben: Hep Monatzeder.

Monatzeder war bereits bei den OB-Wahlen 2002 und 2006 Kandidat seiner Partei und kam erst auf 2,7 Prozent, vier Jahre später auf 3,4 Prozent der Stimmen. Aber nachdem 2014 der, so Monatzeder, "Überkandidat" Ude nicht mehr antritt, rechnet er mit "einer ganz großen Chance" für die Grünen - und vor allem für sich selber. "Alle potentiellen Kandidaten der Grünen haben gute Siegchancen", sagt der Bürgermeister, verweist aber auf Umfragen, denenzufolge er selbst der beliebteste und bekannteste Grüne der Stadt sei. Die Münchner, so wirbt Monatzeder für sich, "wählen Kontinuität und Leute, die sie kennen und die sich bewährt haben".

Umstrittene Bewerbung

Allerdings ist Monatzeders Bewerbung innerhalb der Grünen alles andere als unstrittig. Bereits im Vorfeld des Wahlkampfes von 2008 konnte sich der Bürgermeister nur mühsam durchsetzen - viele Grüne wollten damals schon lieber eine Frau als Spitzenkandidatin sehen. Vor allem aber wird Monatzeder am Wahltag 2014 bereits 62 Jahre alt sein und gehört damit einer Generation an, die nach Meinung jüngerer Parteiaktivisten ihre Führungsposten abgeben sollte. "Wir sollten nicht mehr mit Spitzenpersonal in Wahlen gehen", sagt die Parteichefin Sammüller, allerdings auch in Richtung Bund, "das bereits in der rot-grünen Bundesregierung die Minister gestellt hat".

Einen Wechsel ihres Bündnispartners im Rathaus streben die Grünen mit der Kür ihres OB-Kandidaten jedoch nicht an. Zwar habe "die SPD in München noch nicht verstanden, dass sie auf dem absteigenden Ast ist", ätzte der Grünen-Chef Hoenning. Doch nach wie vor seien die Sozialdemokraten "die Partei, die uns inhaltlich am nächsten steht", erklärte seine Co-Chefin Sammüller, "die SPD ist unser Wunschpartner" - auch über 2014 hinaus. Ausdrücklich bekannte sich Sammüller zu "dem starken rot-grünen Bündnis" im Rathaus: "Spekulationen über irgendwelche andere Bündnisse wären gefährlich".

Zwar sollte die grüne Partei eigene Positionen künftig durchaus "frecher" auch gegenüber dem Rathaus vertreten, doch Bruchstellen für die rot-grüne Koalition sieht sie nicht. So seien beispielsweise ihre Vorstandskollegen und auch sie "ganz persönlich" weiter gegen die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018, aber "als Vorstand vertreten wir natürlich die Beschlüsse unserer Basis". Und die hatte der Olympia-Kandidatur zugestimmt. Dem SPD-OB wollen sie ohnehin näherkommen. Nachdem Ude öffentlich gerügt hatte, er habe die Parteivorsitzenden seines grünen Koalitionspartners noch nie zu Gesicht bekommen, haben Hoenning und Sammüller jetzt um einen Termin gebeten.

Leser empfehlen 

(SZ vom 15.01.2010/lim)