Straßen fühlen Tasten und flanieren

Melanie Egerer ertastet den Stadtplan, neben ihr Sigrid Koneberg, Leiterin des GeodatenService München.

(Foto: Robert Haas)

München hat nun einen Stadtplan für Sehbehinderte

Melanie Egerer fährt mit ihren Fingern die Theatinerstraße entlang, von da geht's weiter südlich - bis sie schließlich am Kommunalreferat ankommt. Dort wurde am Donnerstag ein Innenstadtplan für blinde und sehbehinderte Menschen vorgestellt. Und auch Sehende finden sich darauf zurecht.

"So lässt sich die Stadt zusammen ertasten", sagt Egerer, die für den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) arbeitet. Dieser wurde - wie auch der Behindertenbeirat und der Club Behinderter und ihrer Freunde - von Anfang an in die Konzeption des Plans eingebunden. Die Stadt koordinierte die Entwicklung und steuerte über den GeodatenService München die benötigten Daten bei.

Stadtpläne haben üblicherweise einen Maßstab von 1:20 000. Da ein über den Tastsinn erfahrbarer Plan aber nicht mit Inhalten überfrachtet werden darf, wurde für die Neuentwicklung ein Maßstab von 1:2500 gewählt. Das Produkt lässt sich zwar falten, ist aber zu groß für die Westentasche - für den Einsatz in der Innenstadt selbst also ungeeignet. Dies war aber von vornherein so geplant. Blinde und sehbehinderte Menschen sollen sich mittels des Plans auf einen Stadtbesuch vorbereiten können, zum Beispiel mit einem Orientierungs- und Mobilitätstrainer.

Anders als das Innenstadtmodell an der Frauenkirche oder die Tastpläne im Stadtmuseum enthält der neue Plan auch wichtige Informationen wie U-Bahn-Abgänge oder Ampelanlagen. Die Straßen sind glatt, die Fußgängerzonen erhaben.

Mit der Fertigung wurde die Deutsche Blindenstudienanstalt beauftragt. Alle 100 Pläne entstanden in Handarbeit: die farbigen Markierungen im Siebdruck, das Relief durch Tiefziehen. Dabei entstanden Kosten in Höhe von 18 400 Euro. Der Plan steht nicht zum Verkauf, sondern wird öffentlich zum Ausleihen zur Verfügung gestellt. 40 Pläne erhält das Koordinierungsbüro zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Sozialreferat, 40 der BBSB, zehn die Stadtbibliotheken und zehn das Kommunalreferat.